Beim Durchschauen der Kreditkartenumsätze fiel mir ein betrügerischer Umsatz auf. Und ab da hatte ich dann jede Menge Arbeit und Ärger damit. Am Ende bekam ich zwar mein Geld wieder, es war aber zu viel Stress.
Kreditkarten sind schon irgendwie ein drolliges Konstrukt. Man brauchte früher nur die Daten von der Vorderseite und konnte dann Geld davon abbuchen. Früher waren die Karten ja sogar noch geprägt, damit man sie mit mit entsprechendem Papier einfach kopieren konnte.
Dann ist irgendwann aufgefallen, dass man Zahlungen vielleicht authentifizieren sollte. Man hat diese Prüfziffer eingeführt, die man noch immer zusätzlich eingeben soll. Dann hat man hat dieses 3-D Secure per App eingeführt.
Wenn ich meine Kreditkarte nutze, muss ich fast jede Zahlung in der App freigeben. Das ergibt ja auch Sinn, schließlich möchte der Zahlungsanbieter ja sicherstellen, dass es sich nicht um Betrug handelt. Die Kreditkartennummer identifiziert ja nur meine Karte, aber die Authentifizierung sollte explizit erfolgen.
Soweit die Theorie. In der Praxis hatte ich dann eine Abbuchung von Viva Aerobus in Höhe von −716,78 EUR vom 05.01.2026. Da ich nicht bei einer mexikanischen Billigairline gebucht habe, ist das Betrug. Aber wie konnte das passieren?
3-D Secure
Möchte ich eine Zahlung machen, muss ich das in der App bestätigen. Ich muss mein Handy entsperren, die App öffnen, in der App nochmal meinen Fingerabdruck vorzeigen, und dann auf »bestätigen« tippen. Wenn jemand meine Kreditkartennummer, Ablaufdatum und Prüfzahl für eine derart aus dem Raster fallende Zahlung angibt, sollte das doch erst Recht eine Bestätigung im 3-D Secure-System auslösen, oder?
Schaut man in den Wikipedia-Artikel zu 3-D Secure, findet man diesen Satz:
Zudem wird den Shop-Betreibern, die 3-D Secure einsetzen, der Zahlungseingang garantiert.
Und weiter unten:
Die Entscheidung, ob 3-D Secure zur Anwendung kommt, trifft nicht der Kunde. Es kann vom Webshop oder dem Kartenausgeber festgelegt werden, dass die Bezahlung nur über 3-D Secure ausgeführt wird.
Also der Shop kann wählen, dass 3-D Secure genutzt werden soll. Und wenn er es nicht tut, dann kommen noch immer Zahlungen an, sie werden nur nicht mehr garantiert. Wenn ich also als Händler sicherstellen möchte, dass niemand gestohlene Kreditkarten bei mir einsetzt und die Umsätze zurückgebucht werden, legt man das fest. Aber was, wenn man betrügerische Umsätze in Kauf nehmen möchte?
Weiter unten im Artikel steht noch das hier:
Als Vorteil für Kunden wirbt Mastercard, dass der missbräuchliche Einsatz […] stark beschränkt werde […]. Beim klassischen Verfahren können Unbefugte allein durch den Besitz der Kreditkarte im Internet auf fremde Kosten einkaufen […].
Das klingt ja erstmal wunderbar. Allerdings wird der Missbrauch nur gegenüber Händlern eingeschränkt, die sich freiwillig für 3-D Secure entscheiden.
Reklamation des Umsatzes
Mir ist der betrügerische Umsatz am 07.01.2026 aufgefallen, also zwei Tage später. Ich habe direkt an dem Tag meine Karte temporär gesperrt. Ich hätte die Karte auch permanent sperren und mir eine neue Karte zukommen lassen können; dafür hätten sie aber 9 EUR Gebühren berechnet.
Für die Reklamation des Umsatzes muss man ein Formular ausfüllen und per Brief an die herausgebende Bank geschrieben. Das ist wirklich schon bekloppt. Denn man hätte die Reklamation auch als eine Kontextaktion in der Umsatzübersicht machen können.
In dem Brief habe ich auch noch meine Meinung zur Schuldfrage klargestellt:
Ich habe am 07.01.2025 eine nicht autorisierte Buchung auf meiner Kreditkarte gesehen. Anbei das Formular für die Reklamation des Umsatzes. Die Karte ist online bereits temporär gesperrt.
Ich nutze die Hanseatic Bank Secure App, mit der ich fast alle Zahlungen freigeben muss, auch zum Beispiel gerade 98,77 EUR bei einem deutschen Shop. Beim Log-In in das Online-Banking muss ich das mit der App bestätigen. Ich habe keine Benachrichtigung für die missbräuchliche Zahlung erhalten. Mir ist unverständlich, warum diese missbräuchliche Buchung in Höhe von 716,78 EUR bei einer mexikanischen Fluggesellschaft ohne 3D-Secure Autorisierung durchgegangen sein soll! Ich habe meine Pflichten erfüllt, diese missbräuchliche Buchung ist klar Schuld der Hanseatic Bank.
Online stand etwas von 9 EUR Gebühr für die Sperrung und Neuaustellung der Karte. Ich bin nicht bereit Kosten für die Nachlässigkeit der Bank zu bezahlen. Falls Sie mir die neue Karte nicht kostenlos zuschicken möchten, schicken Sie mir bitte keine neue Karte zu und kündigen Sie mein Kreditkartenkonto.
Da passierte dann erstmal lange Zeit nichts.
Statusmeldung von der Bank
Am 26.01.2026 hat mir die Bank dann einen »Zwischenbescheid zu Ihrem Chargeback-Fall« geschickt:
Guten Tag Martin Ueding,
wir möchten Ihnen versichern, dass wir Ihr Anliegen nicht vergessen haben.
Bitte beachten Sie, dass die Bearbeitung eines Chargeback-Falls bis zu 3 Monate in Anspruch nehmen kann. Wir verstehen, dass dies eine lange Wartezeit ist, und möchten uns für Ihre Geduld bedanken. Wir setzen alles daran, Ihr Anliegen so schnell wie möglich zu klären.
Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Freundliche Grüße
Ihre Hanseatic Bank
Ah, ihr nehmt also an, dass ich glaube, dass ihr mich vergessen habt? Korrekt, in meiner Aufgabenliste ist schon »bei Hanseatic Bank nachhaken« fällig geworden. Das hatte ich mir für zwei Wochen danach vorgenommen.
Am 30.01.2026 haben sie dann auch alle offenen Dinge von meinem Girokonto eingezogen, das Geld ist jetzt also erstmal weg.
Erstattung
Am 02.03.2026 haben sie mir laut Kontoauszug das Geld als »vorläufige Erstattung« zurückgegeben. Das lag dann als Guthaben auf dem Kreditkartenkonto. Damit ich es wieder auf meinem Girokonto habe, musste ich noch eine Überweisung anstoßen. Das habe ich dann auch gemacht.
Eine neue Kreditkarte haben sie mir allerdings noch immer nicht zugeschickt. Gekündigt ist die Karte aber auch nicht.
Widerspruch des Händlers
Am 30.03.2026 schickte mir die Hanseatic Bank dann noch eine E-Mail:
Der Händler hat unserer Rückbelastung widersprochen und uns einen Beleg geliefert. Diesem können wir jedoch keine Daten von Ihnen entnehmen.
Die Belegkopie sowie das Reklamationsformular haben wir Ihnen am 20.03.2026 per Post zugesendet.
Sie stimmen den Transaktionen nicht zu? In diesem Fall bitten wir Sie die Belege zu prüfen und das Reklamationsformular erneut unterschrieben zurückzusenden, gerne per E-Mail.
Liegen uns bis 06.04.2026 keine Unterlagen vor, verstreichen die zugrunde liegenden Fristen. In diesem Fall stornieren wir die vorläufigen Gutschriften wieder und uns bleibt keine weitere Möglichkeit der Rückerstattung.
Ich finde das eine Frechheit. Ich habe den Umsatz bereits reklamiert. Und nun soll ich das ganze nochmal abschicken weil der Händler einen Beleg hat, der offensichtlich keine Daten von mir enthält? Aber damit bin ich jetzt wieder in der Beweislast gegenüber der Bank? Und die Bank hat das ganze Thema so lange schleifen lassen und wagt es nun mir eine Frist von einer Woche zu setzen?
Das Formular habe ich dann nochmal ausgefüllt. Und zusammen mit einem Brief zurück geschickt:
Ich kann die vermeintlichen Belege des Händlers ungesehen zurückweisen. Ich habe nie mit der Firma „Viva Aerobus“ Geschäfte gemacht. Von daher ist dies klar ein Betrugsfall. Ich stimme der Transaktion nicht zu!
Sie haben in Ihrer E-Mail eine Frist bis zum 06.04.2026 gesetzt, nach der die Ansprüche angeblich verfallen würden. Diese zweimonatige Frist gilt nur für autorisierte Zahlungen. Da es sich hier um eine unautorisierte Zahlung handelt, gelten nach § 676b BGB 13 Monate Frist. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir diesen Fall schnell zu meiner Zufriedenheit abschließen können und ich daher keine weiteren rechtlichen Schritte unternehmen muss.
Inzwischen sind zwei weitere Monate vergangen, es hat sich nichts getan. Damit ist die Sache für mich jetzt abgeschlossen. Die Bank hat sich nicht mehr bei mir gemeldet. Auf der Karte ist auch nichts wieder zurückgebucht worden.
Am 06.06.2026 habe ich die Karte dann online gekündigt. Da ich ja keine neue Kreditkarte ausgestellt bekommen hatte, kann ich es eh nicht nutzen. Und so, wie ich ohne eigenes Fehlverhalten da Arbeit mit Betrug hatte, komme ich sicher auch ohne diese Kreditkarte aus. Ich habe ja noch drei andere.