Nach langer Zeit ohne Autorennspiele habe ich mir das Need for Speed (2015) geholt und konnte an meine Rennspielbegeisterung aus der Jugend anknüpfen. Das Spiel erfüllt genau das, was ich von damals in Erinnerung hatte, nur auf einem technisch neueren Stand.

Need for Speed Historie

Früher als Schüler habe ich unglaublich viel Zeit in Computerspielen verbracht. Ich hatte drei aktive Jahre in Diablo II, unglaublich viel Zeit in Need for Speed. Dabei habe ich über die Jahre dann echt viele der Spiele durchgespielt. Interessanterweise wurden die auch immer von verschiedenen Studios entwickelt. Hier einmal die Übersicht:

Spielname Studio Erscheinungsjahr
Need for Speed II Electronic Arts 1997
Need for Speed III: Hot Pursuit Electronic Arts 1998
Need for Speed: Underground EA Black Box 2003
Need for Speed: Underground 2 EA Black Box 2004
Need for Speed: Most Wanted EA Black Box 2005
Need for Speed: Shift Slightly Mad Studios 2009
Need for Speed: Hot Pursuit Criterion Games 2010
Need for Speed: Most Wanted Criterion Games 2012
Need for Speed Ghost Games 2015

Es ist etwas unübersichtlich, weil sie immer wieder die Namen neu verwenden. Daher gebe ich die Jahreszahlen mit an.

Man kann auch wirklich die Familien erkennen. Interessant ist auch die Dimension zwischen Arcade und Simulation. Bei einem richtigen Arcade-Spiel geht es nicht um Fahrphysik, es geht um kurzweiligen Spielspaß. Mario Cart ist da ein klarer Vertreter. Simulation sind jene Rennspiele, bei denen man ein Lenkrad braucht und alles deutlich realistischer ist.

Die Teile II und III sind eher Simulation. Man ist alleine auf Strecken unterwegs, die wie offizielle oder abgesperrte Rennstrecken wirken. Man muss schon ordentlich fahren. Bei III konnte man sich sogar Hilfen wie die Ideallinie zeigen lassen.

Die von EA Black Box sind die drei Teile, die so auf illegalem Straßenrennen basieren. In Most Wanted (2005) haben sie wieder die Verfolgungsjagden mit der Polizei reingebracht. Das ist viel mehr Arcade. Man hat anderen Verkehr auf der Straße, kann seine Autos individuell anpassen und die Fahrphysik ist eher auf Spaß optimiert.

Das Shift (2009) war dann etwas vollkommen anderes. Das ist wirklich ein Simulator. Das Studio hat danach auch Project CARS gemacht, ein designierter Simulator. Das habe ich auch gerne gespielt.

Hot Pursuit (2010) und Most Wanted (2012) waren einfach nur Arcade. Man liefert sich hektische Verfolgungsjagdgen mit der Polizei. In der Fantasiestadt hat die Polizei auch Lamborghini und andere Supersportwagen, damit sie die Raser dort angemessen verfolgen können. Einen etwas dumme Prämisse, aber es ist halt ein Arcade-Spiel. Es hat ansonsten keine wirkliche Entwicklung oder Geschichte.

Need for Speed (2015) ist der Reboot der Reihe, sie wollten das Underground 2 (2004) nochmal wieder aufleben lassen. Und das hat auch geklappt. Es hat eine ähnliche Geschichte: Man ist neu in der Stadt und kommt in der Straßenrennszene an. Man fängt mit einem moderaten Auto an und arbeitet sich mit der Zeit zu immer mehr Leistung hoch.

Allerdings muss ich mich nicht mehr zwischen 640 × 480 Pixeln Auflösung und mittleren Details oder 800 × 600 Pixeln und niedrigen Details entscheiden. Anstelle einer GeForce 2 MX habe ich nun eine Radeon 7700 XT. Ich kann das Spiel auf 3840 × 2160 Pixeln in voller Detailstufe spielen und habe noch weit über 100 Bilder pro Sekunde. Wenn man ein Spiel von 2015 auf einem Rechner von 2024 spielt, ist das auch nicht weiter schwer. Man braucht aber keinen Widescreen-Hack, wie man ihn mit den alten Spielen bräuchte.

Das Spiel

Anfangs bekommt man einen Subaru BRZ, ein erstaunlich leistungsstarkes Auto für den Anfang. In Underground 2 bekommt man weniger am Anfang.

Man bekommt diverse Videosequenzen gezeigt, in der man ein paar Charaktere kennenlernt. Diese führen einen dann auch durch das Spiel und erklären die verschiedenen Arten von Rennen. Die Crew besteht aus zwei Männern und zwei Frauen, die jeweils unterschiedliche Arten von Rennen bevorzugen.

Nach jedem Rennen bekommt man Punkte in verschiedenen Kategorien. Irgendwann bekommt man das nächste Level und schaltet so weitere Tuning-Teile frei. Damit kann man über das Spiel die Leistung der Autos erhöhen, das fühlt sich nach einer sinnvollen Progression an.

Nicht ganz die Zielgruppe bin ich für diese Pseudo-Social-Media-Posts nach einem Rennen. Das stört aber auch nicht wirklich.

Renn-Arten

Im Spiel gibt es das klassische Rundkursrennen. Häufiger ist aber das Sprint-Rennen, bei dem sich kein Teil der Strecke wiederholt. Das sind soweit normale Rennen.

Der Schwerpunkt bei diesem Need for Speed liegt aber, wie bei Underground und Underground 2 auch, auf dem Driften. Mir macht das auch am meisten Spaß. Bei Underground 2 hatten sie zwei Typen, einmal das Driften auf einer Parkhaus-artigen Strecke und dann den Downhill Drift in der offenen Welt. Letzteres fand ich besonders cool.

Hier gibt es nun vier verschiedene Drift-Events, die alle in der offenen Welt gefahren werden. Sie unterscheiden sich allerdings darin, was genau Punkte gibt und wie viel Zeit oder Strecke man hat. Beim Driftversuch muss man nur die Punkte innerhalb der Strecke erreichen. Beim Gymkhana kann man beliebig viele Runden fahren, dafür ist die Zeit begrenzt.

Richtig interessant ist Touge und Drift-Train. Dabei bekommt man einen Multiplikator dafür, wie weit man vorne dabei ist bzw. wie nah man an der gesamten Gruppe ist. Das ist eine neue Dynamik. Touge kombiniert also Rennen und Drift, das liegt mir sehr.

Nochmal der Überblick:

Event Gegner Ziel Besonderheit
Driftversuch Niemand (Solo) Zielscore vor Streckenende Reines Solo-Driften
Touge Andere Spieler Höchster Drift-Score am Ziel Positions-Multiplikator
Drift-Train Kooperativ Gemeinsamer Zielscore Bonus für Nähe zur Gruppe
Gymkhana Die Uhr Zielscore im Zeitlimit Drifts + Sprünge zählen

Das Spiel ist für mich als Drift-Enthusiasten also genau richtig abgestimmt.

Autos

Am Anfang bekommt man einen Subaru BRZ, den man mit Tuning auch durchaus im späteren Spiel noch sinnvoll nutzen kann. Es ist ein ausgewogenes Auto.

Als nächstes habe ich mir einen Lotus Exiege geholt. Den gab es auch schon in Most Wanted (2005). Das Auto ist sehr wendig und gerade für enge Strecken ideal. Zum Driften finde ich es ebenfalls genial gut. Das ist wie damals der Audi TT in Underground 2, einfach ein richtig spaßiges Auto.

Aber auch auf den Autobahn-Abschnitten kommt das Auto gut mit. Die Höchstgeschwindigkeit ist noch immer hoch genug.

Damit ich noch ein Kontrastprogramm habe, kaufte ich im Spiel noch einen Lamborgini Huracán. Der hat deutlich mehr Leistung und beschleunigt absurd schnell. Die Höchstgeschwindigkeit ist auch beeindruckend.

Nur leider ist das Teil in den Kurven dann nicht mehr so gut zu steuern. Ständig baue ich mit dem Teil Unfälle. Die Zwischensequenz kostet viele Sekunden Zeit, die ich mit der krassen Beschleunigung alleine nicht wieder aufholen kann. Somit habe ich mit dem Huracán am Ende sogar schlechtere Rundenzeiten. Mit mehr Übung kann ich mit dem Auto aber auch besser fahren, hier muss man viel stärker vor Kurven bremsen. Also ein anderes Fahren, macht auch durchaus Spaß.

Online-Zwang

Obwohl das Spiel letztlich ein Einzelspieler-Spiel ist, muss man es online spielen. Dabei sind dann auch andere Spieler:innen in den Spiel. Die sind auch präsent, wenn man selbst Rennen fährt. Und dann kommt es zu Szenen wie der folgenden: Ich fahre ein Rennen. Mir kommt irgendjemand anderes auf der gleichen Strecke entgegen. Ausweichen ist nicht mehr drin, ich werde in einen großen Unfall verwickelt. Das kostet mich mehrere Sekunden, ich verliere das Rennen. Hier kurz vor dem Zusammenstoß:

Das ist super nervig. Es bringt keinen Mehrwert, andere Spieler:innen in meiner Welt zu haben. Zumal es die andere Person auch in einen Unfall verwickelt haben wird.

Ansonsten taucht manchmal noch die Meldung auf, der Server würde in den nächsten 15 Minuten zur Wartung heruntergefahren. Mir scheint es etwas absurd, dass sie bei einem 11 Jahre alten Spiel noch ständig Wartung machen. Für mich klingt es eher nach adaptiver Skalierung in der Cloud und sie haben eine Migration von Sessions auf andere Server nicht implementiert. Jedenfalls steht man dann plötzlich ohne Verbindung da:

Und dann muss man das Spiel nochmal neu laden, was ziemlich lange dauert.

Ladezeiten

Das Spiel zu starten dauert ziemlich lange. Zuerst lädt es halb. Dann muss man mit einem Tastendruck bestätigen, dass es den Rest laden muss. Danach ist man im Hauptmenü. Dort wählt man dann »Alldrive« aus. Es wird die Garage geladen. Man wählt das Auto aus. Dann lädt die offene Welt.

Teleportiert man sich zu einem Rennen, muss man dort noch das Rennen starten. Was auch wieder ein Ladebildschirm ist.

Spielen mit Freunden

Man kann eine Crew mit insgesamt acht Leuten aufmachen. Dabei kann man die auch auf privat stellen und explizit Freunde einladen. Am Ende wird die dann aber doch aufgefüllt mit anderen Leuten. Das Spiel ist dann immer voll mit weiteren Leuten.

Im Spiel kann man dann nur die Crew oder alle anwesenden Spieler:innen einladen. Wenn man sich da nur an die Crew hält, kann man also mit seinen Freund:innen spielen. Das ist schon okay.

Anrufe und Tipps zu Unzeiten

Eine Mechanik im Spiel sind die Anrufe von der Crew. Letztlich rufen sie einen an um einen auf ein Rennen aufmerksam zu machen, das eh auf der Karte steht. Diese Anrufe kommen aber auch, während man gerade ein Rennen fährt. Ich verstehe wirklich nicht, was das soll. Innerhalb des Rennens kann man ja eh nicht darauf eingehen, was die einem erzählen. Das kann auch nach dem Rennen gemacht werden.

Auch werden am Anfang des Spiels irgendwelche Tipps überlagert. Die könnte man auch einfach während der Ladebildschirme zeigen, wie einige moderne Spiele das machen.

Fazit

Mir macht das Spiel viel Spaß. Es lässt mich an den Spaß von damals mit Underground 2 anknüpfen, wirkt auf mich technisch aber zeitgemäß. Die kleinen Probleme aus der Online-Anbindung im Einzelspieler-Modus sind verschmerzbar.