Kreisel Rabinstraße/Thomastraße/Am Alten Friedhof

So um 2018 wurde in Bonn die Kreuzung zwischen Rabinstraße, Thomastraße und Am Alten Friedhof neu mit einem Kreisverkehr gestaltet. Dieses Projekt wurde explizit vorgezogen, damit im Rahmen der Baustelle beim Hauptbahnhof die LKW mit den Baumaterialien gut anfahren können. Dieser Kreisverkehr ist ein Prachtstück für den Autoverkehr, und für den Radverkehr einfach nur eine Katastrophe in vielerlei Hinsicht.

Zur ersten Orientierung eine Karte mit dem Kreisverkehr, den drei großen Straßen und den ganzen Fahrbahnen im Kreisverkehr. Das Weiße sind die Streifen für den Autoverkehr, blau gestrichelt ist ein Radweg. Das wird im weiteren Verlauf noch mit vielen Fotos beser dargestellt.

Karte: Open Street Map

Hilfreich kann auch ein Blick auf das Google Maps Satellitenbild, das ich allerdings nicht direkt einbinden kann.

Wir gehen jetzt einmal die ganzen Richtungen durch, die man diesen Kreisverkehr mit dem Fahrrad passieren kann. Dabei fangen wir einfach an und steigern uns in der Absurdität.

Von Rabinstraße

Als erstes betrachten wir die Strecke vom Hauptbahnhof aus kommend, und biegen einfach nur rechts ab.

Zum Alten Friedhof

Auf der Karte sieht das ganze jetzt eigentlich noch ganz harmlos aus.

Beim Eingang in den Kreisverkehr kann man schon sehen, dass der Schutzstreifen für Radfahrer in die Mitte führt. Man könnte also auch einfach in der Mitte fahren. Aber wir wollen nach rechts, und da gibt es diesen freilaufenden Rechtsabbieger. Dieser macht aus dem »Kreisel« einen »Turbokreisel«. Das ist etwas, das man natürlich für den MIV gerne baut, aber fahrradfreundlich ist das nicht.

Wir ordnen uns einmal nach rechts ein. Und schon hat mich die Situation beim ersten Mal überfordert. Da ist auf der rechten Seite auf dem Hochboard durch diese versenkten weißen Steine ein Radweg angedeutet. Es fehlt allerdings die entsprechende Beschilderung. Allerdings gibt es da so eine kleine Rampe, um nach rechts auf das Hochboard zu fahren. Soll man das jetzt nehmen?

Dann ist hinter dem Fußgängerüberweg ja noch ein rot markierter Überweg für die Radfahrer, man soll also ganz klar ab dort auf dem Hochboard mit dem Rad fahren. Man sieht ebenfalls ein Schild, dass dem querenden Radverkehr die Vorfahrt gibt. Das ist sehr nett, aber darauf verlassen würde ich mich nicht. Man sieht auf der Fahrbahn noch so eine Erhöhung, der Fußgängerüberweg ist ein großes Geschwindigkeitskissen. Man hat wohl festgestellt, dass ein freilaufender Rechtsabbieger gefährlich ist, weil er zu schnellen Geschwindigkeiten einlädt. Also hat man dort etwas zum Bremsen hingepackt. Vielleicht war auch einfach der freilaufende Rechtsabbieger eine schlechte Idee?

Die Unklarheit wird durch die vom ADFC angebrachte Radroutenmarkierung auf dem Boden geklärt. Man soll also mit dem Fahrrad dort drauf. Das ist schon eine scharfe Verschwenkung mit Kante. Aber der geübte Radfahrer hat damit natürlich kein Problem mehr.

Einmal auf dem Hochboard kann man nun am Fußgängerüberweg vorbeifahren. Unter den Ästen war ein blaues Schild versteckt, die linke Seite des Hochboards ist also ein Radweg. Aber warum ist da nochmal so eine dicke weiße Kante? Ist das mit der dünnen weißen Kante dann doch kein Radweg? Aber was ist es dann?

Weiter geradeaus ist dann kein Problem, man fährt parallel zum freilaufenden Rechtssabbieger einfach ganz nett und isoliert vom MIV.

Das Ändert sich dann aber irgendwann. Der linke Teil des Hochboards wird abgesenkt, und man hat einen Schutzstreifen. Es ist auf dem Bild nicht so ganz zu erkennen, aber der rechte Fahrstreifen inklusive Schutzstreifen wird immer schmaler, bis irgendwann der verbleibende Fahrstreifen nur noch knapp über 2,0 m breit ist. Überholen ist dann nur noch mit komplettem Spurwechsel nötig. Etwas, das in Bonn überall ist, siehe Beitrag zu Schutzstreifen

Das war das Abbiegen nach rechts. Das war ja schon schwer genug. Ich bin die ersten Male einfach auf der Fahrbahn gefahren, teilweise auch in den Kreisverkehr rein.

Nach Thomastraße

Nun wollen wir geradeaus fahren und in die Thomastraße kommen. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass das jetzt ziemlich absurd wird.

Wir beginnen erstmal damit, dass wir uns rechts halten, also in den freilaufenden Rechtsabbieger fahren. Dann fahren wir dort bei der ersten Gelegenheit auf das Hochboard. Das mag jetzt wirklich absurd erscheinen, aber die zweite ADFC-Pendlerrouten-Markierung zeigt genau diesen Verlauf an. Auf dem Hochboard zwischen erster Rampe und dem Überweg ist nämlich ein Symbol zum Linksabbiegen drin. Wir biegen also dann hinten beim Überwegs links ab. Wir müssen dabei drei Fahrstreifen überqueren, jedes mal runter und wieder rauf über die Bordsteine fahren.

Wenn wir das geschafft haben, geht es einmal um eine sanfte Linkskurve, das ist der südlichste Punkt auf der Karte. Dann kommt noch die Überquerung der beiden Fahrspuren, die nur für den Taxiverkehr sind. Auch hier wieder runter-rauf-runter-rauf.

Nun treffen wir wieder auf den MIV, müssen die beiden Fahrspuren kreuzen, die zur Thomastraße führen. Nein, es sind sogar drei Fahrspuren! Ganz hinten ist nämlich noch der freilaufende Rechtssabbieger, der die Straße Am Alten Friedhof und die Thomastraße direkt verbindet. Mir ist bei solchen Querungen auch überhaupt nicht klar, ob ich da jetzt Vorrang habe. Zu Fuß auf dem Fußgängerüberweg hätte ich die. Mit dem Rad auf dem Fußgängerüberweg nicht. Aber daneben? Die meisten Autofahrer halten an, aber ich vertraue dem ganzen nicht so recht. Wahrscheinlich steht auch da ein Schild wie an der anderen Stelle, dass die Autofahrer zum Vorfahrt achten auffordert. Davon sehe ich als Radfahrer aber nichts, und weiß nicht, welche Rechte ich habe.

Wenn man die drei Fahrstreifen überquert hat, dann hat man es auf die andere Seite geschafft. Dort wartet einer dieser ganz tollen nicht benutzungspflichtigen Radwege auf einen. Die erkennt man an dem Sinnbild Fahrrad ohne blauen Kreis darunter. Man kann dort also fahren, hat diesen Streifen auch exklusiv zum Radfahren. Man muss aber nicht, man kann auch auf die Fahrbahn.

Etwas später hört diese Trennung dann auf, man ist irgendwie mit dem Fußverkehr zusammen. Und dann wird es ganz schmal. Ja und jetzt? Soll ich auf die Fahrbahn? Auf den Seitenstreifen?

Wir mussten also: Rechts, rauf, links, links, runter, rauf, runter, rauf, runter, rauf, leicht rechts, runter, rauf, runter, rauf, leicht links, runter, rauf, runter, rauf, runter, rauf, links. Danach muss man sich aber noch irgendwie auf die Fahrbahn einfädeln, ohne Vorrang.

Und der MIV fährt halt einfach in den Kreisel, zweite Ausfahrt raus, fertig.

Von Thomastraße

Als nächstes schauen wir uns die Routen von der Thomastraße kommend an.

Zu Rabinstraße

Möchte man in die Rabinstraße fahren, so kann man einfach auf der Fahrbahn bleiben. Der Radweg auf der Gegenseite ist ja nicht benutzungspflichtig. Aber wir machen einmal die Route unter Nutzung der ganzen angebotenen Fahrradinfrastruktur.

Zuerst muss man irgendwie auf die gegenüberliegende Seite kommen. Wie das gehen soll, ist mir total unklar. Man kann so grob auf Höhe des Fußgängerüberwegs dort versuchen links abzubiegen. Oder man steigt ab und schiebt über den Fußgängerüberweg. Alles nicht so ganz super. Dann findet man dieses tolle Zusatzzeichen alleine am Mast hängen.

Dies fährt man dann ein bisschen weiter, bis man irgendwann nicht mehr weiter darf. Würde man da weiter fahren, landete man ja auch auf der falschen Seite bei Am Alten Friedhof.

Hier an der Stelle biegen wir jetzt rechts ab und queren erst den freilaufenden Rechtsabbieger, dann die beiden Fahrspuren vom Kreisverkehr.

Als nächstes geht es über die Strecke für den Taxiverkehr in Gegenverkehr, die kennen wir ja auch bereits.

Und dann steht man nun vor dem Fahrstreifen, der nach rechts in die Rabinstraße führt. Wie soll man sich dort verhalten?

Das kleine Symbol vom ADFC zeigt hier, dass man einfach direkt rechts abbiegen soll. So richtig einladend sieht das dafür nicht aus, aber gut.

Und dann findet sich hier noch ein Schutzstreifen, der einen in die Rabinstraße führt. Der Fahrstreifen ist aber viel zu schmal, als dass überholt werden könnte. Somit suggeriert der Schutzstreifen mal wieder ein mögliches Überholen, wo keins ist. Aber das kennt man ja nicht mehr anders.

København hat indirektes Linksabbiegen, und das klappt ganz gut. Aber Bonn hat jetzt sogar ein indirektes Geradeausfahren. Das muss man erstmal schaffen!

Zum Alten Friedhof

Möchte man Zum Alten Friedhof, geht man ganz ähnlich vor.

Der einzige Unterschied ist, dass man eben noch diese Fahrstreifen queren muss, dann links abbiegt und wieder auf dem Radweg ist, der den freilaufenden Rechtsabbieger begleitet.

Das ganze wirkt super umständlich. In den Kreisel einfahren ist viel einfacher.

Von Alten Friedhof

als letztes bleiben die zwei Möglichkeiten vom Alten Friedhof aus.

Nach Thomastraße

Zur Thomastraße ist es tatsächlich sehr einfach!

Da fährt man einfach auf dem Schutzstreifen in den freilaufenden Rechtsabbieger.

Danach fährt man dann auf das Hochboard auf, biegt leicht rechts ab, und muss sich halt irgendwie wieder auf die Fahrbahn einfädeln.

Zu Rabinstraße

Zur Rabinstraße ist das ganze ziemlich umständlich.

Die ganzen Teile hier hatten wir schon, man muss sie jetzt nur noch neu zusammensetzen.

Fazit

Insgesamt wirkt dieser Kreisverkehr so, als hätten sich die Planer ganz viel Mühe gegeben. Er hat ja auch drei Höhenniveaus, das ist baulich wahrscheinlich auch gar nicht so einfach umzusetzen. Die Führung für den MIV ist wirklich toll, ein Kreisel und noch zwei freilaufende Rechtsabbieger. Es ist ein kleines Autobahnkreuz in der Stadt, wenn man es so sehen mag.

Die Anlagen für den Radverkehr wirken nachträglich eingebaut. Irgendwie hat man festgestellt, dass so ein Autobahnkreuz unangenehm für unsichere Radfahrer sein könnte. Also hat man noch in Kleinarbeit da ganz viele Querungen reingebaut. Das qualifiziert ja für »hat sich stets bemüht«, aber ein ganzheitlicher Ansatz wäre deutlich besser gewesen.

Ich habe jetzt alle Richtungen einmal auf den Radwegen gemacht, und empfinde es einfach nur als lästig. Da die in den meisten Fällen gar nicht benutzungspflichtig ist, werde ich sie auch nicht mehr nutzen. Ich werde in Zukunft dort fahren wie der MIV auch und deutlich schneller vorankommen.