Spedition wälzt Klimaverantwortung auf Kunden ab

Das Konzept von optionalen CO₂-Ausgleichsmaßnahmen hat für mich einen reinen Ablasshandel. Zudem nimmt es auch den Druck für Veränderungen. Ein Beispiel, das ich jetzt hatte.

Ich habe eine neue Waschmaschine bestellt, die mit einer Spedition geliefert wird. Das ist an sich jetzt nichts besonderes, die wird am Ende in einem kleinen LKW ausgeliefert werden. Und diese LKWs sind in der Regeln noch mit Verbrennungsmotoren ausgestattet. Die Produktion und Lieferung der Maschine erzeugt somit klimaschädliche Abgase.

Die wirklich nachhaltige Variante wäre gewesen, die Waschmaschine zu reparieren. Allerdings ist sie 7 Jahre alt, Gewährleistung und Herstellergarantie längst abgelaufen. Das Fehlerbild ist unklar, die einzelnen Funktionen laufen, aber das Programm läuft trotzdem nicht durch. Bei der Spülmaschine hatten wir mal einen Techniker angefragt. Ja, 80 EUR kostet die angefangene Stunde, dazu noch Anfahrt. Oh, und der Techniker hat nur wenige Ersatzteile auf dem Auto, wahrscheinlich muss der zweimal kommen. Da ich selbst schon mehrere Stunden an der Waschmaschine herumprobiert hatte, wird ein Techniker da womöglich auch länger brauchen. Und ob sie am Ende wieder läuft und wie lange, ist dann auch nicht klar. Die Kosten sind nicht kalkulierbar. Also halt eine neue Waschmaschine bestellt.

Die Spedition meldete sich dann aber auch noch hiermit:

Emissionen kompensieren!

Es ist überraschend, wie viel klimawirksame CO2-​Emissionen beim Fliegen, Autofahren, Wohnen, Arbeiten oder Feiern entstehen.

Auch eine Möbellieferung verursacht einen CO2-Ausstoß. Mit einer Spende in Höhe von ca. 6€ können Sie Ihre Lieferung ausgleichen und so einen freiwilligen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Oh, es ist überraschend? Ich bin mir schmerzlich bewusst, wie viel Klimagase so erzeugt werden. Unsere Gasheizung erzeugt so 2,4 t/a an CO₂. Mit dem Strommix sind es so 0,9 t/a noch für den Strom. Mit dem Auto erzeugen wir 0,5 t/a. Und nochmal 0,5 t/a für die Flüge der letzten Jahre. Das ist schon zu viel für den Planeten. Dazu noch eine große Dunkelziffer durch alle Waren, die ich gekauft habe.

Allerdings können wir da wirklich konkret etwas tun. Die Gasheizung wird perspektivisch durch eine Wärmepumpe ersetzt, dann ist der Posten raus. Strom soll mit PV-Anlage und Hausakku auch hauptsächlich selbst erzeugt werden. Damit ist dann der Großteil der kontrollierbaren Emissionen weg. Das bringt wirklich etwas.

Hier ist die Abwägung auch klar: Ich gebe viel Geld für Haustechnik aus, komme damit aber vom CO₂ weg. Neben moralischer Motivation sind aber auch die Kosten ganz klar. Die CO₂-Steuer wird nur höher, der Erdgaspreis wird nur steigen. Und die Netzentgelte werden auch immer höher, je mehr Leute ihren Gasanschluss stilllegen lassen. Ich will da zeitnah raus. Es ist aber immer mein Geld: Ich muss mein Geld ausgeben, entweder für Haustechnik oder für die Betriebskosten. Ich kann ausrechnen, ob sich das für mich amortisiert.

Bei der Spedition ist es dann allerdings anders. Ich als Kunde zahle für den Ablassbrief, die Spedition hat dann keine Kosten. Sie können ihre Diesel-LKWs weiter nutzen und müssen nicht in Elektro-LKWs investieren. Ich soll also Geld dafür ausgeben, dass sie Geld sparen. Das sehe ich einfach nicht ein. Sie könnten ja freiwillig Elektro-LKWs kaufen, so wie diverse Paketzustellungsfirmen es teilweise machen.

Das wird der Markt regeln lassen. Elektro-LKWs müssen über ihren Lebenszyklus günstiger sein als Diesel-LKWs. Ob das durch günstigere Elektro-Produkte passiert oder über staatliche Verteuerung der Diesel-Produkte, ist für die Umstellung an sich zweitranging. Aber so lange es noch immer günstiger ist, Zeug zu verbrennen, wird es halt gemacht.