Physikwettbewerb an der Southeast Missouri State University (2008)

Mein Physiklehrer an der High School in den USA hat die Klasse immer wieder zu Wettbewerben mitgenommen. Einer davon waren die Physics Olympics an der Southeast Missouri State University in Cape Girardeau.

Wir haben dort diverse kleine Aufgaben lösen müssen. Bei einer mussten wir ein Ei so verpacken, dass es einen Sturz aus vielen Metern Höhe unbeschadet überstehen kann. Und so haben wir das in Plastikfolie, Papier und einen Karton eingepackt.

Dann wurde es an die Decke vom Hörsaal gezogen und dort fallengelassen.

Ich meine, dass unser Ei das ĂĽberlebt hat und wir dafĂĽr Punkte bekommen haben.

An einer weiteren Station sollte man aus einem Stück Alufolie ein Boot bauen, das möglichst viele Pennies tragen kann.

Nachdem das Boot gesunken war, haben wie die Anzahl der Pennies gewogen, und daraus wurden dann Punkte berechnet.

Es gab noch andere lustige Aufgaben, aber das ist mir gar nicht so im Detail in Erinnerung geblieben. Viel lustiger war aber die Zeit mit den Klassenkamerad*innen, und auch die Vorbereitung, die unser Lehrer für diese Trips gemacht hat. Er ist immer extra noch einkaufen gefahren und hat Unmengen Snacks mitgebracht, damit wir bei bei der langen Busfahrt etwas zu knabbern haben. Häufig hat er morgens auch frische Donuts mitgebracht.

Generell hatte er einen etwas unkonventiellen Unterrichtsstil. Er sagte, dass wir am College oder der Universität uns selber Dinge beibringen müssen. Autodidaktik ist aber eine Fähigkeit, die man auch erstmal lernen muss. Und so hat er seinen Physik- und Chemiekurs so gehalten, wie ein Tutorium an einer Uni. Er hat uns klar gesagt, dass wir in einigen Wochen einen Test über Kapitel 1 im Buch schreiben würden. Wir sollten den Text lesen und die Aufgaben am Ende machen. Im Buch sind zu den ungeraden Aufgaben immer die Lösungen beigefügt. Bei Fragen konnte man ihn aber auch die ganze Stunde in Beschlag nehmen und sich Dinge im Detail erklären lassen.

Das war ein starker Kontrast zum Frontalunterricht, den ich von anderen Lehrer*innen kannte. Aber es hat für mich wirklich viel gebracht, ich konnte mit dem Buch lernen und weiterführende Fragen oder Verwirrungen mit ihm klären. Die anderen Schüler*innen haben es genauso gemacht. Und häufig haben wir dann auch zusammen diskutiert. Er hat diese Diskussionen vom Lehrertisch aus verfolgt und schritt ein, wenn wir uns in die falsche Richtung diskutiert hatten. So haben wir auch direkt gelernt, in einer Gruppe zu lernen.

Das hat mich zum einen später motiviert Physik zu studieren, zum anderen hat es mir aber auch im Studium methodisch gut geholfen, mich zu organisieren. Das war wirklich ein sehr hilfreicher Kurs und guter Lehrer.