Im Stau sind alle Autos gleich. Und das führt bestimmt zu Unbehagen bei jenen Personen, für die das Auto ein Statussymbol ist. Vielleicht ist Stau deshalb nochmal ein besonderes Reizthema. Wobei man auch komfortabler und unkomfortabler im Stau stehen kann.
Auf einer Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, da kann man sich nach eigener Façon ausleben. Man kann die Fähigkeiten seines eigenen Autos ausfahren und so allen zeigen, wie viel Auto man sich leisten kann. »Freie Fahrt für Freie Bürger!« Und ob man mit der 4.000 EUR Nähmaschine mit 160 km/h angeflogen kommt oder man mit dem 60.000 EUR rollenden Wohnzimmer den linken Fahrstreifen mit 140 km/h blockiert, sich mit abwechslungsreichen Geschwindigkeiten zwischen 80 und 110 km/h stoisch auf dem mittleren Fahrstreifen vom Einschlafen abhält, da ist für jede:n etwas dabei!
Sobald man dann aber im Stadtverkehr im Stau steht, in Bonn geht das gerade besonders gut, wählt man seine Geschwindigkeit nicht mehr frei. Vielmehr schaut man nur auf die Bremslichter des Autos vor einem, regt sich über die ganzen Bumsdübel auf, welche Kreuzungen versperren. Aber der Anblick ist von einem großen oder kleinen Auto letztlich der gleiche. Viel schlimmer, in einem teuren Auto sitzend kommt man nicht voran unabhängig davon, wie billig das Auto vor einem ist. Auf der Autobahn mögen Raubtierblick-Scheinwerfer, Lichthupe und Blinker links noch ziehen, im Stau ist das dann endgültig egal.
Und wenn dann noch die Radfahrer:innen rechts an einem vorbeifahren, da kann man schon einmal seine Lebensentscheidungen in Frage stellen. Im Stau hat man ja genug Zeit dafür. Diese bösen Radfahrer:innen, die ja gar keine Mineralöl-, Kraftfahrt- oder Versicherungssteuer zahlen, die kommen einfach schneller voran als man selbst im teuren Auto. Wozu zahle ich die hohen Leasingraten denn eigentlich?
Zur kognitiven Dissonanzreduktion kann man selbst mit dem Fahrrad fahren. Oder aber man dreht sich das ganze anders zurecht. Mit Volkswirtschaftlichen Überlegungen zur Steuern, dem wutentbrannten Entschluss eine »Fahrradsteuer« einführen zu wollen. Fun Fact: Ich zahle mehr als tausendmal mehr Einkommensteuer als KFZ-Steuer. Da Steuern nicht zweckgebunden sind, landen die am Ende auch in Autobahnen. Aber wir wollten uns ja aufregen, um von der Nutzlosigkeit des eigenen Premium-Autos abzulenken. Also: Die Radwege endlich wieder in Staustreifen umwandeln, damit man mehr Rückstaufläche hat!
Oder aber man freut sich im Stau einfach über gemütliche Sitze, Automatikschaltung und vielleicht sogar einen Stauassistenten. Unser Auto hat das alles drei nicht, entsprechend nervig ist Stau immer. Es bleiben also auch im Stau noch Unterschiede, so gleich macht der dann auch wieder nicht.