Falschparker Melden plötzlich hoffähig

Auf dem Weg zur Arbeit bin ich durch Köln-Braunsfeld gekommen und habe dort im Gewebegebiet Straßenwerbung für das Melden von Falschparkern gesehen:

Schaut man sich zu dem Thema auf Twitter um, so sind es meist Radfahrer:innen oder Fußgänger:innen, die über den Weg der Privatanzeige freie Geh- oder Radwege erreichen wollen. Sie werden von den geparkten Autos behindert, und wollen sich ihr Recht auf freie Wege holen. Seitens gewisser Autofahrer:innen werden dann schnell Begriffe wie »Denunziant«, »Petze«, »Blockwart« genutzt. Es werden niedere Beweggründe unterstellt, man wollte sich an Autofahrer:innen abarbeiten oder hätte sonst keine Hobbys. Und jetzt wird das hier offen plakatiert. Huch‽

Auf dem Plakat ist das Logo vom Google Play Store abgebildet. Schaut man einmal dort nach, so findet man die App Falschparker Melden. In der Beschreibung der App findet man bezeichnende Rhetorik:

Mit wenigen Klicks jeden Parkplatz-Dieb melden

Es geht hier also nicht darum, für schwächere Verkehrsteilnehmer:innen Platz zu schaffen, sondern darum, den Parkplatz für das eigene Auto zu holen. Das scheint also etwas ganz anderes zu sein. Der Kampf um Parkplätze scheint unter Autofahrer:innen total akzeptiert zu sein. Andere Leute, die auf Parkplätzen stehen, sind also »Diebe«.

Die Plakate hängen direkt im Umfeld um eine Ladestation für Elektroautos. Und dort darf man nur stehen, während man das Fahrzeug lädt.

Es geht hier also darum, dass Autofahrer:innen, die ihr Elektrofahrzeug laden wollen, die Ladesäule freibekommen können. Dass sowohl Ladesäule, als auch die Parkplätze alle auf dem Gehweg stehen, hat schon einen Geschmack. Eben jener Geschmack, den die schwächeren Verkehrsteilnehmer:innen schon immer gewohnt sind.

Es kommt also auf das Framing an. Wenn man den Gehweg frei haben möchte, um ganz ohne Auto mobil zu sein, dann ist man ein »Denunziant«. Wenn man aber sein vom Bund mit vielen Tausend EUR gefördertes PHEV-SUV (»Dreck am Stecker«) auf einem zur Ladestation und Parkplatz umgerüsteten Gehweg laden möchte, dann ist das ein gutes Recht. Man soll sogar noch Entschädigung für die Zeit, die man auf die Ladestation warten musste, bekommen. Es fühlt sich sehr absurd an.