Einträge über Verkehr

Seit ungefähr 2015 nehme ich meine Umgebung beim Radfahren nicht mehr als gegeben hin, sondern als etwas, das man politisch und verwaltungsrechtlich verändern kann. Beim Rad-Dialog der Stadt Bonn 2017 habe ich mich kräftig engagiert, die Eingaben verschwanden aber alle in einer Schublade. Das hat mich geärgert, und ich habe mir andere Wege gesucht, Verbesserungen für den Radverkehr zu erwirken.

Inzwischen bin ich Aktiver im Radentscheid Bonn, Mitglied im ADFC und versuche als unabhängiger Bürger die Verwaltungen verschiedener Städte zur Umsetzung geltendem Rechts zu bringen. Darüber hinaus versuche ich ein Bild einer inklusiven Verkehrswende zu gestalten, bei der jede Person frei mobil sein kann und echte Wahlfreiheit des Verkehrsmittels kommen wird.

Die Artikel sind mit Schlagworten nach den Städten und Stadteilen organisiert sortiert, in denen ich aktiv bin. Besonders hilfreich ist auch die Karte mit Artikeln, mit der man Artikel direkt nach geografischem Bezug finden kann.


Mehr Straßen wegen mehr Verkehr wegen mehr Straßen

Ich habe zugenommen, wie jedes Jahr. Meine Jacke passt mir schon länger nicht mehr, aber ich mache sie einfach nicht mehr richtig zu. Das ist zwar kalt, aber irgendwie habe ich mich daran gewöhnt. Nun passt mir allerdings meine Hose auch nicht mehr so recht. Schon immer musste ich den Bauch ein bisschen einziehen, jetzt aber so richtig. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich die nicht mehr komplett zubekommen kann.

Um bei der Hose ein Unglück zu verhindern, wie bei der Jacke, muss ich nun entschlossen gegensteuern. Es darf nicht sein, dass die Hose nicht mehr zugeht. Und so werde ich morgen in die Stadt fahren und mir neue Hosen kaufen, die groß genug sind. Und ich werde auch direkt schon welche kaufen, die noch eine Nummer größer sind. Mein Bauch wird, wenn man die Entwicklung fortschreibt, nächstes Jahr noch größer werden. Da muss ich jetzt investieren und schon die passenden Hosen kaufen. Bei der Jacke müsste man etwas machen, aber dafür ist kein Geld mehr im Kleidungsbudget übrig, das brauche ich für die Hosen.

Klingt absurd? Das dachte ich mir beim Lesen der Aussagen von Bundesverkehrsminister Wissing ebenfalls. Im verlinkten Artikel wird er zitiert:

Wenn wir auf der Straße nicht ähnliche Zustände wie gerade bei der Schiene erleben wollen, müssen wir auch hier jetzt dringend gegensteuern.

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Bremsbereites Draufhalten

Als Oberstufenschüler war ich angehender Erstwähler und interessierte mich besonders für die Abschaffung des Wehrdienstes. Ich schaute mir da Interviews mit den Parteien an und auch eines von einer Schülerreporterin mit Guido Westerwelle von der FDP. In dem Interview gab es einen Moment, in dem die Reporterin Westerwelle ins Wort fällt, er ihr das aber gar nicht übel nimmt und sie die Frage in Ruhe stellen lässt. Sie ist etwas nervös, weil sie ihm gerade ins Wort gefallen ist. Er wirkt hingegen sehr freundlich, weil er sie gewähren lässt.

Zumindest war das meine naive Interpretation davon. Mein Vater, Fernsehprofi, erklärte mir den Trick dahinter: Herr Westerwelle war natürlich absolut routiniert in derartigen Interviews. Und so hat er die Reporterin absichtlich dahin gelockt, dass sie ihm ins Wort fällt. Daraufhin konnte er sich als großzügig positionieren und sie ein klein bisschen schlechter darstehen lassen. Sie würde etwas nervöser werden und eventuell nicht mehr kritisch nachfragen, weil sie nicht direkt wieder negativ auffallen wollte.

Ich habe das damals nicht direkt verstanden und bin total auf diesen rhetorischen Trick reingefallen. Er lässt der anderen Person das Gefühl eines Fehlverhaltens geben, ohne dass diese wirklich das Fehlverhalten gezeigt hatte. In seiner Ausführung geht der Trick so, dass man so tut, als wollte man nichts sagen, wartet bis die andere Person gerade ansetzt und dann unvermittelt selbst anfängt etwas zu sagen. Man kommuniziert »untelegrafiert«, also ohne Vorbewegung oder Einleitung. Das führt zu Konflikten.

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Mobilität im Zeitalter von Teleportation

In der Diskussion um Verkehr geht es häufig nur darum, mehr Kapazität zu schaffen. Ich habe auch lange nur diesen Blickwinkel gehabt. Man schaut sich an, wo die Leute wohnen, wo sie arbeiten, wo die Geschäfte und Freizeitaktivitäten sind. Und dann schaut man, wie sehr man die Straßen dazwischen ausbauen muss. In Bonn arbeiten zum Beispiel viele Leute in Hochkreuz bei Telekom, Deutscher Post, Deutscher Welle und der UN. Daher braucht es leistungsfähige Transportmittel und es liegt nahe, eine Autobahn direkt von der A 565 zur A 562 (Venusbergtunnel) sowie deren Verlängerung zur A 3 (Ennertaufstieg) zu bauen. Die Leute wohnen in Speckgürtelstädten wie Meckenheim und Rheinbach und pendeln dann rein.

Dieser Logik folgend müssen wir immer mehr Kapazität bauen, damit die Leute nicht mehr so viel Zeit im Stau verschwenden müssen. Die Geschwindigkeit auf dem Weg zur Arbeit soll steigen. Es müssen auch mehr Verbindungen gebaut werden, damit die Strecken kürzer und so effizienter werden können. Vor Ort braucht es dann genügend Parkplätze, damit man sein Auto in kurzer Zeit loswerden kann. Die Gehstrecke zum Arbeitsplatz darf dann auch nicht zu lang sein, sonst lohnt sich die neue Autobahn eigentlich gar nicht.

Diese Betrachtungsweise lässt aber außen vor, dass Leute umziehen und Arbeitsplätze gewechselt werden können. Gibt es eine neue Schnellstraße, so spart man Strecke. Im Mittel führt das aber nicht zu einer Ersparnis bei der Reisezeit. Vielmehr ziehen Leute dann weiter nach draußen, weil dort günstiger zu wohnen ist. Und durch die neue Schnellstraße kommen sie ja auch zügig zur Arbeit. Der Bedarf an Kilometern steigt dadurch aber. Das Zeitbudget bleibt konstant, die Erhöhung in Geschwindigkeit erhöht nur die Distanzen, die zurückgelegt werden.

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Verschiedene Bevölkerungsdichten in Cities Skylines ausprobiert

Ich habe in Cities Skylines noch einmal eine Stadt bauen wollen, die ganz furchtbar autofokussiert ist. Und dann habe ich dank Radwege-Erweiterung noch ein Viertel gebaut, das so Blöcke hat. Und dann kann man gut vergleichen, wie die so sind. Zuerst habe ich alles voller Autobahnen und Schnellstraßen gebaut.

Dann habe ich da in die Lücken noch ein paar Häuser gesetzt, damit da auch Leute sind, die die ganzen Straßen nutzen.

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Sprachliche Entmenschlichung im Straßenverkehr

Im Straßenverkehr werden Vorgänge beschrieben, als hätten Autos einen eigenen Willen. So ließt man von »dort parkenden Autos«, Unfälle bei denen »Autos von der Straße abkommen«. In Pressemitteilungen liest man »Transporter übersieht Radfahrer«. Oder auch im Straßenverkehr sagt man so Dinge wie »da kommt ein Auto von rechts«. So ganz falsch ist es ja nicht, da kommt schon ein Auto. Bei einem Satz wie »mich hat der Bus geschnitten« wirkt es aber so, als wäre da ein böswilliger Bus unterwegs. Aktuell haben wir aber keine autonome Autos mit Bewusstsein.

Vielmehr handelt es um Kraftfahrer*innen, die nicht hinreichend umsichtig waren. Und das sollte man auch so konkret benennen. Das gilt nämlich auch in die andere Richtung. Weil man aus dem Auto heraus nur das Auto vor sich sieht, aber nicht die Person darin wahrnehmen kann, ist der Umgang häufig entmenschlicht. In der Verkehrsplanung und insbesondere Tiefbau geht es nicht um die Menschen und ihre Mobilitätsbedürfnisse, es geht um den Durchfluss von Autos. Das ist weniger komplex, und lässt sich einfacher mit Computermodellen abbilden.

Bei einem Mord mit einer Schusswaffe würde wohl niemand »Person kracht in Gewehrkugel« schreiben. Bei Unfällen mit Kraftverkehr findet man aber »Radfahrer kracht in Windschutzscheibe und wird schwer verletzt« oder »Radfahrer kracht auf Kreuzung in Auto«. Diese Art der Formulierung nimmt die Person hinter dem Lenkrad komplett raus und befreit sie erstmal von Schuld.

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Gefährlicher Radweg-Seitenwechsel am Drachenfels

Kommt man von Ittenbach die L 331 Ferdinand-Mülhens-Straße Richtung Rhein gefahren, so gibt es erstmal keinen Radweg. Dann beginnt am Fuß des Petersberges ein Radweg auf der linken Seite, aber ohne sichere Querungsmöglichkeit. Das ist schon ein gefährlicher Seitenwechsel.

Als wäre das nicht dumm genug, gibt es kurz darauf dann wieder den nächsten Seitenwechsel. Der Radweg führt entgegen der Fahrtrichtung in einer Parallelstraße mit Parkplätzen. Und dann hört der auf, man muss auf die andere Seite.

Die Stelle ist einfach wieder dumm. Und wohl auch nach VwV-StVO verboten. Es hilft ja nichts, also schreibe ich Straßen NRW mal wieder an.

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Fortsetzung des Verkehrszeichen-Dramas in der Lindenstraße

In Sankt Augustin Niederberg mündet die Lindenstraße in die Alte Heerstraße. Die Alte Heerstraße hat schon einen Artikel von 2021, weil die Radverkehrsführung dort schon immer merkwürdig war. Im Dezember 2022 gab es dann einen Artikel zur entfernten Fahrradfreigabe entlang der Lindenstraße. Ich hatte damals an die Stadtverwaltung geschrieben und mich erkundigt, was sie damit meinten.

Ich bekam darauf keine Antwort, allerdings haben sie das Radrouten-Schild beim Leihfahrräderparkplatz entfernt (linker Pfeil). Nun steht das alles im Widerspruch zu dem Radwegszeichen ganz hinten (rechter Pfeil)

Leider hatte ich die SD-Karte zuhause im Laptop vergessen, daher gibt es in diesem Artikel nur Handyfotos. Aber man sieht trotzdem genug.

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Aufgemalte Verkehrsinsel in Vilich

In Bonn-Vilich auf der Stiftsstraße habe ich diese merkwürdige Verkehrsinsel gesehen. Da sind die Umrisse einer Verkehrsinsel erkennbar, aber es ist keine dort.

Schaut man genauer hin, so erkennt man dort noch Reste auf der Fahrbahn. Es könnte also dort einmal eine Verkehrsinsel gewesen sein, die dann abgebaut worden ist.

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Versuch einer neuen Route ins Büro

Bei der Fahrt ins Büro hatte ich eine schöne Route, bis es dann mit der Umgehungsstraße um Meschenich losging und die Straße gesperrt wurde. Ich brauchte eine neue Route. Ich nahm die Brühler Landstraße trotz Blendungen und die Militärringstraße trotz dem schlechten Radwegs.

So richtig toll war es nicht, also probierte ich mal eine Route eher durch die Grüngürtel der inneren Stadt aus. Die bin ich früher schon gefahren, das sollte eigentlich ganz gut sein.

Das Problem ist aber, dass es in Köln so viele richtig fahrradfeindliche Ecken gibt, dass das nur noch frustrierender war.

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