Überall verstreute personenbezogene Daten

Überall muss man diverse personenbezogene Daten angeben. Ich frage mich, warum ich ständig so viele einzelne Daten eingeben kann und das nicht gebündelt ist.

Wenn ich online etwas bestelle, dann muss ich einen ganzen Haufen Daten angeben: (1) Name, Vorname, Anrede, (2) Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Stadt, (3) Kreditkartennummer, Kreditkarteninhaber, Ablaufdatum, Sicherheitsnummer, (4) Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Dann muss ich noch Datenschutz- und Geschäftsbedingungen abnicken. Das sind ziemlich viele einzelne Datenpunkte.

Das ganze mache ich dann in diversen Shops, da sammeln sich dann mit der Zeit ziemlich viele Parteien an, die einen gewissen Stand meiner Daten haben.

Aktuell mache ich noch etwas größeres, da ist unglaublich viel Papierkram auszufüllen. Und auf jedem dieser Formulare muss ich wieder alle Datenpunkte meiner Identität angeben (Name, Adresse, Geburtsort, Geburtsdatum). Das schlimme ist, dass mir alle diese Gegenstellen entweder schon eine Nummer zugewiesen haben oder auch noch die Nummern der anderen haben wollen.

Zum Thema Nummern: Ich habe eine Steueridentifikationsnummer, die aber unabhängig von meiner Sozialversicherungsnummer ist. Mache ich die Steuererklärung beim Finanzamt, so muss ich beide Nummern angeben und bekomme dann auch noch eine Steuernummer oben drauf. Mein Arbeitgeber führt mich unter einer Personalnummer, die wieder anders ist. Und an der Uni hatte ich als Studentische Hilfskraft und als Doktorand auch nochmal zwei verschiedene Personalnummern. In jedem Shop habe ich eine Kundennummer.

Natürlich verstehe ich, woher das kommt. Wir haben kein sinnvolles Konzept von einer Identität von Personen. Ich habe keine komplett gültige Nummer, die mich wirklich identifiziert. In Deutschland geht das über Namen, Anschrift, Geburtsdatum und -ort. Und das packt jede Firma dann in eine Datenbank, generiert einen eindeutigen Schlüssel und erzeugt somit Kundennummern.

Könnte man nicht eine zentrale Nummer vergeben? Meine Steueridentifikationsnummer oder Sozialversicherungsnummer wäre ein heißer Kandidat. Aber die wird nicht breit genutzt. In den USA wird die Sozialversicherungsnummer breit genutzt, es kommt aber auch zu sehr viel Missbrauch damit. In Dänemark gibt es die MitID (vormals NemID), mit der Bürger alles mögliche digital machen können. Es wäre also technisch machbar.

Interessant ist auch, dass man sich bei diversen Webseiten mit Google oder Facebook einloggen kann. Dahinter steckt dann ODIC oder OAuth. Letztlich übernimmt dann ein anderer Dienst die eindeutige Nummer, die Google zugewiesen hat. Dadurch kann man auch bei Google sehen, wo man sich überall angemeldet hat.

Problematisch wird es, wenn man eine neue Adresse hat. Oder sich die Kontoverbindung ändert. Oder man, meist als Frau, den Nachnamen ändert. Dann passen die Daten ja nicht mehr. Geburtsdatum und -ort bleiben, aber ansonsten ist nur noch der Vorname stabil. Und selbst den kann man ja ändern. Die Anrede kann sich auch ändern. Somit bleibt, wenn man ehrlich ist, nur Geburtsdatum, -ort und -name. Das ist allerdings ein bisschen mau als eindeutige Identifizierung.

Was dann passiert ist dass ich in diversen Konten noch alte Adressen habe, alte Handynummern oder schon längst nicht mehr aktive Kreditkarten. Und bei einer Namensänderung ist danach wirklich alles veraltet. Und weil diese Daten alle als Primärschlüssel missbraucht wurden, kann man sie auch nicht zentral ändern.

Würde man das ganze als eine relationale Datenbank angehen, so würde man eine Tabelle mit den Personen haben. Dort bekommt jede Person eine eindeutige Nummer zugeordnet. Und Daten wie Name, Adresse und Zahlungsmittel werden daran angehängt. Die können sich dann beliebig verändern, weil alles andere über die Nummer aufgelöst wird.

Davon sind wir in Deutschland aber noch ewig entfernt. Wenn ich überlege, wie viele Formulare ich in den letzten Tagen ausgefüllt habe, kann ich mir nur an den Kopf packen. Immer wieder muss ich das alles angeben. Und mal die Hausnummer in ein getrenntes Feld, mal zusammen mit der Straße. Es ist wirklich super nervig.

Ein Vorteil davon ist irgendwie, dass man mehr Kontrolle darüber hat, wem man was gibt. Es gibt keine Datenbankabfrage im Hintergrund, man gibt die Daten direkt an. Wenn auf einem Formular keine Handynummer abgefragt wird, so hat die Gegenseite diese auch nicht. Wobei auch das wieder nicht stimmt, so schicken ja diverse Stellen Daten an die Schufa und ich habe keine Ahnung, was die so alles an Daten haben. Und diverse Adresshändler verknüpfen auch munter meine Daten miteinander.

Was ich mir wünsche wäre eine zentrale Stelle, die meine Daten hat und mir eine Nummer gibt. Das kann gerne die Steueridentifikationsnummer oder die Sozialversicherungsnummer sein. Das ist dann meine Nummer. Und dort trage ich meine Adresse und einen eventuellen Zweitwohnsitz ein. Oder das Einwohnermeldeamt trägt meine primäre Adresse dort ein. Hinterlegt wird auch eine primäre Kontoverbindung.

Wenn ich dann irgendwas mache, dann logge ich mich über das Bundesportal da ein. Ich kann dann auswählen, auf welche Daten sie Zugriff bekommen sollen. Ein Online-Shop bekommt dann meine jeweilige Adresse und Kreditkartennummer, eine Versicherung bekommt noch mehr. Ich kann in dem Portal sehen, wem ich welche Daten gegeben habe und wer noch autorisiert ist Updates zu bekommen. Ich kann Autorisierungen auch widerrufen. Ändere ich meine Adresse, so ist das direkt für alle aktualisiert.

Mit dem elektronischen Personalausweis haben wir ein Teil dieser Infrastruktur. Aber in der Breite klappt das überhaupt nicht. Es ist einfach nur traurig. Und so werde ich wohl noch die kommenden Jahrzehnte mit Kugelschreiber meine Adresse auf tote Bäume schreiben.