Kabel mit Leitungsdetektor finden ist doch zu einfach
Beim Aufhängen eines Bildes habe ich ein Stromkabel getroffen. Dann habe ich die Wand aufgestemmt, das Kabel repariert, verputzt, gestrichen. Eine Bilderstrecke von selbstgemachter Arbeit.
Stromkabel finden ist eigentlich gar nicht schwer. Man nimmt einen vernünftigen Leitungsdetektor, hält den an die Wand und kann klar sehen, dass dort ein Stromkabel hinter ist:
Unten im Display ist der Blitz für Strom, zudem findet das Teil ferromagnetisches Metall (also Eisen). Es ist wichtig, dass das getrennt wird, ansonsten könnte man Stromkabel nicht von irgendwelchen anderen stützenden Metallteilen trennen.
Der rote Ring sagt klar aus, dass genau durch das Loch bohren oder nageln eine schlechte Idee ist.
Aber das wäre ja zu einfach. Ich brauche nur einen Nagel, um eine Leitung zu finden. Ich schlage den in die Wand rein. Und wenn der FI-Schalter rausfliegt, war da wohl ein Kabel!
Im Ernst, ich war mir sicher, die Wand vorher einmal geprüft zu haben. Allerdings hatte ich auf horizontal verlaufende Kabel geprüft und nichts gefunden. Es gab ein vertikal laufendes Kabel, das genau über einer Steckdose war. Letztlich sollte ich das wissen. Aber ich war zu gedankenlos in dem Moment.
Nachdem der Strom dann weg war, ist mir sofort klar geworden, was passiert ist. Und ich habe stoisch gedacht, dass das jetzt viele Stunden Arbeit werden. Mit dem Leitungsdetektor prüfen hätte zwei Minuten gedauert. Das war einfach sehr dumm.
Kabel freilegen
Im Baumarkt habe ich mir einen kurzen dicken Hammer (Fäustel) und einen kleinen Meißel (Elektrikermeißel) besorgt. Damit habe ich angefangen die Wand freizulegen:
Und siehe da, das Kabel ist wirklich perfekt mittig getroffen. Als nächstes habe ich noch mehr Putz entfernt, damit ich dort sinnvoll arbeiten kann.
Als nächstes habe ich das Kabel sauber getrennt. Das sieht dann schlimmer aus als vorher, aber ich muss das Kabel ja reparieren.
Das Kabel muss abisoliert werden. Dafür empfiehlt sich das richtige Werkzeug zu nutzen und kein Messer zu nutzen. Gerade wenn man an das Kabel nicht richtig drankommt, ist das Werkzeug deutlich besser.
Kabel verbinden
Beim letzten von mir verursachten Kabeldefekt hatte ich dem Elektriker zugeschaut, als er das repariert hat. Und dabei habe ich gelernt, was man machen darf. Man darf keine Klemmen mit Putz einbauen. Daher gibt es jetzt zwei Möglichkeiten:
- Das ganze richtig groß öffnen und eine Dose einbauen. In dieser Dose kann man dann die Kabel mit Klemmen verbinden.
- Quetschverbinder und Schrumpfschlauch nutzen.
Ich habe mich, wie der Elektriker an der anderen Baustelle, für die Quetschverbinder entschieden. Damit habe ich noch ein kurzes Kabel hinzugefügt:
Dann habe ich um das alles einen großen Schrumpfschlauch gepackt, die Quetschverbinder auf der unteren Seite auch noch eingesetzt. Insgesamt habe ich 6 Verbinder eingesetzt. Das ganze ist danach etwas klobig geworden.
Damit das dann in die Wand passt, musste ich noch mehr Putz entfernen.
Verputzen
Nun muss ich das ganze wieder verputzen. Man kann das mit normalem Putz machen. Der kann nur wenige Zentimeter Tiefe überbrücken und trocknet über Stunden aus. Hier habe ich Elektriker-Gips genommen, der in Minuten trocknet. Dadurch kann ich das ganz schnell fertig bekommen.
Zuerst habe ich die gute Tapete abgeklebt, damit ich nicht alles vollmatsche.
Dann eine gute Portion Gipspulver genommen und in einen Gipsbecher gepackt. Bei Gips braucht man zwei Teile Pulver und ein Teil Wasser.
Wenn es eine zähe Pampe ist, die man zwar verarbeiten kann, die aber auch aus einem auf den Kopf gestellten Gipsbecher nicht rausfließt, ist es richtig. Dann rein mit dem Zeug, bevor es im Becher aushärtet.
Ich habe das mit der Kelle glatt gezogen und dann das Klebeband entfernt:
Das muss dann aushärten. Danach habe ich es mit feinem Schleifpapier noch abgeschliffen. So hat es dann die gleiche feine Textur wie die Fleecetapete darum herum.
Streichen
Dann habe ich es gestrichen.
Ich sehe da zwar bei genauer Betrachtung noch was, aber es stört mich überhaupt nicht. Und das Kabel funktioniert auch wieder einwandfrei.
Fazit
Für diese Baustelle habe ich mir einiges an Werkzeug noch neu besorgen müssen:
- Elektrikermeißel
- Fäustel (Hammer)
- Quetschverbinder
- Quetschverbinder-Zange
- Schrumpfschläuche
- Heißluftgebläse
- Akkuscheinwerfer
Andere Dinge hatte ich schon:
- Seitenschneider (zum Trennen des Kabels)
- Spannungsprüfer
- Abisolierzange
- Kabel-Abisolierwerkzeug
- Elektrikergips
- Gipsbecher
- Kelle zum Putzen
- Malerklebeband
- Abdeckplane
- Leitungsfinder
Das neue Material hat mich um 100 EUR gekostet. Aber ein Einsatz des Elektrikers hätte nochmal mehr gekostet. Beim letzten angebohrten Kabel habe ich gut 100 EUR für den Elektriker bezahlt und nochmal gut 80 EUR für den Maler (der aber eh schon im Haus war).
Ich freue mich, noch mehr handwerkliche Fähigkeiten dazugewonnen zu haben. Bei Strom sollte man aber wirklich wissen, was man tut. Nicht umsonst sollen das nur Leute mit Fachwissen machen. Als Physiker habe ich vor Strom keine Angst, nur den nötigen Respekt.
Auch wenn ich nicht vorhabe, noch weitere Kabel zu beschädigen, wüsste ich inzwischen, wie ich sie repariere. Das Werkzeug dafür habe ich jetzt auch komplett da. Und so wird jeder weitere Schaden dann immer günstiger. Das sind aber nicht die Skaleneffekte, die ich anstreben möchte.
Interessant finde ich außerdem, dass das Berufsbild Elektriker:in gar nicht so viel mit Strom und Schaltungen zu tun hat. Viel ist auch diese Arbeit mit Hammer, Meißel und Gips. Es gibt also durchaus Überschneidungen zu Verputzer:innen, Fliesenleger:innen und so.













