Kürzere Grünphasen für den Radverkehr

Grünphasen sind für den Radverkehr immer kürzer als für den Autoverkehr. Das ist nicht einfach zu ändern und stellt eine weitere systematische Benachteiligung des Radverkehrs dar.

Wer viel mit dem Auto fährt, achtet an Ampelkreuzungen vielleicht trotzdem auf die parallelen Ampeln für den Fußverkehr. Sind die nämlich schon rot, wird die Ampel für den Fahrverkehr (die Autoampel) demnächst gelb. Je nach Abstand zur Kreuzung kann man dann also schon vom Gas gehen. Oder, wenn man der Typ dafür ist, nochmal über die Höchstgeschwindigkeit beschleunigen um die Ampel noch passieren zu können.

Aber warum ist die Fußgängerampel ein guter Indikator für die Autoampel? Der Hintergrund sind die sogenannten Zwischenzeiten, in denen der Kreuzungsbereich geleert wird. Da haben dann alle Seiten rot. Da Fußgänger langsamer sind als Autos, brauchen sie entsprechend mehr Zeit. Damit dann im Umlauf die nächste Fahrtrichtung Grün bekommen kann, muss die Fußgängerampel als erstes auf Rot schalten. Das ist in der Logik komplett korrekt.

Also zuerst wird die Ampel für den Fußverkehr rot. Dann können die Fußgänger, die noch auf der Fahrbahn sind, auf die andere Seite gehen. Einige Sekunden später wird die Ampel für den Autoverkehr rot. Durch die deutlich höhere Geschwindigkeit verlassen die verbleibenden Autos den Kreuzungsbereich viel schneller, es können also noch ein paar Autos mehr durchgelassen werden.

Der Radverkehr ist von der Geschwindigkeit dazwischen. Weil aber die Signalgeber für Fuß- und Radverkehr meist kombiniert sind, muss sich der Radverkehr an der längeren Zwischenzeit des Fußverkehrs ausrichten.

Im Endeffekt bedeutet das schlicht, dass der Radverkehr an den meisten Ampeln früher Rot bekommt, als der Autoverkehr. Das bedeutet ebenfalls, dass die Wahrscheinlichkeit bei einer Ampel warten zu müssen, ebenfalls größer ist. Im verlinkten Beispiel haben Radfahrer 10 s weniger Grün als Autofahrer. Und da die Grünphasen in der Regel weniger als eine Minute sind, ist das schon eine saftige Reduktion der Grünzeit.

Das ist ein Baustein von vielen, wodurch man mit dem Fahrrad nur schleppend durch eine Stadt kommt. An dieser Stelle muss man sich vor Augen halten, dass es Ampeln nur wegen des Autoverkehrs braucht. Ohne Autos (und LKWs) könnten sich Radfahrer untereinander gut verständigen, Kreisverkehre an großen Kreuzungen würden auch gut funktionieren. Die Ampeln braucht man nur, damit der Autoverkehr zwischen den Ampeln auf für die Stadt übertriebene 50 km/h beschleunigen kann. Und die Existenz der Ampeln bremst dann den Radverkehr aus.

In jedem Schritt ist das alles logisch und nachvollziehbar. Schaut man sich aber einmal nüchtern das Resultat an, muss man diese Logik aber klar als vom Autoverkehr her kommend benennen.