Erfahrungen mit Lxmimi Kamera

Im Straßenverkehr gibt es immer mal wieder Situationen, bei denen ich Schreien könnte: Knappe Überholmanöver, Vorfahrt genommen bekommen, Geisterfahrer auf dem Radweg, quer über den Weg gespannte Hundeleinen. Damit ich nach einer solchen Situation nicht ohne Beweismittel dastehe, fahre ich gelegentlich mit einer Kamera am Fahrrad. In einem besonders schweren Fall, bei dem mich jemand anscheinend bewusst Schneiden wollte, war ein solches Video sogar als Beweismittel in einem Strafverfahren.

Die ideale Kamera ist eigentlich die Cycliq Fly12 CE. Die hat hinreichende Bildqualität mit Stabilisator, einen Loop-Modus und lange Akkulaufzeit. Sie hat vor allem einen Erschütterungssensor, der nach einer Kollision die Aufnahmen nicht mehr überschreibt. Leider aktuell nicht lieferbar.

Da ich nach einer zusätzlichen Kamera suche, die ich entweder am Helm oder am Fahrrad rückwärts befestigen kann, hatte ich noch ein bisschen geschaut. Es gibt einige Action Cams, die mit besonders guter Bildqualität und Bildstabilisierung aufwarten. Das ist auch interessant für Sport oder Hobby, aber so als Dashcam nicht so gut. Die Akkulaufzeit ist vergleichbar kurz, und die Preise auch recht hoch. Die Bildqualität ist schon zu gut.

Ich habe daher mal die LXMIMI Action Cam ausprobiert. Das ist natürlich ein Produkt, von dem man nicht zu viel erwarten darf und in Sachen Bildqualität nicht mit einer GoPro Hero oder einer Dji Osmo Action mithalten kann. Aber das muss sie auch gar nicht. Interessant ist vor allem, dass sie einen Loop-Modus hat, so werden alte Aufnahmen automatisch überschrieben. Somit muss man nur den Akku laden. Sollte man einen Vorfall gehabt haben, so kann man zuhause dann das entsprechende Video von der Karte herunterkopieren.

Die Kamera ist geformt wie eine kleine Taschenlampe, die sehr gut in die Hand passt. Sie ist ungefähr so lang wie meine Handfläche breit ist.

Sie hat ein 120°-Objektiv, damit hat man also einen ziemlich guten Überblick.

Hinten drauf ist noch ein Schraubverschluss, der die Speicherkarte und Ladeanschluss verdeckt. Damit ist die Kamera dann angeblich regenfest.

Insgesamt fühlt sich das Gehäuse wertig an. Die Bedienungsanleitung ist in schlechtem Deutsch oder schlechtem Englisch verfügbar, das ließt sich wirklich unterirdisch. Man kann aber so grob entziffern, was gemeint ist.

Bedienung

Zuerst muss man eine microSD-Karte mit bis zu 64 GB Kapazität einlegen. Diese schiebt man rein und klickt sie fest. Aber vorsicht, die Kamera scheint auf der Karte befindliche Inhalte in anderen Verzeichnissen einfach zu löschen!

Die Kamera erstellt dann die Verzeichnisse PHOTO und VIDEO, sowie eine Datei time.txt. Dort steht wohl die Zeit drin. Dann ein Y oder N (yes/no) das steuert, ob man den Zeitstempel in das Video eingefügt haben möchte. Und die letzte Zahl steuert, wie viele Minuten jede Datei im Loop-Modus sein soll.

2020.09.01 23:59:59 N 3 

Dann kann man noch mit zwei Schiebereglern die Auflösung wählen, es gibt einmal 1080p mit 30 Bildern pro Sekunde, und 720p mit 60 Bildern pro Sekunde. Für meinen Anwendungszweck sind mir mehr Auflösung und weniger Bildrate recht.

Der Ladeanschluss (im Bild mittig) ist ein USB, aber weder Mini-USB (links), Mikro-USB (rechts) noch USB-C. Man sollte das Kabel also nicht verlieren.

Die Kamera schaltet man ein, indem man den vorderen Knopf einige Sekunden festhält. Dann leuchten beide Lampen auf. Die Kamera vibriert auch dreimal lang, sodass man sie blind bedienen kann.

Danach leuchtet nur noch die blaue Lampe, man kann aufnehmen. Man drückt nun einmal auf den hinteren Knopf. Die rote Lampe geht an, die Kamera vibriert dreimal kurz. Zum Beenden der Aufnahme drückt man wieder hinten, die Kamera vibriert einmal kurz. Und zum Ausschalten hält man vorne fest, die Kamera vibriert einmal lang.

Befestigung

Es ist auch direkt viel Befestigungsmaterial mitgeliefert. Zum einen hat man eine Schelle, die die Kamera selbst umschließt.

Lenker

Dann gibt es eine Lenkerhalterung, an die man die Schelle anschrauben kann. Damit kann man sie dann auf dem Lenker positionieren. Durch das Kugelgelenk kann man die Kamera auch genau gerade ausrichten.

Klettbänder

Es gibt noch eine zweite Halterung, mit Klettbändern. Diese kann man nutzen um die Kamera noch an diverse andere Dinge zu befestigen.

Zusammen mit der Schelle, aber ohne die Klettbänder, sieht das dann so aus:

Und das kann man dann zusammen oben auf einen Helm schnallen.

Klebepad

Zwischen den Klettbändern gibt es noch ein Klebepad. Damit kann man die Halterung irgendwo aufkleben.

Das Klebepad lässt sich auch abnehmen, wenn die Klettbänder nicht montiert sind. Somit kann man die Halterung noch abnehmen, wenn die Kamera mal nicht am Helm haben möchte.

So kann man die Kamera dann seitlich an einen Helm kleben und kann noch den Helmüberzug gegen Regen nutzen.

Die Seitenfläche an meinem Helm ist etwas gekrümmt. Man sieht im Klebepad ein paar Rillen, an denen kann man das Pad noch knicken und mehr dem Helm anpassen. Dadurch könnte es ganz stabil halten.

Wenn man es ungefähr so montiert, wie im Bild gezeigt, dann hängt die Kamera hauptsächlich nach unten. Das minimiert die Hebelkräfte, das Klebepad muss weniger halten.

Generell ist die Montage am Helm schön, weil damit genau die Blickrichtung mitgenommen wird. Außerdem stabilisiert der Kopf die Kamera, es wackelt nicht so sehr wie am Lenker. Jedoch ist das zusätzliche Gewicht unangenehm, und bei einem Unfall hat man die Kamera an der Schläfe. Das ist wahrscheinlich auch nicht so optimal.

Videos

Ich habe mal ein kurzes Stück mit beiden Kameras aufgenommen, so zum Testen. Dabei habe ich bei beiden 1920×1080 Pixel und 30 Hz genutzt. So habe ich einmal die Lxmimi bei Tag und zum Vergleich die Garmin Virb bei Tag.

Die Lxmimi sieht im Standbild so aus:

Die Garmin Virb hat eine elektronische Bildstabilisierung, da sieht das so aus:

Insgesamt ist das nicht super und wohl deutlich unter dem, was eine Marken-Action-Cam leisten könnte. Für ein bisschen Absicherung im Straßenverkehr wahrscheinlich aber ausreichend.

Die Dateien sind pro drei Minuten zwischen 50 und 550 MB groß. Videos nachts sind wohl deutlich kleiner zu komprimieren. Nimmt mann 550 MB für drei Minuten, so sind es 11 GB/h, sodass auf eine 64 GB Speicherkarte knapp sechs Stunden Video passen. Das ist mehr als die Akkulaufzeit, so wird also nichts versehentlich überschrieben.

Fotos

Ich habe hier noch ein paar Standbilder aus Videos am Tag. Man sieht, dass die Bildqualität dann doch eher ziemlich mau ist. Wegen Datenschutz habe ich immer das meiste der Kennzeichen verpixelt. Man kann aber erkennen, ob man die ersten Buchstaben lesen kann oder nicht.

Akkulaufzeit

Ich habe auf einer längeren Radtour die Kamera immer mal wieder im Mischverkehr laufen lassen. Insgesamt konnte ich so 139 Minuten Video aufnehmen. Das ist ernüchternd und deutlich unter den vier Stunden, die auf der Amazon-Seite angegeben werden.

Immerhin scheint die Kamera während des Ladevorgangs aufnehmen zu können. Bei trockenem Wetter kann man also die Verschlusskappe abnehmen und mit einer Powerbank während der Fahrt laden.

Fazit

Für 70 EUR ist das eine wirklich coole Kamera, die wahrscheinlich für die meisten Anwendungen am Fahrrad total ausreichend ist. Durch das Befestigungssystem kann man sie am Lenker nach vorne ausrichten, oder schräg nach hinten. Man kann sie auch an der Sattelstütze montieren und nach hinten schauen lassen. Am Helm ginge auch.

Insgesamt eine Kaufempfehlung meinerseits, falls man eine günstige Kamera möchte, die in wahrscheinlich hinreichend vielen Fällen verwertbare Bilder liefert. Wenn man mehr Bildqualität möchte, muss man mehr Geld ausgeben.

Man sollte allerdings nochmal nach anderen Angeboten schauen. Unter den Stichwörtern »Sport DV« und »Mini F9« findet man wohl deutlich günstigere Angebote.

Nachtrag 17.10.2021

Jemand hat die Kamera zerlegt, und herausgefunden, dass der Sensor definitiv kein FullHD hat. Außerdem kursiert die Kamera mit leicht anderer Hardware im Internet herum. Es scheint also eher so ein Baukasten zu sein.

Daraus schließe ich, dass die für 20 oder 30 EUR ein ganz akzeptables Spielzeug ist, aber nicht wirklich eine ernsthafte Marken-Kamera ersetzen kann.