Siegradweg bei Hennef

Die Radroute entlang der Sieg führt in Hennef um einige Ecken. Dabei ist die Beschilderung inkonsistent und irreführend. Ich zeige eine Fotostrecke entlang der Route und habe auch nochmal den Kontakt zur Stadt Hennef gesucht.

Bei der Satire-Sendung Die Anstalt haben sie ja regelmäßig eine Tafelnummer, bei der bei Claus von Wagner ganz aufgebracht die Verstrickungen von irgendeinem Skandal präsentiert und Max Uthoff beschwichtigt oder das ganze neoliberal verklärt. Die machen das derart häufig, dass sie sich inzwischen schon in der Sendung gegenseitig aufziehen, dass jetzt wieder eine Tafelnummer kommt. Und genauso ist es hier wieder Zeit für einen meiner typischen Artikel: Kartenausschnitt mit Nümmerchen, Fotostrecke und Kommentare. Ich brauche noch einen coolen Namen dafür. »Karten-Nummer« klingt nicht so fetzig, ich bin für Vorschläge offen.

Also dann erstmal die Karte von Open Street Map. Dort ist die offizielle Radroute in pink eingezeichnet.

Und da gibt es mal wieder einiges an Chaos. Inzwischen bin ich von Hennef ziemlich ernüchtert. Man kann sich mal alle Posts zu Hennef anschauen und einen Eindruck gewinnen.

Allner Weg

Wir beginnen am Allner Weg, von Osten kommend. Dort fährt man auf einem netten Feldweg, bis man in Hennef Ort angekommen ist. Dort muss man an Position 1 dann scharf nach rechts abbiegen. Das kann man schon übersehen. Dort warten dann auch Umlaufsperren auf einen.

Die sind natürlich dazu da, damit man in die Gegenrichtung nicht einfach in den motorisierten Verkehr fährt.

Durch den blickdichten Zaun zum Privatgrundstück sieht man dann auch nichts. Und eine Pufferzone auf der Fahrbahn gibt es auch nicht. Naja, kann man nichts machen.

Alte Ladestraße

Wir fahren weiter Richtung Westen zu Position 2. Dort endet jetzt der gemeinsame Geh- und Radweg. Die Frage ist, was das jetzt noch ist. Ein reiner Gehweg? Muss ich absteigen und schieben?

Wenn man von der anderen Seite (Position 3) schaut, wird man auch nicht so sonderlich schlau daraus. Da soll also weiter hinten ein Geh- und Radweg beginnen. Aber was ist hier? Also außer der freizuhaltenden Einfahrt. Wenn es eine Einfahrt für KFZ ist, dann kann es wohl kein Gehweg sein. Es ist einfach eine ganz normale Fahrbahn für alle. Nur mit Gehwegplatten.

Geht man noch einen Schritt zurück, so bekommt man eine Idee, was es vielleicht sein könnte. So ist dieser Gehweg dort ein reiner Gehweg, das Zusatzzeichen »Fahrrad frei« hat man inzwischen durchgestrichen und zurückgenommen.

Es ist also ein Gehweg, auf dem Radfahrer schieben müssen. Auf einer Radroute. Aber es ist ja auch Hennef. Wirklich schlimm ist das nicht. Schaut man nochmal von Position 2 in diesen Schlenker, erkennt man dass es nur ein kurzes Stück ist. Da wird man doch mal kurz schieben können.

An Position 4 geht es dann wieder gleichberechtigt weiter.

Von dort darf man erstmal ein gutes Stück mit dem Fahrrad fahren.

Willy-Brand-Platz

Interessant wird es dann wieder an Position 5. Wir kommen dort beim Willi-Brand-Platz an. Das ist ein kompletter Neubau. Ich fand die Ecke einfach merkwürdig und nicht einladend, habe mir aber weiter nichts gedacht. Im Austausch mit Architekten über Twitter habe ich erst benennen können, wie furchtbar diese Ecke eigentlich ist:

  • Alle Flächen sind versiegelt, somit ist das alles trocken dort. Die Oberflächen der Häuser sind auch noch aus Stein.
  • Das einzige Grün sind ein paar kleine Bäume in der Mitte. Die werden aber nicht reichen, damit das Gelände im Sommer kühl bleibt.
  • Bei den Häusern sind alle Seiten zur Öffentlichkeit hin. Es gibt keine sinnvolle Privatsphäre.
  • Für die Mülltonnen scheint kein sinnvoller Platz vorgesehen worden zu sein.
  • Durch die kreative Geometrie der Häuser ist da keine Wand wirklich gerade. Das treibt die Baukosten in die Höhe, und normale Möbel kann man auch nicht einfach aufstellen.

Mich hat vor allem die Infrastruktur für Radfahrer dort interessiert. Und die haben einen gepflasterten Weg direkt vor den Häusern. Dann gibt es noch die Fläche mit Schotter dort. Fährt man auf dem gepflasterten Weg, so hat man das Risiko einen Hausbewohner zu erwischen. Fährt man auf dem Schotter, so fährt es sich einfach nicht so gut. Aber auch wenn die Radroute da hinter dem Backsteinhaus nach links weitergeht, darf man da überhaupt nicht mit dem Fahrrad einfahren, weil das Zeichen 254 (Verbot für Radverkehr) nach rechts wirkt. Man müsste schieben, interessiert aber keinen von den Radfahrer:innen dort. Von der anderen Seite gibt es nämlich kein derartiges Zeichen. Das ist sehr merkwürdig.

Geht man da links um die Ecke, sieht man einen großen versiegelten Platz, auf dem ein paar Bäume stehen. Wirklich einladend ist das echt nicht. Bei den Bäumen steht der Hinweis, dass die Radroute nach rechts weitergeht. Das ist Position 6 auf der Karte.

Eine Ecke weiter, bei Position 7, steht dann noch ein Hinweis für weiteres Rechtsabbiegen mit der Radroute.

Folgt man dem, fahren wir auf einer Fahrbahn. Da hinten geht es auch mit einem Geh- und Radweg weiter. Aber was ist denn dieses Schild auf der linken Seite, das wir nur von hinten sehen können?

Ah, wir waren wohl in einer Fußgängerzone, in der man mit dem Fahrrad fahren durfte. Aber wo hat die angefangen? Wenn man in die andere Richtung fährt, dann hört die auch nie auf. Genauso wie hier, beim Ausgang aus der Fußgängerzone hatten wir ja auch kein Verkehrszeichen dafür gesehen. Mir ist noch immer nicht klar, wo die Fußgängerzone genau gilt. Es sieht nämlich so aus, als würde sie beide Seiten der Frankfurter Straße einschließen. Hennef hat also eine Fußgängerzone mit Landstraße mitten durch. Und die Bonner wollen ihren Cityring abschaffen, wo doch gerade eine dicke Straße eine Fußgängerzone so richtig kuschelig macht.

Naja, also weiter zu Position 8. Dort fahren wir auf den gemeinsamen Geh- und Radweg.

Nach rechts sieht man noch das »Radfahren verboten«-Zeichen auf der direkten Verbindung zwischen Position 8 und 5. Früher wurde die Radroute dort entlang geführt, aber wegen Geländer und den Stahlplatten ist das jetzt zu gefährlich. Außerdem scheint es nicht breit genug. Vielleicht haben sich auch Fußgänger:innen über die Radfahrer:innen beschwert.

E-Mail an die Stadt

Ursprünglich wollte ich nur über die nicht-endende Fußgängerzone schreiben. Dann habe ich aber noch die Merkwürdigkeiten bei Position 2 bis 4 gesehen. Und das Zeichen 254 (Verbot für Radverkehr) habe ich auf den Fotos auch noch gesehen. Das war dann einfach genug. Der Herr bei der Stadt hatte schon zwei E-Mails von mir während seines Urlaubs bekommen, jetzt kommt die dritte.

Sehr geehrter Herr […],

ich hätte noch eine Frage zum Willy-Brand-Platz. Dort beginnt an Position 7 der Karte eine Fußgängerzone. Diese hört aber entlang der Radroute (rosa) nicht mehr auf. Bis wohin erstreckt sich diese?

An Position 5 steht ein Zeichen 254 (Verbot für Radverkehr). Direkt darunter aber die Beschilderung für die Radroute. Das Zeichen wirkt nach links, also über die gesamte Breite. Dort soll man also schieben? Fährt man aber siegaufwärts, sieht man dieses Zeichen nicht. Wahrscheinlich soll es zum Zeichen 254 an Position 8 gehören, das den direkten Weg zu Position 5 untersagen soll.

Zwischen Position 2 und 3 ist unklar, auf welcher Art Weg man sich befindet. An Position 2 steht Zeichen 240 mit Zusatzzeichen 1012-31 (Ende). Da dies eine Einfahrt ist, handelt es sich wohl nicht um einen reinen Gehweg, sondern einfach eine Fahrbahn.

Zwischen Position 3 und 4 ist ebenfalls unklar, ob man mit dem Fahrrad fahren darf. Als Teil der Radroute fahren dort alle mit dem Fahrrad. Da aber entlang der Frankfurter Straße die Zeichen 1022-10 unter den Zeichen 239 alle durchgestrichen wurden, darf man das Fahrrad dort wohl nur noch schieben?

Insgesamt bin ich da bei genauer Betrachtung etwas ratlos, wo ich das Fahrrad fahren darf oder schieben muss.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Ueding

Sobald sich da etwas ergibt, werde ich eine Fortsetzung schreiben.