Wir fahre gerne Bahn, nur nicht in Deutschland. Und auch wenn es gegen einige meiner Werte verstößt, haben wir das Auto anstelle der Bahn genommen. Am Ende hat es weniger als ein Viertel der Bahnreise gekostet, war etwas schneller und komfortabel.

Angesichts der Klimakrise ist es sinnvoll das Verbrennerauto möglichst nicht zu nutzen und insbesondere lange Strecken mit der elektrischen Eisenbahn zu fahren. Soweit die Motivation.

Allerdings habe ich nun bei einigen Strecken den Vergleich zwischen Bahn und Auto. Im Berufsverkehr nach Köln rein ist mit dem Auto wirklich furchtbar, die S-Bahn ist da deutlich besser. Das liegt aber vor allem daran, dass ich nicht umsteigen muss. Ich kann mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren und von der Station zum Büro laufen. Die S-Bahn kommt alle 10 Minuten, das ist wirklich entspannt.

Bei einer Fahrt nach Düsseldorf sieht es dann aber schon anders aus, da braucht es dann Bus, S-Bahn und RE. Und sobald ich umsteigen muss, sinkt meine Begeisterung schlagartig. Würden die Bahnen pünktlich an dem angekündigten Gleis erscheinen, könnte man planen. Da man allerdings immer von Verspätungen und Gleiswechseln ausgehen muss, braucht man Puffer. Somit steht man an ungemütlichen Bahnsteigen.

Wird die Fahrt länger und muss eine Toilettenpause beinhalten, wird es ebenfalls unangenehm. In den Zügen sind die Toiletten häufig genug defekt oder ekelhaft, sodass ich auch nicht so richtig damit planen mag. An den Bahnhöfen gibt es theoretisch auch Toiletten, aber deren Verfügbarkeit ist auch eher theoretisch.

Die Mitnahme von Gepäck ist im ICE noch so halbwegs eingedacht, im Nahverkehr ist das eher nicht vorgesehen. Da leider der Nahverkehr aber der Zubringer zum ICE ist, muss man trotzdem das Gepäck im Nahverkehr mitnehmen.

In meiner romantisierenden Vorstellungen wäre eine Fahrt in einem ICE in einem ruhigen Sechserabteil wirklich toll. Dann kann man während der Fahrt ins Bordrestaurant gehen und etwas essen. Toiletten sind sauber. Es ist quasi wie in einem Restaurant oder einer Lounge sein. Die Realität ist halt anders.

Bahnverbindungen

Ich habe einmal nach Verbindungen gesucht. Dabei habe ich dann diese Verbindungen gefunden:

Verkehrsmittel Fahrtzeit Preis
Bus, RE, ICE, S-Bahn, Bus 5:05 h 119,99 EUR
Bus, RE, ICE, RE, Bus 5:11 h 105,99 EUR
Bus, IC, RE, Bus 5:58 h 83,99 EUR
Bus, RE, FlixTrain, S-Bahn, Bus 5:11 h Preisauskunft nicht möglich

Man hat also mindestens vier Umstiege. Möchte man die Reisezeit auf knapp über fünf Stunden drücken, muss man sogar fünfmal umsteigen. Damit hat man durchschnittlich weniger als eine Stunde zwischen den Umstiegen. Damit wechseln man ständig den Zug, das nervt. Mit jedem Umstieg stiegt die Chance den Anschluss zu verpassen. Die Reisezeit ist also nur das sehr optimistische Minimum.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese Verbindungen nicht stetig nach hinten schieben lassen. Die meisten Züge im Mittelteil kommen nur jede Stunde. Verpasst man einen der Züge, muss man entweder eine Stunde warten oder eine komplett neue Route nehmen. Das Verpassen des Anschlusses muss man dann dokumentieren, damit das Ticket noch gilt.

Kosten von Bahntickets

Dazu kommt dann noch das Problem mit dem »Teilstreckenpreis«, den ich auf bahn.de angezeigt bekomme:

Teilstreckenpreis: Dieses Angebot deckt die angefragte Strecke nicht komplett ab. Bitte kaufen Sie das Ticket für die nicht enthaltene Teilstrecke separat.

Das Busticket muss ich also noch selbst buchen. Weil wir in NRW wohnen, Oldenburg allerdings in Niedersachsen ist, brauche ich in Ermangelung eines Deutschlandtickets noch etwas um diese Tickets zu buchen. Meine VRS-App, meine eezy-NRW-App, oder die swb-easy-go-App funktionieren da alle nicht.

Darüber hinaus sind das nur die Tarife für den »Super Sparpreis« sind. Möchte man eine Stornierungsmöglichkeit haben, kostet der »Flexpreis« nochmal 5 EUR mehr.

Und zuletzt sind das die Kosten pro Person. Fährt man zu zweit, kostet es direkt das doppelte.

Routen mit dem Auto

Ich habe für die gleiche Zeit einmal mit Google Maps geschaut, wie lange man für die gleiche Strecke brauchen würde:

Autobahnen Strecke Fahrzeit
A 1 316 km 3:10 bis 5:00 h
A 43 und A 1 323 km 3:10 h bis 5:10 h
A 31 371 km 3:30 h bis 5:40 h

Vertraut man dieser Prognose, so ist man deutlich schneller unterwegs. Selbst im schlechtesten Fall braucht man 5:00 h, mit der Bahn wären es ja 5:05 h.

Vorteile des Autos

Dann kommt noch die Flexibilität. Wenn wir spontan entscheiden, nicht zu fahren, entstehen schlicht keine Kosten. Man muss keine Stornierung anstoßen, bei der man häufig gar kein Geld ausgezahlt bekommt sondern nur mit einem Gutschein abgespeist wird.

Fährt man mit mehreren Personen, erhöhen sich die Kosten nicht.

Das Auto haben wir schon, durch die Bahnfahrt sinken die Fixkosten nicht. Die Grenzkosten bei 316 km, ungefähr 5,5 l/100 km Benzinverbrauch sowie einem Benzinpreis von aktuell 2,03 EUR/l ergibt das 35,28 EUR Benzinkosten. Für alle Personen. Das ist deutlich günstiger als die 211,98 EUR zuzüglich Bustickets, die wir mit der Bahn hätten. Selbst wenn man jetzt noch SaniFair-Nutzung auf der Autobahn dazurechnet und Parkgebühren vor Ort, ist das Auto weiterhin drastisch günstiger.

Politik

Es gibt so viele Anreize, die das Autofahren angenehm machen:

  • Tankrabatt macht CO₂ erzeugen noch günstiger.
  • Überall einheitliche Fernstraßen machen die Orientierung einfach.
  • Man findet überall schon einen Parkplatz.
  • Der Parkplatz des eigenen Autos ist näher als die nächste Bushaltestelle.
  • Im Auto kann ich meine Musik hören.
  • Die meisten Raststädten haben SaniFair-Toiletten, die sauberer sind als die Toiletten in den Zügen.

Und so viele Dinge, die die Bahn furchtbar machen:

  • Die DB soll Gewinn machen, entsprechend sind die Tickets bepreist.
  • Unpünktlichkeit führt zu Unzuverlässigkeit.
  • Das heilige römische Reich deutscher Nahverkehrsverbünde macht es unmöglich eine Reise von Tür zu Tür direkt auf der Webseite der DB zu buchen. Man braucht drei verschiedene Apps für Reisen zwischen Bundesländern.
  • Regelmäßige Preiserhöhungen des Deutschlandtickets wurden beschlossen.
  • In den Bahnen gibt es häufig genug laute Leute, die ihr Handy ohne Kopfhörer nutzen.
  • Selbst in den Ruheabteilen im ICE gibt es immer wieder laute Personen.
  • Im Nahverkehr gibt es häufig keinen Sitzplatz. Selbst im ICE hatte ich schon einmal eine Person auf meinem reservierten Sitzplatz sitzen.
  • Klimatisierung und Belüftung der Waggons klappt meist, außer wenn es dann nicht klappt.

Tatsächliche Fahrt

Wir sind dann mit dem Auto gefahren. Auf dem Hinweg habe ich die Route über die A 1, auf dem Rückweg über die A 31 ausprobiert. Von der Zeit war das letztlich gleich schnell:

Hinfahrt Rückfahrt
Route A 1 A 31
Distanz 330 km 375 km
Zeit mit Pausen 4:35 h 4:40 h
Durchschnittsverbrauch 6,3 l/100 km 7,2 l/100 km
Gesamtverbrauch 20,5 l 26,5 l

Benzinverbrauch

Bei der Geschwindigkeit habe ich mich nicht zurückgehalten, auf den freien Strecken bin ich mit unserer kleinen Knutschkugel 155 km/h gefahren. Vernünftig ist das nicht, der Staudruck skaliert mit $P \propto v^2$, der Windwiderstand ebenfalls. Und somit skaliert die nötige Kraftstoffmenge $V$ quadratisch mit der Geschwindigkeit $v$. Bei einer festen Distanz $d$ ist die Zeit $t$, die man braucht $t = d/v$. Erhöht man die Geschwindigkeit um 10 %, so erhöht sich der Kraftstoffverbrauch um 21 %. Die Fahrtzeit geht aber nur um 9 % runter.

Und man sieht das hier auch wieder eindrucksvoll. Die Strecke ist 45 km länger, dafür konnte ich länger schnell fahren. Das hat dann beim Durchschnittsverbrauch reingehauen und zusätzlich beim Gesamtverbrauch. Letztlich ist die Physik hier gnadenlos:

Geschwindigkeit Faktor Durchschnittsverbrauch Reisezeit
100 km/h
120 km/h +20 % +44 % −17 %
155 km/h +55 % +140 % −35 %

Wenn man sich die Zahlen so anschaut, wird klar, wie bescheuert Schnellfahren ist. Dass ich das wider besseren Wissens gemacht habe, zeigt was für ein Spielkind ich dann doch manchmal bin.

Komfort

Wir haben bei der tatsächlichen Reisezeit ungefähr eine halbe Stunde weniger als das Minimum, das die Bus und Bahn gebraucht hätten. Dafür mussten wir bei der Fahrt selbst konzentriert sein, da muss man erstmal ankommen. Andererseits erschöpfen mich Bahnfahrten teilweise mehr als Autofahrten.

Die Startzeit konnten wir frei wählen, das war angenehm. Toilettenpausen mit hinreichend sauberen Toiletten gab es auch. Insgesamt fühlt es sich komfortabler an.

Kosten

Durch meine unvernünftige Fahrweise hat das Benzin jetzt 43 EUR pro Strecke gekostet. Dazu noch 4 EUR für SaniFair pro Strecke. Im Zug hätte man kostenlos auf Toilette gehen können, am Bahnhof nicht. Aber im Vergleich zu den über 200 EUR für Bahntickets pro Strecke ist das noch immer sehr günstig gewesen. Somit hat uns die ganze An- und Abreise 90 EUR gekostet und nicht über 400 EUR wie mit der Bahn.

Fazit

Es macht mich traurig den Schluss zu ziehen, die Autofahrt gegenüber der Bahnfahrt zu bevorzugen. Ich habe 47 l Benzin verbrannt, das erzeugte 112 kg CO₂. Mit der Bahn wären es 3 kg gewesen. Im letzten Jahr hatten wir mit der Gasheizung 2400 kg CO₂ erzeugt, das fällt in Zukunft weg. Die Wärmepumpe »spart« deutlich mehr, als das Auto erzeugt. So ganz darf man das aber auch nicht rechnen.

Jedenfalls wären mindestens 30 Minuten mehr Fahrzeit, weniger Flexibilität und über 310 EUR Mehrkosten der Preis für weniger CO₂ gewesen. Und da hört mein Kompromisswillen dann doch irgendwie auf. Es ist schade, dass die Welt so ist. Aber selbst wenn ich mit der Bahn gefahren wäre, wäre ich dann die Veränderung in der Welt gewesen, die ich in ihr sehen will?

Das nächste Mal würde ich aber wieder die A 1 fahren und es bei 120 km/h gut sein lassen.