Versuchter Umstieg auf Wayland

Vor vielen Jahren wurde Wayland als Nachfolger für X11 entwickelt, ich habe den Umstieg ziemlich lange aufgeschoben, dafür gibt es verschiedene Gründe. Nun habe ich den Umstieg dann aber doch vollzogen und schreibe hier über die Hürden, die es gab.

Bildschirmfotos

Unter X11 kann jedes Programm einfach den kompletten Bildschirm oder jedes Fenster fotografieren. Dazu greift es auf globale Speicherbereiche zu und nimmt sich die Inhalte raus. Das ist für die Sicherheit nicht gut, den so kann potentiell jedes Programm Inhalte von anderen Programmen lesen und dort sensitive Daten ausspähen. Um das zu verhindern, werden mit Wayland die Programme gegeneinander isoliert. Das führt aber auch dazu, dass das Bildschirmfotoprogramm meiner Wahl, Shutter, nicht mehr so gut funktionieren kann. Es kann keinen Bereich von Bildschirm mehr aufnehmen. Der komplette Bildschirm geht allerdings weiterhin.

Ich habe jetzt Spectacle gefunden, das unter KDE wunderbar Bildschirmfotos mit Ausschnitt aufnehmen kann. Die werden in einem Ordner gespeichert, und sie werden sich direkt in die Zwischenablage kopiert. Damit kann ich gut arbeiten. Zum Bearbeiten der Bilder kann ich dann Shutter weiter nutzen, ich muss sie nur dort öffnen.

Passworteingabe mit KeePassXC

Zum Verwalten meiner hunderten Passwörter nutze ich KeePassXC. Das hat unter Linux eine Funktion um Passwörter direkt in andere Programme zu tippen. Dazu holt es sich bei Aktivierung mit einer globalen Tastenkombination das aktuell aktive Fenster, leitet vom Fenstertitel das gewünschte Passwort ab, fragt nach Bestätigung, und tippt es per simulierter Tastatur ein. Das ist richtig praktisch.

Das Problem ist jetzt allerdings, dass das alles unter Wayland verboten ist. Das aktuell aktive Fenster kennt nur der Compositor. Irgendwas tippen darf auch kein Programm mehr. Ich muss jetzt also Nutzername und Passwort einzeln in die Zwischenablage kopieren und einfügen. Das ist umständlicher.

Für manche Browser gibt es Plugins. Ich nutze aktuell den Brave Browser, das muss ich noch schauen.

Skalierung für hochauflösende Monitore

Im Büro habe ich einen Monitor mit 4k Auflösung und 27 Zoll Abmessung. Darauf habe ich mit X11 immer auf 150 % Skalierung gestellt. Das klappt dort wunderbar, die Schrift ist scharf. Das Manko mit X11 ist jedoch, dass es nur eine globale Skalierung gibt. Das ist weiter nicht schlimm, den Bildschirm des Laptops nutze ich nur für Zoom. Video skaliert unabhängig.

Wayland hat die Möglichkeit für jeden Monitor unterschiedliche Skalierungsfaktoren zu nutzen. Allerdings gehen dort nur ganze Zahlen! Man kann also entweder einen Faktor 2 nutzen, oder es ohne Skalierung belassen. Ein Faktor 2 ist aber zu groß.

KDE Plasma unterstützt trotzdem die Skalierung um den Faktor 1,5 per Trick: die Programme werden mit Faktor 2 gerastert, das resultierende Bild wird dann verkleinert. Das klingt erstmal nach einer Lösung. Jedoch wird gerade Schrift mit Subpixel-Antialiasing besonders scharf. Das geht so nicht mehr. Und daher sieht alle Schrift auf dem 4k Monitor unscharf aus. Es ist furchtbar und schlechter als auf einem normalen Monitor.

Bildschirm teilen mit Zoom

Anfangs war das Teilen des Bildschirms mit Wayland überhaupt nicht möglich. Dann hatte Zoom unter GNOME einen Hack mit der Bildschirmfoto-Funktion gemacht. Das hatte funktioniert, man konnte allerdings nicht einzelne Fenster teilen. Und den Mauszeiger konnte die andere Person auch nicht sehen.

Dann gab es das XDG Portal, das hat es wohl besser gemacht. Aber das habe ich erst gar nicht ausprobiert, weil die Skalierung nicht klappte.

Änderung der Bildschirme per Skript

Dann nutze ich noch xrandr auf der Kommandozeile, um die Bildschirmkonfiguration per Skript umzuschalten. Das geht mit Wayland dann auch nicht mehr, da müsste ich mir etwas spezifisches für KDE noch bauen.

Fazit

Da ich im Büro nicht auf 150 % skalieren kann, ist Wayland mit KDE Plasma für mich schlicht deutlich schlechter als mit X11. Es tut mir leid für die ganze Arbeit, die bisher in Wayland gesteckt worden ist, jedoch mag ich es noch immer nicht nutzen.

Ich schaue dann in ein paar Jahren mal wieder, ob es dann komplett nutzbar ist.