Mit dem Auto zur Arbeit – ein Selbstversuch

Als Gegenentwurf vom Programm »Mit dem Rad zur Arbeit« versuche ich mal das Auto zur Arbeit zu nehmen.

Der Weg ins Büro ist für mich ungefähr 40 km lang. Meist arbeite ich von zuhause aus, manchmal fahre ich ins Büro. Wenn ich motiviert bin, nehme ich das Fahrrad. Da brauche ich für den Hinweg 2:00 h bis 2:30 h, je nach Tagesform. Für den Rückweg brauche ich dann aber eher 3:00 h aufwärts. Das ist schon ziemlich viel Zeit, die ich mit dem Fahrrad fahre, also über 5:00 h an einem Tag. Das macht Spaß, tut mir gut.

Wenn mir nicht nach Fahrradfahren ist, nehme ich die Bahn. Und das ist zwar körperlich weniger anstrengend, aber psychisch schon sehr mühsam. Zudem dauert es von Tür zu Tür im besten Fall 1:30 h, realistisch eher so 2:00 h an einem normalen Tag. Und dann kann man mit der Deutschen Bahn noch viel Verzögerung erleben.

Wegen eines Team-Events, das bis spät abends gehen sollte, habe ich einmal das Auto versucht. Man soll ja auch mal die anderen Verkehrsmittel ausprobieren, zumindest ist das immer die Botschaft an Autofahrer. Ich habe einfach Google Maps vertraut, dass die schon mit Stau die sinnvollste Route finden. So sah die Vorhersage aus, die ich am Tag vorher rausgesucht habe:

Also es könnten 35 min sein, es könnten aber auch 1:15 h sein. Da kann man sich dann schon vorstellen, wie nervig man da so im Stau stehen würde.

Montag

Google Maps hat mich dann vom Bonner Osten in den Kölner Westen so geführt, dass ich in Köln über die Severinsbrücke gefahren bin. Da bin ich dann echt durch das Zentrum gefahren:

Das waren dann 37,4 km. Für die habe ich 51 min gebraucht. Meine Höchstgeschwindigkeit war 111 km/h, obwohl an einigen Abschnitten bis 120 km/h erlaubt war. Das ganze ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 43,9 km/h. Also schneller als mit dem Fahrrad, aber jetzt auch nicht so ultra schnell.

Selbst da, wo der Verkehr flüssig war, konnte ich nie die Höchstgeschwindigkeit fahren. Vor Gremberg zum Beispiel wären 100 km/h erlaubt gewesen, ich habe 73 km/h fahren können. Und ich war schon meist auf dem linken Fahrstreifen unterwegs.

Die Verteilung der Geschwindigkeit ist auch nicht sonderlich toll. Da kann man sehen, wie ich die meiste Zeit dann doch eher so mit Stadtverkehrs-Geschwindigkeiten unterwegs war. Und manchmal dann so um 80 km/h herum.

Auch im zeitlichen Verlauf kann man gut die Autobahnstrecke und dann die Innenstadt erkennen:

Durch die Kölner Innenstadt war wirklich abenteuerlich. Insbesondere haben die ganz viele Kreuzungen mit sehr vielen Fahrtrichtungen. Am Barbarossaplatz sagte das Navi, dass ich nach Rechts abbiegen soll. Allerdings bezog sich das auf die Roonstraße. Ich bin aber erstmal in die Friedrichstraße gefahren und musste dann zurück auf die Neue Weyerstraße. Eingeordnet habe ich mich dann auch in Richtung Hohenstaufenring, man muss den zweiten Fahrstreifen von rechts nehmen und auf die Roonstraße zu kommen.

Wenn man das öfter macht, dann geht das wahrscheinlich besser. Was allerdings immer furchtbar bleibt sind die mangelnden Radwege. Da auf der Neuen Weyerstraße gibt es drei Fahrstreifen pro Richtung und dann ist der Radverkehr auf dem äußersten Fahrstreifen. Es wirkt wie eine Autobahn und ich würde da eher nicht mit Radverkehr rechnen. Ich habe dann einfach die linken Fahrstreifen genutzt und dann passte das auch. Würden sie die äußersten Fahrstreifen in Radfahrstreifen umwandeln, fände ich das auch mit dem Auto deutlich besser.

Bei der Rückfahrt wollte ich nicht nochmal durch die Innenstadt und bin möglichst direkt auf die Militärringstraße und die Autobahn gefahren.

Ich bin um 19:15 Uhr losgefahren, da war der Verkehr schon deutlich weniger. Ich habe für die Strecke aber trotzdem 46 min gebraucht. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit war 55 km/h, die Höchstgeschwindigkeit 144 km/h im unbegrenzten Abschnitt zwischen Wesseling und Bornheim. Und das ist mit dem Auto nicht angenehm zu fahren, hat zeitlich auch nicht merklich etwas gebracht.

Ich hatte mich an dem Tag dann gefühlt gar nicht bewegt, das Treppenhaus vom Parkhaus ins Büro war schon das meiste. Ich fand das ganz unangenehm. Aber so konnte ich noch lange mit dem neuen Kollegen im Büro sein und ihm viele Dinge zeigen. Später werden wir beide eher von zuhause arbeiten, daher wollte ich diese Gelegenheit nutzen.

Dienstag

Am Dienstag bin ich nochmal mit dem Auto gefahren, da sind wir mit dem Team noch essen gegangen. Bei dem letzten Event dieser Art bin ich mit der Bahn gefahren, musste dann aber schon um 19:00 Uhr vom Restaurant los um rechtzeitig wieder im Bett zu sein. Mit dem Auto versprach ich mir dann entsprechend einen etwas längeren schönen Abend.

Auf dem Hinweg habe ich wieder A 555 und A 4 genommen. Autobahn absitzen finde ich selbst im Stau noch besser als durch die Kölner Stadt fahren zu müssen.

Und Stau gab es eine Menge. Für die 43,9 km habe ich dann 1:11 h gebraucht. Durchschnitt sind 36,7 km/h. Ich bin auch nie schneller als 102 km/h gefahren. Am Montag war das kurze Schnellfahren nach wenigen Minuten wieder langweilig. Und dann bin ich einfach im Autobahnabschnitt ohne Tempolimit mit 100 km/h weitergefahren. Bei Wesseling ist aktuell eine Baustelle, da geht eh nicht mehr.

Am Anfang hatte ich die B 56. Und da fuhr jemand mit einem Renault Tweezy, das aber auf 25 km/h begrenzt war. Somit gab es einen langen Stau bis Sankt Augustin, und man kann der Farbe nach auch erkennen, dass ich da eher so 20 km/h gefahren bin.

Das war jetzt auch nicht so ideal, aber hält man natürlich aus. Einmal auf der Autobahn kam aber auch schon der nächste Stau auf der A 59. Da war einfach sehr viel los, das passiert dann halt. Einmal auf der A 555 war gut frei. Da ist im ersten Abschnitt 100 km/h, zwischen Bornheim und Wesseling dann unbegrenzt. Aber ich hatte keinerlei Lust mehr. Also einfach 100 km/h weiter. Und alle anderen um mich herum auch. Das war wirklich interessant zu sehen. Normalerweise sind da immer ganz viele mit dicken Dienstwagen, die dann richtig rasen.

Hinter Wesseling, als es dann Richtung Autobahnkreuz Köln-Süd ging, wurde es wieder sehr zäh. Teilweise haben die Leute durch viele Fahrstreifenwechsel das ganze noch mehr strapaziert, als es schon war. Ich war froh, dass ich das nicht jeden Tag machen muss.

Im letzten Teil war die Militärringstraße wohl so zu, dass ein Umweg 13 Minuten schneller war. Ich stand dann noch ein bisschen auf der A 4 im Stau, bis ich dann auf der Aachener Straße so ganz langsam Richtung Zentrum gefahren bin.

Mit mir im Stau standen ganz viele andere Leute. Aber es war interessant zu sehen, wie man in Köln bei radialer Bewegungsrichtung meist eine grüne Welle hat. Das haben die echt darauf optimiert. Und entlang der Ringe fahren ist echt furchtbar.

Aber nach 1:11 h Hinfahrt war ich dann auch echt froh das Auto in der Tiefgarage abstellen zu können und erstmal durch zu sein.

Abends bin ich gegen 21:45 Uhr losgefahren. Ich war schon recht müde und daher froh, einfach nur stumpf Autobahn fahren zu müssen. Vom Parkhaus bin ich dann erstmal auf eine große Straße geleitet worden. Von dort wieder über die zentrale Brücke und dann auf die Autobahn. Geschwindigkeiten waren hier einfach normaler Stadtverkehr, war ja schon leer.

Durch Gremberg lief auch alles ganz locker.

Und dann auf der A 59 habe ich die 120 km/h Höchstgeschwindigkeit gar nicht ausgenutzt und einfach nur weiter die 100 km/h gemacht. Ich weiß ja um meine durch Müdigkeit reduzierte Reaktionszeit und habe mir dann einfach ein bisschen mehr Zeit durch geringere Geschwindigkeit eingeräumt. Da es eh leer war, hat das auch niemanden irgendwie aufgehalten.

Die Rückfahrt hat nur 38 min gedauert. Das war deutlich schneller als die Hinfahrten, und es war auch deutlich kürzer als mit der Bahn.

Mittwoch

Mittwoch Abend war noch ein geselliger Abend in der Büroküche. Da hatte ich ursprünglich vor nochmal das Auto zu nehmen. Allerdings war ich am Dienstag trotz Auto später zuhause als geplant. Mir fehlte Schlaf. Und da die Rückfahrt am Dienstag schon fordernd war, wollte ich mich nicht müde in den Berufsverkehr und den Stau stellen.

Wie praktisch, dass es die Bahn gibt! Gut, ich bin von der auch ziemlich genervt. Aber dann bin ich mit der Bahn gefahren und musste mich gar nicht konzentrieren. Das ist schon ein nicht zu vernachlässigender Vorteil. Die Rückfahrt musste ich gegen 19 Uhr starten, damit ich sinnvoll nach Hause komme. Aber ich konnte in der Bahn ein bisschen dösen, das war sehr gut.

Fazit

Es war wohl ganz gut, dass ich am Dienstag mit dem Auto da war und nicht schon nach der Vorspeise wieder auf dem Nachhauseweg sein musste. Allerdings fand ich das Autofahren einfach anstrengend. Mit mehr Übung würde das bestimmt besser gehen, insbesondere wenn ich den Weg auswendig kann.

Trotzdem bleibt Autofahren verschwendete Zeit für mich. Ich fahre auf dem Hinweg mit der Bahn so 1:30 bis 2:00 h, habe dabei aber gut 7 km Spaziergang und auch noch gut eine Stunde Lesezeit. Somit ist die Zeit eigentlich gar nicht so wild, selbst das Warten am Bahnhof kann ich mit Lesen verbringen. Ich bin also entweder aktiv oder lese. Großzügig betrachtet ist die Fahrt dann sehr kurz, weil ich ja angenehme Dinge währenddessen machen kann.

Mit dem Auto kann ich das nicht. Hörbücher oder Podcasts mag ich nicht beim Fahren hören, ich möchte mich auf den Verkehr konzentrieren. Und von daher sitze ich da im Auto und halte die Spur und den Abstand zum Auto vor mir. Es ist eine recht schlichte Tätigkeit, die trotzdem Konzentration erfordert. Und sie hält mich vom Lesen ab. Somit ist die Autofahrt mit ihren 50 min bis 1:10 h zwar nominal kürzer, jedoch habe ich keine Seite gelesen und spüre Bewegungsmangel am Ende des Tages. Das ist für mich eine Verschlechterung.

So sehr mich die Bahn also mit Ausfällen oder Verspätungen nervt, angesichts des Staus ins Büro bevorzuge ich sie weiterhin. Und das zeigt mir auch, dass ich nicht aufs Land ziehen und mit dem Auto pendeln mag. Auch wenn es dann teurer oder kleiner ist, eine gute Anbindung an den ÖPNV ist mir schon sehr wichtig.

Manchmal ist es echt gut, die Alternativen auszuprobieren. Auch wenn man an der normalen Routine Kritikpunkte hat, bleibt sie vielleicht doch der bessere Kompromiss. Zum Teil wird es daran liegen, dass ich zu wenig Routine im Autofahren habe und ich nicht auf dem »mein Auto kennt die Strecke« Niveau von Routine habe. Aber ehrlich gesagt möchte ich da nicht hin.

Das ganze kann auch das Fazit von Personen sein, die an »Mit dem Rad zur Arbeit« teilnehmen und sich schon wieder auf ihr Auto freuen. Die Gewohnheit bestimmt am meisten, welches Verkehrsmittel wir für eine bestimmte Strecke nehmen. Und so ist das vielleicht in alle Richtungen.