Auf der Kennedybrücke wurden die Zweirichtungsradwege aufgehoben, nun muss man immer auf die richtige Seite wechseln. Die einen freut es, die anderen stört es. Viele haben es noch nicht gemerkt, was wieder andere zum Ausrasten brachte.
Die Kennedybrücke ist die zentrale Brücke in Bonn. Ihre Brückenköpfe kommen jeweils in der inneren Stadt bon Bonn und Beuel an. Dort gibt es jeweils zu wenig Platz für den Radverkehr, Queren ist schwer und umständlich. Damals schrieb ich in dem Artikel von der Sinnhaftigkeit der Zweirichtungsradwege: Man spart sich den Seitenwechsel auf beiden Seiten.
Nun hat sich trotz der inzwischen doch eher fahrradfeindlichen und autofreundlichen Politik des neuen Oberbürgermeisters und Rats der Radverkehr auf der Kennedybrücke verdoppelt, das ist wohl der Sperrung der Nordbrücke (Autobahnbrücke mit Radweg) geschuldet. Der ganze Autoverkehr quält sich nun durch die innere Stadt und kommt zum erliegen. Plötzlich ist das Fahrrad attraktiv geworden.
Da die Radewge auf der Kennedybrücke aber schon eher schmal sind, ist der Zweirichtungsverkehr auch vorher schon nicht trivial gewesen. Man musste aufpassen, gerade auch auf die Fußgänger:innen direkt daneben. Nun wurde beschlossen, die Freigabe der Gegenrichtung aufzuheben, damit sich da weniger Konflikte ergeben.
Entsprechend ist die Durchfahrt in Gegenrichtung nun verboten.
Und auch auf der Beuler Seite sieht das ähnlich aus, auch auf der Südseite der Brücke darf man nicht mehr in Gegenrichtung auffahren.
Umwege
Ich finde es für mich etwas nervig, weil ich nun schon einen Umweg fahren muss, den ich vorher nicht fahren musste. Früher konnte ich in der Rückrichtung einfach in Gegenrichtung auf die Brücke fahren, genauso wie ich auch auf der Hinrichtung gefahren bin:
Nun muss ich aber einmal unter der Brücke durch und um die Oper fahren. Auf der Beueler Seite muss ich entweder die Ampel mit der viel zu kleinen Aufstellfläche nehmen oder einmal um das Brückenforum herumfahren. Mit der Ampel ist die Route dann so:
Möchte ich mir die Ampel sparen, muss ich nun so fahren:
Erhitzte Gemüter
Als die Änderung ganz neu war, bekam ich einen Radfahrer mit Wutanfall mit. Der hatte sein Fahrrad am Beuler Ende quer auf dem Radweg gestellt und wollte Radfahrer:innen davon abhalten, in Gegenrichtung auf die Brücke aufzufahren. Die Radfahrerin wusste noch nichts von der Änderung, berief sich auf die Radverkehrsführung der letzten Jahre oder Jahrzehnte. Der wütende Radfahrer zeigte auf die Schilder und lobte die »endlich« veränderte Regelung.
Es schien fast handgreiflich zu werden, mehr als ein verhakte Fahrradlenker gab es dann aber nicht. Er beschimpfte die anderen als »Idioten«, er wurde als »Hobbypolizist« beschimpft. Also letztlich ein ganz normaler Tag im Straßenverkehr.
Aber das zeigt auch, wie kontrovers die Regelung ist. Einige freuen sich über die endlich klare Regelung ohne Gegenverkehr. Ich verstehe die Änderung, finde den Umweg jetzt aber schon nervig.
Das eigentliche Problem
Als die Brücke gebaut worden ist, war Radverkehr noch »Gedöns« und Freizeitaktivität. Die meiste Zeit war Bonn doch eher autozentriert, die fünf Jahre grüne Oberbürgermeisterin waren die Ausnahme. Und entsprechend ist der Platz auf der Brücke aufgeteilt. Da ist dankenswerterweise Platz für die Straßenbahn, dann großzügige Fahrstreifen für Kraftverkehr und auf jeder Seite Geh- und Radwege, die allerdings für die aktuelle Verteilung zu schmal sind.
Umbauen kann man das nicht, da sind die ganzen Pfeiler für die Oberleitungen der Straßenbahn. Die Brücke rechts und links verbreitern erscheint mir auch nicht einfach machbar. Von daher ist das wohl erstmal so. Die Rücknahme der Gegenrichtung ist das einfachste, was man mal eben machen kann.
Es nimmt auch dem Autoverkehr nichts weg. Die Stadtverwaltung will die Fahrradstreifen auf der Oxfordstraße entfernen, entfernt gerade die Radfahrstreifen auf der Adenauerallee. Dafür werden sogar Gehwege abgebaut, Fahrradbügel abgerissen. Es ist erstaunlich, was plötzlich alles geht und in welcher Geschwindigkeit.
Aber gut, diese Situation ist nur vorübergehend, in nur zwei bis acht Jahren soll es eine neue Nordbrücke geben. Und dann kann ich auch wieder da den Rhein queren.





