Neugestaltung Endenicher Allee

Die Endenicher Allee wurde gegen Ende meiner Studentenzeit neugestaltet. 2020 war sie noch eine Baustelle, Anfang 2022 war sie dann so gut wie fertig. Ich hatte am 24.03.2022 einen Ortstermin dort und ein paar Fotos gemacht. Hier m├Âchte ich die neue Stra├če einmal zeigen und kritisieren.

Schauen wir von Poppelsdorf aus, sieht man noch einen alten Teil der Stra├če. Dort ist ein Schutzstreifen direkt neben parkenden Autos markiert. Gut, das kennt man ja leider.

Danach f├Ąngt der neue Abschnitt als Tempo-30-Zone an.

Schaut man hier auf dem Gehweg, sieht man die gro├čz├╝gige Breite, die dort angelegt worden ist. Dieser ist jetzt breit genug, sodass sich dort Fu├čg├Ąnger*innen angenehm begegnen k├Ânnen. Einzelne M├╝lltonnen versperren auch nicht mehr den kompletten Gehweg.

Parkpl├Ątze

Auf der Fahrbahn ist ein absolutes Halteverbot angeordnet, es darf nur in den Parkbuchten geparkt werden.

Vorher waren die Parkpl├Ątze dort schr├Ąg angelegt und dichter. Die Anzahl der Parkpl├Ątze wurde also enorm reduziert. Die alten B├Ąumen wurden im Zuge der Bauarbeiten gef├Ąllt, da sie schon in einem schlechten Zustand waren. Daf├╝r wurden jetzt neue B├Ąume gepflanzt. Der Bedarf an Parkpl├Ątzen ist wohl nicht weniger geworden, daher sind dort wahrscheinlich immer alle Parkpl├Ątze belegt. Auf den Fotos sieht man auch einen LKW, der auf der Fahrbahn steht. Mit dem wurde angeliefert, jedoch gibt es keine Ladezone. Auch im weiteren Verlauf der Stra├če gibt es nur auf einer Seite Parkbuchten, auf der anderen Seite einen breiten Gehweg. Und so stand w├Ąhrend des Ortstermins jemand mit seinem Auto auf dem Gehweg und hat Dinge eingeladen. Es war kein legaler Parkplatz frei.

Dass dort auf dem Gehweg und im absoluten Halteverbot geparkt wird, ist nicht in Ordnung. Allerdings ist es ein klares Symptom, dass hier Ladezonen fehlen. Die ganzen Parkpl├Ątze sind belegt. Der Gr├╝nstreifen im zuerst gezeigten Teil h├Ątte eigentlich auch ein Parkstreifen sein sollen. Die Planung wurde wohl recht kurzfristig noch ge├Ąndert. Insgesamt hat man nun eine Situation geschaffen, in der die Auslastung der vorhandenen Parkpl├Ątze immer sehr hoch sein wird. Paket- und Lieferdienste haben keine Chance legal zu parken.

Eine Seitenstra├če, die Max-Bruch-Stra├če, ist komplett zugeparkt. Dort ist der Gehweg auf einer Seite nur 150 cm breit, und trotzdem stehen dort komplett Fahrzeuge:

Es ist ein enger Tunnel, der selten breiter als 100 cm ist. Mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen ist dort kein vern├╝nftiges Durchkommen m├Âglich. Der Schlauch zieht sich die komplette Stra├če entlang.

Die Stra├če hatte ich schon im Blog, dort wird das Falschparken geduldet, weil ja so ein hoher ┬╗Parkdruck┬ź herrschen w├╝rde. Gerade auch wegen der Umgestaltung der Endenicher Allee stehen jetzt noch mehr Fahrzeuge in der Max-Bruch-Stra├če.

Es wurden allerdings viele sichere Stellpl├Ątze f├╝r Fahrr├Ąder geschaffen. Das ist l├Âblich und praktisch.

Ohne Ladezonen ist das allerdings nicht so wirklich durchdacht, da werden die Lieferdienste in zweiter Reihe stehen und zwei Buslinien behindern.

Fu├čg├Ąngerquerung

Es gibt eine Fu├čg├Ąngerquerung in der Stra├če. Dort ist der Bordstein abgesenkt und eine taktile F├╝hrung f├╝r Blinde angelegt.

Allerdings gibt es dort keine Fu├čg├Ąnger├╝berwege (Zebrastreifen). In einer Tempo-30-Zone d├╝rfen die n├Ąmlich nicht einfach so angelegt werden. Erst ab einer gewissen Menge Fahrzeug- und Fu├čverkehr ist das erlaubt. Es m├╝sste also erst eine Z├Ąhlung durchgef├╝hrt werden, damit man anhand dessen trotzdem einen Fu├čg├Ąnger├╝berweg anlegen darf. So richtig sinnvoll erscheint mir das nicht.

Einm├╝ndung

Die Einm├╝ndung der Max-Bruch-Stra├če wurde inspiriert von der niveaugleichen F├╝hrung, die man in den Niederlanden finden kann. Allerdings nicht komplett kopiert. Wir m├╝ssen vielleicht einmal ein bisschen Terminologie einf├╝hren, damit wir da korrekt dr├╝ber sprechen k├Ânnen:

  • Die Stra├če ist der komplette Teil zwischen den H├Ąusern.
  • Die Fahrbahn ist jener Teil der Stra├če, auf dem der Fahrverkehr f├Ąhrt.
  • Das Hochbord ist die bauliche H├Âherlegung, auf dem ein Gehweg und/oder Radweg gef├╝hrt werden kann.
  • Ein Aufpflasterrung ist eine aus kleinteiligen Pflastersteinen hergestellte Erh├Âhung der Fahrbahn. Dies kann ein Kissen zur Verkehrsberuhigung in der Mitte der Fahrbahn sein, oder wie hier in einer Einm├╝ndung.
  • Ein Bordstein ist ein Stein, der das Hochbord von der Fahrbahn abtrennt.
  • Ein Richtungsfeld ist ein Bereich eines Gehweges, der aus speziellen Platten gelegt wird. Diese haben Rillen, an denen sich seheingeschr├Ąnkte Personen orientieren k├Ânnen. Sie geben eine Richtung vor. Sind sie senkrecht zur Gehrichtung angeordnet, so nennt man es auch Stopfeld.
  • Ein Aufmerksamkeitsfeld dient auch zur taktilen Orientierung. Anstelle von Rillen sind hier Noppen angebracht. Sie r├╝tteln am Gehstock und bedeuten eine besondere Stelle.
  • Eine Sinusschwelle ist eine spezieller Stein, mit dem ein H├Âhenunterschied ├╝berbr├╝ckt werden kann. Im Gegensatz zum Rampenstein ist die Sinusschwelle geschwungen kann mit h├Âheren Geschwindigkeiten befahren werden.
  • Eine Tastkante ist ein abgesenkter Bordstein, der allerdings noch ungef├Ąhr 3 cm H├Âhenunterschied hat. Dies ist ein Signal f├╝r blinde Personen, dass sie nun auf die Fahrbahn treten.

Im Bereich der Einm├╝ndung der Max-Bruch-Stra├če in die Endenicher Allee wurde eine Aufpflasterung angebracht, damit die Fu├čg├Ąnger*innen hier nicht komplett auf das Fahrbahnniveau herunter m├╝ssen. Auch verlangsamt die Aufpflasterung den Autoverkehr, sodass hier mehr Sicherheit f├╝r den Fu├čverkehr entsteht. Die dort illegal abgestellten Fahrzeuge behindern jedoch die Sicht, sodass der Sicherheitsgewinn geringer als m├Âglich ist.

Schauen wir uns das ganze nun einmal im Detail an. Man sieht, dass die Aufpflasterung nicht die H├Âhe des Hochbords hat. Man hat hier absichtlich noch eine Tastkante eingebaut. Der Niveauunterschied ist also nicht hoch, allerdings sp├╝rbar.

In der Draufsicht sieht man die taktilen Elemente f├╝r die seheingeschr├Ąnkten Personen. Das Richtungsfeld f├╝hrt sie ├╝ber die Einm├╝ndung. Man kann auch die Sinusschwellen erkennen.

Schaut man von der anderen Seite, sieht man, dass das Hochbord auch ein bisschen abgesenkt worden ist. Durch die Aufpflasterung kommt die Fahrbahn h├Âher, der Gehweg wird etwas abgesenkt, es bleiben noch 3 cm f├╝r die Tastkante.

Interessant ist die Vorfahrtsregelung an dieser Stelle. Wenn man mit einem Fahrzeug von der Endenicher Allee in die Max-Bruch-Stra├če abbiegt, so muss man dem querenden Fu├čverkehr in jedem Fall Vorrang einr├Ąumen, StVO ┬ž9(3). Fahrzeuge, die aus der Seitenstra├če kommen, m├╝ssen normalerweise dem Fu├čverkehr keinen Vorrang einr├Ąumen, dem Fahrzeugverkehr auf der Vorfahrtsstra├če jedoch schon. Das ist schon einmal etwas inkonsistent. Durch die Bordsteinkante wird dem Fu├čverkehr allerdings die Bevorrechtigung genommen. Auch die Aufpflasterung ├Ąndert daran nichts, weil die Tastkante weiterhin Hochbord von Fahrbahn abtrennt. Erst wenn es eine niveaugleiche F├╝hrung g├Ąbe, w├Ąre hier der Fu├čverkehr wahrscheinlich bevorrechtigt. Es h├Ąngt also an diesen 3 cm.

Das ist schon einmal besser als vorher. Aber so richtig ├╝berzeugend ist es nicht, weil die F├╝hrung des Fu├čverkehrs nicht komplett niveaugleich ist. Man muss hier einmal die Bed├╝rfnisse der Beteiligten durchgehen:

  • Gesunde Fu├čg├Ąnger*innen m├Âchten an dieser Stelle die Fahrbahn queren. Dabei w├Ąren sie gerne bevorrechtigt gegen├╝ber dem Fahrzeugverkehr aus der Nebenstra├če. Ob da eine Kante ist, ist vom reinen Gehen her letztlich egal.
  • Personen mit Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl profitieren von einer niveaugleichen F├╝hrung. Sie haben keine L├Ąstige Kante, und k├Ânnen einfach ├╝ber die Einm├╝ndung fahren.
  • Seheingeschr├Ąnkte Personen brauchen jedoch eine F├╝hrung, die f├╝r sie klar wahrnehmbar ist. Eine Tastkante ist so ein klares Signal.

Die Tastkante ist allerdings nicht das einzige Signal, das m├Âglich ist. An anderen Orten gibt es an dieser Stelle eine Kombination. Die H├Ąlfte, die zur Hauptstra├če hin liegt, ist niveaugleich mit der Fahrbahn. Dort ist ein Stopfeld angebracht, das die seheingeschr├Ąnkten Personen von der Hauptstra├če weg f├╝hrt. Dort ist dann ein Richtungsfeld nach vorne ├╝ber die Einm├╝ndung, mit einer klaren Tastkante. So kann jede Person selbst w├Ąhlen, welche Seite genutzt wird. Niemand hat eine unn├Âtige Kante, es ist aber auch klar, dass auf die Fahrbahn getreten wird. Wie das allerdings rechtlich mit der Bevorrechtigung aussieht, wusste bisher niemand.

Es bleiben also noch weitere Diskussionsrunden mit diversen Interessenvertreter*innen, bis eine f├╝r alle zufriedenstellende Musterl├Âsung gefunden ist.