Ausfahrt an der Fränkischen Straße

In Bonn-Bechlinghoven gibt es entlang der Siegburger Straße einen durchgehenden Radweg, der für beide Richtungen auf einer Seite verläuft. Über Radwege auf der Gegenseite hatte ich neulich schon geschrieben; der Radweg hier hat an zwei Kreuzungen noch besonders große Kurvenradien. Kurvenradien steuern die Geschwindigkeit, mit der gefahren wird. Aber an der Kreuzung mit der Fränkischen Straße ist es nochmal besonders krass. Hier die Übersichtskarte von OpenStreetMap:

Fährt man die Siegburger Straße Richtung Zentrum (nach Westen), so befährt man den Radweg auf der normalen, rechten Seite. Man kann hier im Bild gut den sehr großzügigen Kurvenradius sehen.

Der hat zwei böse Konsequenzen:

  1. Zum einen fährt man als Radfahrer hier im recht spitzen Winkel auf den Bordstein auf. Ist der Winkel zu spitz, kommt man nicht hoch, sondern prallt mit dem Reifen ab, fährt also im Rinnstein weiter. Der Schwerpunkt bewegt sich aber über den Bordstein weiter, man stürzt. Und eventuell stürzt man auch Richtung Autoverkehr. Um dies zu Umgehen muss man etwas ausholen und im stumpfen Winkel auf den Bordstein auffahren.

  2. Der große Kurvenradius lädt von der Siegburger Straße kommende Autofahrer zum zügigen Rechtsabbiegen ein.

Für diese Fahrtrichtung ist das meist nicht so schlimm. Der Autoverkehr ist dort mit 50 km/h unterwegs, die Radfahrer meist nicht über 25 km/h, weil es schon ein eher schmaler Weg ist. Dadurch überholen die Autofahrer die Radfahrer kurz vorher und übersehen sie nicht so häufig.

Unübersichtlichkeit im Gegenverkehr

Ganz anders sieht das aber im Gegenverkehr auf. Wenn ich als Radfahrer Stadtauswärts (also Richtung Sankt Augustin, nach Osten) fahre, ist man auf der gefühlt falschen Seite unterwegs. Und es ist nicht nur mein Gefühl. Das Verhalten der Autofahrer deutet auch darauf hin, dass sie auch nicht mit Radverkehr aus der anderen Richtung rechnen. Die rote Farbe auf dem Boden weist darauf hin, aber das scheint einige nicht zu interessieren.

Man sieht in die Kreuzung einfahrend also das hier:

Der große Kurvenradius führt zu einer sehr breiten Furt, die man als Radfahrer queren muss. Der Winkel vom Bordstein ist auf beiden Seiten ungünstig. Durch den Zaun ist es erschwert nach links in die Fränkische Straße zu schauen und auf unachtsame Autofahrer zu achten. Man sieht auch die Radfahrerin, der das alles zu blöd ist und die Benutzungspflicht des Radweges ignoriert. Das ist auch nicht erlaubt.

Wenn ich also hier ankomme, so achte ich nach links auf die Autofahrer, die mich vielleicht nicht sehen. Ich mache einen Schulterblick nach hinten rechts, um Linksabbieger rechtzeitig zu sehen. Und ich schaue nach vorne nach Rechtsabbiegern, die nicht mit Radfahrern von vorne rechnen.

Gerade der Verkehr von vorne macht mir regelmäßig Angst. Das folgende sind zwei Standbilder von einem regnerischen Tag im Herbst. Die Fahrbahn ist feucht, die rote Farbe recht rutschig. Es liegt Laub dort. Aber auch ohne diese Dinge wäre die Situation schon unangenehm genug. Durch die feuchte Fahrbahn kann ich nach vorne nicht so viel erkennen. Ich kann nicht so recht erkennen, wie viele Fahrzeuge da kommen, und ob eines von denen nach rechts (also von mir aus nach links) blinkt. An dieser Stelle kann ich aber noch gut anhalten, wenn ich muss.

Bin ich aber mitten bei der Überquerung der Einmündung, so kann ich nur hoffen, dass es gut ausgehen wird. Im nächsten Bild sieht man das ganze ein wenige Sekunden später. Das erste Auto ist genau auf der Höhe zum Abbiegen. Und hoffentlich würde ich vom Fahrer gesehen werden.

Die Sichtbeziehung zwischen mir und dem Fahrer des nächsten Fahrzeuges ist aber die ganze Zeit durch das erste Auto behindert. Erst ab diesem Punkt ungefähr kann der Fahrer mich wahrnehmen. In dieser speziellen Situation bin ich auf dem Bordstein gewesen, bevor der zweite Fahrer hätte rechts abbiegen können. Eine Verschiebung um wenige Sekunden kann aber schon zu einer kritischen Situation kommen.

Ich achte dann paranoid auf die rechten Blinker der Autos, die kann ich nämlich früher sehen als den Fahrer. Einige Leute zeigen die Fahrtrichtung nicht an, daher ist das keine Garantie. Aber falls ich es blinken sehe, weiß ich immerhin schon ein paar Sekunden früher Bescheid.

An einem anderen Tag hatte ich eine ähnliche Situation. Dort hat der Fahrer mich aber rechtzeitig gesehen und auch brav angehalten und gewartet. Ich konnte also da gut bis zum Ende fahren.

Trotzdem bin ich immer super achtsam, weil die eingeschränkte Sichtbeziehung einfach brandgefährlich ist.

Manchmal ist die Tankstelle voll ausgelastet, sodass es einen Rückstau gibt. Viele Autofahrer wissen nicht, wie lang ihr Auto wirklich ist. Und dann blockieren sie halt meinen Radweg.

Mangelnde Einsehbarkeit

Gleichermaßen ist es für die aus der Fränkischen Straße ausfahrenden Autofahrer nicht einfach die Radfahrer aus meiner Richtung kommen zu sehen. Gerade Linksabbieger müssen hier auf vier Richtungen achten:

  1. Autofahrer aus Sankt Augustin
  2. Autofahrer aus Bonn
  3. Radfahrer aus Sankt Augustin
  4. Radfahrer aus Bonn

Und so kommt es dann, dass sie etwas weiter nach vorne fahren, um sinnvoll nach links zu schauen. Dabei stehen sie auf dem Radweg, und ich kann letztlich nur warten.

Gerade wenn mehr Radfahrer unterwegs sind, wird die Situation immer absurder. Hier ist die Fahrerin schon vorgeprescht. Die Radfahrer haben sich dann durch die Lücke gequetscht und wurden unnötig durch die restlichen Autos gefährdet.

Ich erkenne vollkommen an, dass das eine unübersichtliche Kreuzung ist. Die Schuld tragen nicht alleine die Autofahrer, die dort herauskommen. Das ist Versagen bei der Planung. Gerade die Richtung nach Bonn ist einfach total unübersichtlich:

Wie soll man als Autofahrer nur so weit vorfahren, dass die Motorhaube nicht auf den Radweg ragt und gleichzeitig sinnvoll nach rechts schauen, um Radfahrer früh genug zu erkennen?

Die Beschilderung ist natürlich korrekt. Es werden vor in beide Richtungen querenden Radfahrern gewarnt. Aber das schiebt die schlechte Ausgestaltung der Kreuzung in den Verantwortungsbereich der Autofahrer, die dafür aber nichts können. Autofahrer sind klar schuld, wenn sie dort einen Radfahrer umfahren. Aber das hilft dem Radfahrer bei seinen Verletzungen dann auch nicht mehr so viel. Besser wäre es, wenn die Kreuzung besser wäre.

Verbesserungsmöglichkeiten

Ich meckere ja wirklich gerne. Und meist habe ich auch Ideen, wie man das für die Radfahrer verbessern kann. Das Problem ist allerdings, dass man den Autofahrern dann so viel Platz wegnimmt, dass die Akzeptanz überhaupt nicht gegeben ist. Wir sind in einem Prozess, bei dem wir mit kleinen Schritten vorgehen müssen, um so langsam das Bewusstsein zu verändern. Die Niederländer sind uns da grob 30 Jahre voraus, das können wir nicht so schnell wieder aufholen. Hier an dieser Gefahrenstelle habe ich aber schon ein paar Ideen, wie man das ohne extrem viel Aufwand verbessern kann.

Die Niederländer haben erkannt, dass abbiegende Autofahrer zwei Aufgaben haben: Querenden Radverkehr durchlassen und auf querenden Autoverkehr achten. Das ist in den Bildern oben gut zu sehen, wie das zu Konflikten führt. Als Lösung gibt es in den Niederlanden das Konzept der geschützten Kreuzung. Von dem entspricht am ehesten die jeweils linke Kreuzungshälfte dieser Situation.

In Deutschland (rechte Bildhälfte) hört der Radweg einfach plötzlich auf und fängt nach der Kreuzung wieder an. Die Begegnung zwischen Autofahrern und Radfahrern ist fast parallel und führt zum ersten Satz Problemen, die ich angesprochen habe. In den Niederlanden (linke Bildhälfte) wird dagegen der Radverkehr etwas verschwenkt. Es gibt noch eine Verkehrsinsel, die den Kurvenradius effektiv kleiner macht. Die Autofahrer müssen also etwas langsamer abbiegen als vorher. Und sie treffen im rechten Winkel auf den Radverkehr, können ihn also ohne Schulterblick wahrnehmen.

An dieser Stelle ist eine derartige Verschwenkung vielleicht nicht umsetzbar, weil der Privatgrund der Tankstelle dort anfängt. Aber man könnte das Land vielleicht abkaufen. Es geht aber auch ohne. Man müsste nur den Kurvenradius des Bordsteines etwas kleiner wählen. Somit könnten die Autofahrer nicht mehr in der Geschwindigkeit abbiegen, wie sie es bisher können. Der spitze Winkel für die Radfahrer wäre auch eliminiert. Dazu braucht es keinen zusätzlichen Platz. Es wären ein paar Tiefbauarbeiten, und dann wäre die Situation schon besser.

Ein Grund für den großen Kurvenradius könnten die Tanklaster sein, die die Tankstelle beliefern müssen. Da gab es irgendwann mal wohl eine Anfrage, ob man die Belieferung nicht über die parallel laufende B56 durchführen könnte. Und dort wollte man seitens der zuständigen Behörde keine Einmündung einrichten, weil das den (Auto)-Verkehr auf der Bundesstraße beeinträchtigen würde. Genau mein Humor.

Ein Radweg für beide Richtungen macht die Situation komplex. Würde man hier einen Radweg auf die andere Seite machen, könnte man die Situation entschärfen. Wenn ich mir die Breite der Fahrstreifen anschaue, könnte dafür sogar auch noch Platz sein. Das müsste man aber einmal ausmessen. Auf dem Bild sieht es jedenfalls eher üppig breit aus.

Zumal dort entlang der B56 keinerlei Radwege vorhanden sind. Man darf dort einfach nicht mit dem Rad fahren. Man muss den Umweg über die Siegburger Straße nehmen und später über die Gartenstraße wieder zur B56 fahren. Wir haben hier also zweimal zwei Fahrstreifen exklusiv für den Autoverkehr, und nur einen Radweg (der mit Fußgängern geteilt ist) für den Radverkehr. Das erscheint mir nicht mehr zeitgemäß.

Für die aus der Fränkischen Straße kommenden Fahrer wäre die Verschwenkung nach Niederländischem Vorbild aber sehr sinnvoll. So könnten sie zuerst den querenden Radverkehr durchlassen, ohne auf die anderen Autos achten zu müssen. Dann haben sie genug Platz zwischen Radweg und den weiteren Fahrstreifen und können dort in Ruhe auf eine Lücke im Autoverkehr achten. Das würde die regelmäßigen Situationen dort deutlich entschärfen.

Dies ist eine der vielen brenzligen Stellen, die man als Radfahrer in Bonn überleben lernen muss.