Präsentationen sind für mich oft Zeitverschwendung

Heutzutage liegen viele Inhalte als Video vor. Und manchmal werden Inhalte lieber präsentiert als sie in einem Dokument aufzuschreiben. Ich mag das nicht und empfinde das häufig als Zeitverschwendung.

In manchen Momenten möchte ich mich einfach nur berieseln lassen. Dann schaue ich so Infotainment wie Autobahnpolizei, Bundeswehr Exclusive oder andere derartige Formate. Man erwartet nichts, will nichts konkretes wissen sondern einfach irgendwas erzählt bekommen. Das ist dann auch wunderbar.

Manchmal möchte ich etwas konkretes erfahren. Zum Beispiel den Unterschied der Aktienindizes von MSCI und FTSE. Und dann findet man im Internet zwar durchaus Textdokumente dazu, in der Google-Suche sind aber viele Videos ganz oben drin. Und diese Videos sind irgendwie immer gleich:

  1. Kleiner Teaser mit dem Thema des Videos, das allerdings aus dem Titel klar geworden ist.
  2. Zu langes episches Intro mit Musik und animiertem Logo.
  3. Hinweis darauf, dass man doch bitte ein Like dalassen soll, den Kanal abonnieren und dann noch die Benachrichtigungen aktivieren soll.
  4. Eine gefühlt zu lange Einleitung mit irgendwelchen irrelevanten Informationen.
  5. Product Placement und einen Dank an den VPN-Anbieter, der dieses Video finanziert hat.
  6. Die eigentliche Information.
  7. Zum Schluss wird dann abmoderiert.

Besonders schlimm ist das bei Videos, bei denen man eigentlich nur vier Klicks in einem Bildbearbeitungsprogramm sehen möchte. Da wäre mir ein Blogeintrag mit vier Bildschirmfotos viel lieber als ein zehnminütiges Video.

Auch im Arbeitskontext beobachte ich das. Es gibt Leute, die lieber Präsentationen schauen und andere, die lieber Dokumente lesen. Das ist in einem Team dann manchmal etwas schwierig das richtige Format zu finden.

Wirklich interessant wird es aber in der wahrgenommenen Arbeit, die ein Dokument und eine Präsentation sind. Viele Leute glauben, dass eine Präsentation einfacher sei. Als Zuhörer mag das vielleicht noch stimmen. Allerdings gilt das für die Person, die die Inhalte darstellt, nicht. Ein Vortrag braucht viel mehr als ein geschriebenes Dokument. Man muss Zeit in die Folien stecken, man muss sich eine Geschichte ausdenken. Soweit hat man das auch mit dem Dokument und der Erzählung dort auch. Jedoch können auch rhetorisch ungeübte Leute gut technische Dokumentation schreiben. Einen guten und mitnehmenden Vortrag halten muss man lernen und üben.

Ich erlebe immer wieder, dass Leute zwar ganz gute Inhalte haben, die aber echt mühsam vortragen. Ich bin da auch nicht super gut drin, daher schreibe ich aber auch einen Blog und habe keinen Video-Kanal. Bei schlechten Vorträgen kann ich nichts machen, ich kann nicht vorspulen, oder einfach das Transkript lesen. Ich muss dann da sitzen und versuchen die Inhalte aus dem schlechten Vortrag zu extrahieren während ein Teil meiner Aufmerksamkeit abwandert weil sie nicht genug gefordert wird. Beim Lesen kann ich einfach schneller lesen, dann bin ich wieder im Dokument drin.

Von daher freue ich mich, wenn Leute auf einen Vortrag verzichten. Ich lese auch viel lieber wissenschaftliche Papiere als mir einen Konferenzvortrag anzuschauen. Papiere sind wie Pizza: Selbst wenn sie schlecht sind, ist es noch immer Pizza. Bei Vorträgen ist es aber eher anders. Wenn die gut sind, dann ist es großartig. Wenn sie schlecht sind, dann ist es richtig furchtbar.