Versuch einer Gehwegbefreiung

Ich gehe seit ungefähr drei Monaten regelmäßig an einer Straße entlang, fast jeden Tag. Dort ist der Gehweg nur drei Gehwegplatten breit; es stehen wahrscheinlich 120 cm Breite für die Fußgänger zur Verfügung. Dies aber nur in der Theorie, in der Praxis sind dort immer wieder KFZ geparkt. Dort steht kein Zeichen 315 (eckig, blau, erlaubt Parken auf dem Gehweg), somit ist das Parken auf dem Gehweg nicht erlaubt. Die Anordnung dieses Verkehrszeichen wäre auch nicht erlaubt, selbst wenn die Stadt Bonn dies rechtswidrig an anderen Stellen tut. In dieser Straße ist die Fahrbahn nicht so breit, die Autofahrer wollen anscheinend auf andere Autofahrer Rücksicht nehmen, und behindern lieber Fußgänger.

Generell habe ich wenig Verständnis dafür. Hier aber überhaupt keins, schließlich wird die Fahrbahn keine 30 m breit genug um komplett auf der Fahrbahn zu parken. Die Anwohner sind schlicht zu faul zum Laufen. Und ich sehe es als Fußgänger nicht ein wegen deren Faulheit dort im Entengang zu laufen. Trage ich mein Altglas zum Container, so muss ich enorm aufpassen kein Auto zu beschädigen. Regelmäßig sehe ich auch Eltern mit Kinderwagen, die auf die Fahrbahn ausweichen müssen.

Erfahrungen mit Verkehrsordnungswidrigkeitsanzeigen habe ich jetzt schon länger, die werden von der Bußgeldstelle der Stadt Bonn auch bearbeitet. Ich hatte von anderen den Eindruck, dass es einer gewissen Anzahl Bußgelder braucht (kostet aktuell leider nur 15 EUR), bis Einsicht einkehrt und dort nicht mehr geparkt wird. Also habe ich mich mal auf die eine Stelle konzentriert und geschaut, wie lange es braucht, bis die Wiederholungstäter aufgeben.

Das folgende Bild zeigt immer Tatzeitpunkt und Absendezeitpunkt meiner Anzeige. Laut Auskunft der Bußgeldstelle dauert es um ungefähr zwei Wochen, bis die Anzeige beim Halter eingeht. Ich habe daher drei Wochen Bearbeitungszeit angesetzt. Für die Diskussion habe ich die Kennzeichen durch Chiffren ersetzt, das sind einfach nur Vornamen aus einer großen Liste.

Man kann gut sehen, wie das meiste nur einmalige Dinge sind. Das sind also Leute, die dort nur zu Besuch waren. Manche mögen auch nach einer Anzeige schon aufgegeben haben, das kann ich natürlich nicht bewerten. Es gibt allerdings einige notorische Wiederholungstäter. Wiederholungen innerhalb der Bearbeitungszeit haben keine Bedeutung, der Halter wusste ja nicht, dass sich jemand beschwert hat. Ich habe keine Zettel an den Autos hinterlassen, dies war auch ein Test für die Bußgeldstelle.

Interessant war der Wiederholer Torgunn. Den habe ich dort alle paar Tage neu geparkt gesehen, über mehrere Monate. Interessanterweise ist dort jetzt seit zwei Wochen Ruhe, das Auto habe ich gar nicht mehr gesehen. Vielleicht steht es jetzt in einer Garage, oder der Halter ist zufällig gerade jetzt umgezogen.

Ein anderer Widerholungstäter, Tine, hat eine ziemlich lange Pause eingelegt. Jetzt weiß ich nicht, ob die erste Anzeige wirklich zugestellt worden ist. Meine Theorie ist allerdings, dass die erste Anzeige als unglücklicher Zufall abgetan worden ist. Nach einiger Zeit wurde sich wieder getraut dort zu parken. Und vielleicht ist inzwischen die zweite Anzeige eingegangen, sodass es keine weiteren Wiederholungen geben wird.

Aber selbst, wenn die Wiederholungstäter nach fünf Anzeigen aufgeben, so gibt es einen unerlässlichen Strom an neuen Behinderern. Effektiv ist der Gehweg die meiste Zeit nur eingeschränkt nutzbar, weil irgendeiner meinte, dass sein Auto dort stehen könnte. Dies ist in einem Wohngebiet, wo die Fluktuation an Fahrzeugen eher gering sein sollte. An anderen Straßen habe ich teilweise niemanden zweimal gehabt, weil es immer nur Durchgangsverkehr mit Zwischenstopp ist.

Nach vier Monaten kann ich aber auch sagen, dass die Privatanzeigen fast nichts bringen. Die Bußgelder sind zu gering um die Wiederholungstäter zügig von weiteren Behinderungen abzuhalten. Die generell mangelnde Kontrolle durch das Ordnungsamt der Stadt Bonn führt aber auch zu einem sehr niedrigen Risiko erwischt zu werden. Autofahrer wissen aus Erfahrung, dass man fast überall fast ungestraft parken kann. Somit sind sie wahrscheinlich böse überrascht, wenn ein Bußgeldbescheid der Stadt im Briefkasten ist.

Ich werde das Projekt noch ein bisschen verfolgen und in ein paar Monaten nochmal einen neuen Stand veröffentlichen. Ich fürchte aber, dass sich nicht viel ändern wird.

Anzeigen schreiben ist übringens ganz einfach und mit wenig Arbeit über Weg-Li möglich. Einfach ein Foto hochladen, einen Verstoß auswählen und abschicken. Man muss seine persönlichen Daten angeben, damit man als Zeuge geladen werden kann, falls der Beschuldigte Widerspruch einlegt. Man muss nicht unbedingt seine Privatadresse angeben, die Adresse des Arbeitgebers geht auch.