Computer gehören zu den Dingen, die man benennen muss, damit sie im Netzwerk auffindbar sind. Dabei hat man große Freiheit, und die macht es gar nicht so einfach.

Meine Computer, Smartphones, Tablets, Festplatten, USB-Sticks und Netzwerkhardware hat alle Namen, damit sie im Netzwerk oder Dateimanager gut auffindbar sind. Beim Cloud-Backup muss ich zum Beispiel wissen, von welchem Rechner das Backup stammte. Oder beim Login bei meiner alten Depotbank musste man auswählen, an welches Handy die Anfrage für den Login gehen sollte.

Auch außerhalb von Computern gibt es viele Dinge, die benannt werden. Wir Menschen haben alle einen Namen, der auch einem gewissen System folgt. Aber ich denke eher an künstliche Objekte. Bei Straßen gibt es ganz viele verschiedene Ansätze. So kann man sie nach Nachbarstädten benennen, das ist dann sogar sehr deskriptiv. Die Frankfurter Straße in Hennef führt in die Richtung von Frankfurt. Die Frankfurter Straße in Bonn ist allerdings innerhalb von einem Quartier, bei dem die Straßen ohne direkten Zusammenhang nach anderen Städten benannt worden sind. Man kennt auch Viertel, die nach Singvögeln, Baumarten oder Musikern benannt worden sind. Das ganze gibt dann auch direkt den Überbegriff, zum Beispiel das »Musikerviertel« in der Bonner Weststadt.

Die Mozartstraße hat nicht direkt etwas mit Mozart zu tun, die Celsiusstraße nichts mit dem Wissenschaftler. Überall in der Region gibt es Konrad-Adenauer-Plätze, Konrad-Adenauer-Brücken, Konrad-Adenauer-Straßen, Konrad-Adenauer-Dämme. Es hat eine gewisse Beliebigkeit, man wollte den Namen unterbringen, es hat aber nichts mit der Straße an sich zu tun. Interessanter ist so etwas wie Alte Heerstraße, die sogar an einer Kaserne vorbeiführt. Da steckt dann Geschichte hinter. Oder die Baumschulallee neben dem Baumschulwäldchen. Da hat es einen direkten Bezug.

Schauen wir mal auf Dinge, die es potentiell mehrfach geben kann. Laptops, Autos, Handys, die haben alle eine geteilte Produktbezeichnung und dann eine Seriennummer, die die Exemplare unterscheidet. Interessanter ist es bei Dingen, bei denen es nur eine handvoll Exemplare gibt. Und irgendwie habe ich, wahrscheinlich durch Actionfilme, etwas für Kriegsschiffe. Da wird das erste nach dem System des Landes benannt, die weiteren bekommen ähnliche Namen.

In Deutschland heißt die neuste Fregatten-Klasse »Baden-Württemberg«, die Klasse ist nach dem ersten Schiff benannt. Die weiteren Schiffe der Klasse heißen »Nordrhein-Westfalen«, »Sachsen-Anhalt«, »Rheinland-Pfalz«. Die »Hessen« ist eine Fregatte der »Sachsen«-Klasse. Das hat kein System, man kann aus den Namen nichts lernen. Und schlimmer noch, die Namen werden erneut vergeben. Die »Hamburg« ist seit 2004 eine Fregatte der »Sachsen«-Klasse, war aber von 1964 bis 1994 ein Zerstörer; siehe die Liste der Schiffe der Bundeswehr. Man kann so eine gewisse Verbundenheit zum Land herstellen, ohne dass man einen Personenkult aufbaut.

Die US Navy macht es ähnlich. Da hieß das erste Schiff der modernen Zerstörer »Arleigh Burke«, die weiteren Schiffe sind ebenfalls nach historischen Figuren benannt. Dadurch können alle wichtigen Personen untergebracht werden, es hat mehr Personenkult als bei uns.

Die Briten haben in ihrer Royal Navy ein ganz anderes System. Da heißen die U-Boote nach Adjektiven, die alle den gleichen Anfangsbuchstaben. Die strategischen Nuklear-U-Boote heißen »Vanguard« (Vorreiter), »Vigilant« (Wachsam), »Vengeance« (Rache) und »Victorious« (Siegreich). Zusammen bilden sie die »Vanguard«-Klasse. Die Jagd-U-Boote heißen »Astute«, »Ambush«, »Artful« und so weiter. Das ist ein besseres System, weil man durch den Anfangsbuchstaben einordnen kann, zu welcher Klasse das gehört. Kombiniert wird das mit »HMS«, »his/her majesty ship« zu »HMS Vanguard«. Deutschland hatte früher »SMS«, »seine Majestät Schiff«, die Zeit ist allerdings schon etwas her. Daher sind unsere Schiffe jetzt ohne Präfix unterwegs.

Innerhalb der NATO hat man dann aber noch ein weiteres System, das deskriptiver ist. So heißen die Fregatten alle »F 000«, die »Baden-Württemberg« heißt dann F 222, die »Nordrhein-Westfalen« F 223 und die »Sachsen« F 219. Die Klassen heißen F 125 und F 124. Man kann also anhand der Nummern zumindest erkennen, dass es Fregatten sind und auch in welcher Reihenfolge sie in Dienst gestellt worden sind.

Schaut man in der Liste der Schiffe der US Navy findet man dort die »Arleigh Burke« als DDG-51. »DDG« steht für »guided-missile destroyer«, wahrscheinlich ist das »DD« irgendwann für Zerstörter genutzt worden. Somit hat man eine Idee, was das für ein Schiff ist. Die nuklear betriebenen strategischen U-Boote heißen SSBN, die nuklearen Jagd-U-Boote heißen SSN. Die US U-Boote tragen auch Ortschaften als Namen, analog zu dem System in Deutschland.

Durch die Aufladung mit Geschichte und Abenteuer bekommen anfänglich beliebige Namen dann eine epische Konnotation. So spielt im Computerspiel Mass Effect das Schiff SSV Normandy SR-1 (und später SR-2) eine wesentliche Rolle. »SSV« steht für »Systems Alliance Space Vehicle«, die »Systems Alliance« sind die Streitkräfte der Menschheit, die auf mehr als nur der Erde lebt. »SR« steht für »stealth reconnaissance«, als Tarnaufklärung. Es ist das erste Schiff seiner Art, also »SR-1«. An sich ist »Normandy« eine Region in Frankreich, aber auch der Ort einer entscheidenden Schlacht im zweiten Weltkrieg. Das Schiff ist also schon einer historischen Schlacht gewidmet. Im Spiel erlebt man mit dem Protagonisten viele Dinge, die man dann auch mit dem Schiff verbindet. Am Ende ist »Die Normandy« ein Nostalgieobjekt aus vielen Stunden Spiel.

In der Serie »The Expanse« gibt es auch wieder verschiedene Schiffe, mein liebstes Schiff ist die »MCRN Donnager«. Der Name hat etwas von »Donnerbringer«, erinnert an Thor (Donar). Und dann ist man bei Mythologie. Beliebtes Namensschema für Computer ist auch die griechische Mythologie, das hatten wir an der Uni. Das klingt cool, allerdings sollte man einen Rechner nicht gerade »Kerberos« nennen, wenn er kein Kerberos-Server ist. Bei dem Projekt haben die sich schon dort bedient.

Es bleibt die Frage, was ich mit meinen Geräten mache. Als Softwareentwickler muss ich ständig Dinge benennen. Und da kann ich Dinge wie die NSA mit Zufallsnamen benennen. Das Laptop heißt dann »FARMFELONY«, der Gamingrechner »IRATEBAGEL« und das Handy »VIOLETFELONY«. Hmm, drei zufällige Namen, zweimal »Felony« (Straftat) drin. Irgendwie nicht toll. Jetzt kann ich immer wieder auf den Zufallsgenerator klicken, bis etwas cooles rauskommen. Oder wie Edward Snowden einfach Glück haben, dass der Zufallsname für sein Backup-Programm »epic shelter« hieß. Aber wenn man dann versucht in so einer Software-Landschaft zurechtzukommen, fühlt man sich wirklich wie ein Geheimagent, bei dem Dinge auch vor den Kollegen geheim sein sollen.

Daher setze ich auf der Arbeit auf ganz deskriptive Namen. Ein Werkzeug, dass die Performance vom Training analysiert? »Training Performance Analyzer«. Ein Werkzeug, dass allen Quelltext im Code automatisch formatiert? »Source Code Formatter«. Das ist so spröde wie der Arbeitnehmerpauschbetrag oder der Lohnsteuervorabzug, aber man weiß mit etwas Domänenwissen dann doch genau, was gemeint ist. Besser als Riester-, Rürup-, und Nahlesrente, deren Namen nichts über das Format aussagen.

Es ist halt auch nicht cool. So heißt mein eines Laptop »mu-t14«, weil es halt mein ThinkPad T14 ist. Und mein altes Laptop hieß »mu-x220«, weil es mein altes ThinkPad X220 war. Da weiß ich immer, was gemeint ist. Der Name wird auch nicht mit der Zeit öde, der ist direkt von Anfang an öde. Wenn ich ein Laptop »Donnager« nenne und dann nochmal Mass Effect spiele, will ich das Teil lieber »Normandy« nennen. Aber den Namen zu ändern ergibt wenig Sinn, weil der ja eben eindeutig und stabil sein soll.

Mir irgendwelche Adjektive ausdenken klingt auch erstmal gut. Der neue Desktoprechner könnte einen Namen mit »D« bekommen, dann ist der Formfaktor klar. Der hat ein Sichtfenster und LED-Beleuchtung. Ich könnte ihn »Dazzle« (schillern, blenden) nennen. Beim nächsten Rechner muss ich mir dann einen neuen Namen ausdenken. Es ist allerdings schwer, sich schon im Voraus einen passenden Namen auszudenken. Und jedesmal einen noch epischeren Namen zu finden wird wohl auch schwer. Insbesondere wenn der Rechner dann in den ersten Tagen kaputtgeht, hat er den dann noch verdient?

Oder ich nummeriere sie einfach nur durch, so wie die Marine das macht? Dann wäre das nach meiner Zählung »mu-desktop-7«, das Laptop »mu-laptop-7« und das Handy »mu-handy-6«. Das ist super deskriptiv, allerdings hat man vielleicht so gar keine Merkhilfe um die Nummer und den Namen zu verbinden. Mir darf dann auch kein weiterer Computer einfallen, den ich in der Vergangenheit gehabt habe, sonst müsste ich das Schema verschieben. Vielleicht auch einfach nach Jahreszahlen wie viele Software-Versionnummern? »mu-d24« löst dann »mu-d15« ab.

Eine Lösung habe ich am Ende nicht. Aber immerhin gibt es zu diesem Problem einen passenden xkcd-Comic. Also bin ich immerhin nicht die einzige Person, die das hier überdenkt.