Ein Handwerker schickte mir einen Auftrag, den ich unterschreiben sollte. Da ich im Urlaub weder Drucker noch Scanner hatte, wollte ich das digital unterschreiben. Und das geht natürlich wieder nicht so einfach, wie ich mir das vorstelle.

Nach meinem laienhaften Verständnis gibt es juristisch mehrere Formen bezüglich Dokumenten. Für den Alltag ist die Schrift- und die Textform interessant. Bei der Schriftform muss es die eigenhändige Unterschrift im Original enthalten. Ein Scan oder digitale Unterschrift mit Digitizer erfüllt das alles nicht. Dann gibt es noch die Textform, bei der muss das Dokument nur ein eindeutig zu erkennendes Ende haben, das kann auch eine getippte Unterschrift sein. Eine E-Mail sollte die Textform erfüllen.

Da wir bei Verträgen die Formfreiheit haben, liegt es an den Vertragsparteien zu entscheiden, welche Form sie wählen wollen. Eine höhere Form sollte, solange sie nicht wie die notarielle Beurkundung zusätzliche Kosten auslöst, auch akzeptiert werden.

Viele Firmen sind da eher merkwürdig drauf. Die akzeptieren keine einfache E-Mail, die die Textform erfüllen sollte. Sie akzeptieren auch nicht ein PDF mit einer digital hinzugefügten Unterschrift, was auch die Textform erfüllen sollte. Sie akzeptieren aber ein eingescanntes PDF, auf das ich per Hand unterschrieben habe. Das erfüllt wohl auch die Textform, aber nicht die Schriftform. Dafür müsste ich das Original per Post schicken oder faxen. Wenn sie das per PDF akzeptieren, scheinen sie wohl nicht auf die Schriftform aber auf eine spezielle Form der Textform zu bestehen. Mir erscheint das inkonsistent.

Nun war ich im Urlaub und diesmal hatten wir keinen Drucker dabei. Mein elektronischer Personalausweis ist auch eine Smartcard, darauf ist ein krypografisches Schlüsselpaar, mit dem ich theoretisch Dokumente signieren könnte.

Per GPG kann ich ganz locker Dokumente unterschreiben, per S/MIME ist das auch möglich. Da habe ich nur kein Zertifikat. Aber ich habe ja eines, das vom Bund signiert ist. Höher geht eigentlich nicht.

Schaut man auf der Webseite zum Personalausweis, findet man Informationen zu eIDAS, was »elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt« regelt. Und da steht drin, dass die »qualifizierte elektronische Signatur« (QES) gleichwertig zur handschriftlichen Unterschrift ist:

Die Umsetzung der Verordnung hat unter anderem zur Folge, dass eine qualifizierte elektronische Signatur, die von einer Bürgerin oder einem Bürger eines EU-Mitgliedstaats erstellt wird, in allen Mitgliedstaaten die gleiche Rechtswirkung entfaltet, wie eine handschriftliche Unterschrift in dem betreffenden Staat.

Mega cool! Dann mal los! Ich habe mir die Ausweisapp heruntergeladen und wollte mit meinem NFC-fähigen Smartphone dann das Dokument signieren. Aber die Option gab es gar nicht.

Liest man weiter im Dokument, steht da etwas von Signaturkarten, die jetzt aber auch veraltet seien. Neu sei die Fernsignatur:

Bei der Fernsignatur wird eine qualifizierte elektronische Signatur nicht mehr mit einer Signaturkarte erstellt, sondern von einem qualifizierten Vertrauensdiensteanbieter im Auftrag der unterzeichnenden Person.

Der Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass keine zusätzliche technische Ausstattung (Signaturkarte, Lesegerät) für das Erstellen einer qualifizierten elektronischen Signatur benötigt wird. Die unterzeichnende Person muss dafür gegenüber dem Vertrauensdiensteanbieter ihre Identität sicher nachweisen.

Und dann gibt es bei der Bundesnetzagentur noch eine Liste mit Vertrauensdiensteanbieter. Ohje, die Signatur geht jetzt nicht mit einer Software vom Bund, sondern man muss einen privatwirtschaftlichen Anbieter finden, der das jetzt anbietet.

Schaut man sich diese Liste an, findet man dort letztlich nur Firmen, die diese Dienste für Firmenkunden anbieten. Das nützt mir als Privatperson entsprechend wenig.

Die Firma Yousign aus Frankreich bietet es auch für Privatkunden an, sogar kostenlos. Also kostenlos ist eine Signatur, die aber nicht die QES ist. Die QES gibt es zubuchbar nur im »Plus« Tarif für 25 EUR/Monat. Und das sehe ich ehrlich gesagt nicht ein für eine Unterschrift unter einen Auftrag für einen Handwerker.

Somit habe ich jetzt keine digitale Signatur. Ich habe das PDF jetzt einfach auf dem Handy mit meinem Touch-Stift unterschrieben: