Überholtwerden beim Schutzstreifen am Propsthof

Die Viktoriabrücke in Bonn ist seit Jahren eine große Baustelle. Die Radverkehrsführung ist unwürdig, gefährlich und kostet durch die ganzen Querungen auch viel Zeit. Ich habe daher angefangen über die Straße Am Propsthof zu fahren, wenn ich von Endenich in die Nordstadt möchte. Zur Orientierung hier die Karte von Open Street Map:

In Richtung Süden hat man dort nur einen »Schutzstreifen«, den man wie die Belgier lieber »Mordstreifen« nennen sollte. Und Am Propsthof ist der auch, wie sonst auch überall in Bonn, nur in der Mindestbreite von 125 cm (inklusive Linie) ausgeführt. Nördlich vom Kreisel ist die Straße verschwenkt, man kann sie nicht weit einsehen. Viele Autofahrende scheinen sich dem ein bisschen bewusst zu sein und vermeiden das Ausschwenken in den Gegenverkehr. Dann wird, wie es bei Mordstreifen halt immer ist, knapp überholt. Ich bin bei ungefähr jeder zweiten Fahrt dort Opfer eines unangenehmen Überholmanövers geworden. Es geht hier auch leicht bergauf, sodass Radfahrende langsamer unterwegs sind als an anderen Stellen. Der Wunsch zu Überholen scheint hier größer zu sein als sonst.

Nehmen wir diesen weißen KFZ hier. Da hat der Außenspiegel weniger als einen Meter Abstand zu meinem Lenkerende gehabt. Das ist unangenehm, aber noch nicht gefährdend. Immerhin hat der seine Spur beibehalten.

Manchmal sind da auch mehrere Radfahrende gleichzeitig unterwegs. Hier wollte einer noch die ganze Gruppe überholen, obwohl Gegenverkehr kam. Das geht nicht mit dem Abstand von 150 cm, also hat der als nächstes dann nach rechts gezogen und alle ein bisschen geschnitten.

Erst gestern hatte ich hier einen Subunternehmer der Post, der es noch wissen wollte. Ich fahre aus Selbstschutz nie ganz am rechten Fahrbahnrand. Man sieht hier auch gut den Kanaldeckel, der fast den kompletten Mordstreifen einnimmt. Der Fahrer des Transporters überholt mich hier extrem knapp und hat mich dann noch geschnitten, weil Gegenverkehr kam. Der entgegenkommende Fahrer machte eine sehr verständnislose Geste, die ich noch erkennen konnte.

Bei dem Fahrer des dunkelblauen KFZ hatte ich noch etwas Hoffnung, weil der recht lange hinter mir geblieben ist. Aber dann kurz vor dem Fußgängerüberweg (Zebrastreifen) setzte er zum knappen Überholmanöver an, schnitt mich in der Einfahrt des Kreisverkehrs und ich habe echt laut geschrien. Das war so eine unnötige Scheißaktion, da fällt mir nichts anderes zu sein.

Aber auch im zweiten Teil der Straße, südlich vom Kreisverkehr, sieht es nicht besser aus. Dort ist zwar die Straße weiter einsehbar, jedoch gibt es auch KFZ-Stellplätze parallel zur Fahrbahn. Diese sind ohne Trennstreifen direkt neben dem Mordstreifen. Ich muss hier, um mich vor rücksichtslos geöffneten Autotüren zu schützen, einen Abstand von gut 100 cm zu den parkenden Autos halten. Bei 75 cm breitem Fahrradlenker und 125 cm Breite des Mordstreifens bleibt fahre ich dann entsprechend auf der gestrichelten Linie. Das scheint aber bei der Planung nicht berücksichtigt worden zu sein, sonst wäre da kein Mordstreifen so aufgemalt. Bei den Kraftfahrern scheint aber, wie im Artikel Schutzstreifen dargestellt, die Interpretation eines benutzungspflichtigen Sonderweges zu herrschen.

Der Busfahrer der Stadtwerke Bonn erzählte mir nach diesem Überholmanöver, dass er doch noch Abstand zur gestrichtelten Linie gelassen hat und somit doch noch im Plus gewesen ist. Ich habe ihm dann erklärt, wie die 150 cm Abstand zu mir umzusetzen ist, wollte er aber nicht akzeptieren. Ich habe mich dann bei der SWB beschwert. Dort wurde mir gesagt, dass die Busfahrer angehalten sind sich an die Verkehrsregeln zu halten und regelmäßig geschult werden.

Aber auch die Privatfahrer überholen dort gerne bei Gegenverkehr. Dann reicht der Platz auch wieder nicht aus. Ich höre das inzwischen ganz gut raus und kann dann noch etwas nach rechts ziehen. Es ist einfach sehr frustrierend.

Inzwischen erscheint mir diese Strecke nicht mehr unbedingt besser als die Baustelle auf der Viktoriabrücke. Vielleicht fahre ich dann demnächst wieder vermehrt dort lang, bis ich dort auch wieder frustriert bin.

Trotz aller dieser Sachen fahre ich noch mit dem Fahrrad. Meine Videos von diesen Vorfällen führen im Bekanntenkreis aber dazu, dass die Bereitschaft mit dem Fahrrad zu fahren sinkt. Wir haben hier also eine Infrastruktur, die den Kraftverkehr bevorzugt. Der Radverkehr wird an den Rand gedrängt und per Konstruktion gefährdet. Die Kraftfahrer nehmen sich durch ihre schweren Gefährte den Raum und schüchtern teilweise Radfahrende bewusst ein, damit sich diese in Zukunft noch weniger Raum nehmen. Und diese Verdrängung funktioniert, es fahren nur die ganz harten Kampfradler Fahrrad, die anderen nehmen lieber Bus oder Auto.

Mir ist nicht ganz klar, welche Alternative es hier gibt. Aber bergauf braucht es klar etwas, sodass Radfahrer nicht ständig durch knappe Überholmanöver gefährdet werden. Der Schutzstreifen sollte weg, damit dieses abstandslose Vorbeifahren endlich aufhören kann.

Im nördlichen Teil könnte das Hochboard verbreitert werden, und die Fahrbahn etwas verkleinert werden. Ein baulich getrennter Radweg in hinreichender Breite würde das Radfahren hier deutlich entspannen. So wird die Breite des Schutzstreifens baulich getrennt, man kann nicht mehr geschnitten werden. Der MIV müsste dann langsamer fahren, weil die schmaleren Fahrspuren weniger Geschwindigkeit hergeben. So richtig überzeugt mich das aber nicht.

Endlang des südlichen Teils stehen Bäume, man kann also nicht einfach die Parkplätze entfernen und einen Radweg dorthin bauen. Aber auch hier halte ich die Entfernung des Mordstreifens für eine Verbesserung. Auf der anderen Fahrbahnseite ist ein Radfahrstreifen aufgemalt, der nicht überfahren werden darf. Mir erschließt sich nicht, warum den Radfahrern bergab mehr und dauerhaft Platz zugesprochen wird (und keine parkenden KFZ), während bergauf nur ein Mordstreifen neben Parkplätze vorhanden sind.

Ich habe aktuell keine bessere Lösung, würde hier aber sehr gerne eine Veränderung sehen. Was könnte man hier machen?