Es gibt so einen Spruch, dass es im Internet nur noch fünf Webseiten gibt, die Bildschirmfotos der anderen vier enthalten. Und es stimmt leider zum Teil.
Ich bin ja von Twitter weg, als es dort immer toxischer geworden ist. Mir tut das nicht gut. Ich will einfach meine Wohlfühl-Bubble haben und dort schöne Dinge mit Leuten teilen, die schöne Dinge mögen. Auf Twitter ist der Umgangston häufig anders gewesen. Das war ein »schau mal dort, wie dumm/böse/furchtbar die sind«. Man wirft also Leute der eigenen Meute vor.
Zu oft habe ich mich da auch einspannen lassen. Schau mal, da hat ein rechter Politiker dummes Zeug gesagt! Ja, da muss ich einen Kommentar hinterlassen. Oh, jetzt habe ich rechte Trolle, die mich beleidigen. Hmm, das kostet psychische Energie und Wohlbefinden. Aber das muss man so machen, man muss für seine Werte einstehen!
Oder halt auch nicht. Ich bin dann zu Mastodon. Und da hatte ich dann meine Wohlfühl-Fahrrad-Bubble. Das ist wirklich deutlich netter da, ich mag die Leute.
Einzelne Leute dort haben auch nicht so ganz den Abschied von Twitter geschafft. Und so teilen sie dann manchmal Bildschirmfotos von Beiträgen rechter Politiker auf Twitter. Schaut mal, drüben auf Twitter, da hat jemand dummes dummes Zeug gesagt! Ja, und jetzt? Dann schreiben Leute auf Mastodon darunter, wie schlimm das ist. Das kommt überhaupt nicht bei der ursprünglichen Person ab. Es ist eher so ein virtue signalling, dass man sich jetzt ein Gruppengefühl schafft, weil man sich gemeinsam gegen diese Person positioniert. Da positioniere ich mich inzwischen lieber für gute Dinge als gegen schlechte.
Plattformen wie Facebook erlauben gar keine Deep Links. Daher machen Leute da schon viel länger nur Bildschirmfotos. Aber es interessiert mich nicht, was in dem Silo Facebook vor sich geht. Ich bin froh, dass die Leute da halbwegs unter sich bleiben. Genauso Instagram, das ist einfach nicht meine Plattform.
Von daher bin ich bei Mastodon auch schon einer handvoll Leuten entfolgt, die zu viele Twitter-Bildschirmfotos teilen mit dem Wunsch Empörung zu erzeugen. Empörung ist nicht mehr die Emotion, die ich in einem sozialen Netzwerk spüren möchte. Und diese Art Bildschirmfotos sind selten für etwas anderes gut.