Automatisierung für Dopamin-Strohfeuer

Ich versuchte das Teilen von Zeichnungen und Fotos in sozialen Medien zu automatisieren. Das hat aber nicht geklappt. So richtig böse bin ich darum aber auch nicht, weil das wahrscheinlich gar nicht das Ziel ist.

Ich hatte mir ja Gedanken gemacht, wo ich meine Zeichnungen teilen möchte. Und da habe ich mir überlegt, welche Plattformen in Frage kommen könnten. So richtig motiviert, mich bei einer Plattform zu etablieren, war ich dann aber auch nicht. Meist kommen da einzelne Likes, mehr aber auch nicht.

Ich habe dann doch einmal Pixelfed, Cara und DeviantArt ausprobiert. Direkt nach dem Hochladen gab es ein paar Reaktionen, weil es wohl im globalen Feed aufgetaucht ist. Danach ist dann aber überhaupt nichts mehr passiert.

Mir war ziemlich klar, dass ich bei dieser Aufmerksamkeitsökonomie nur dann mithalten kann, wenn ich ständig neue Inhalte teile. Und selbst wenn ich das tue, bekomme ich nur ein paar Likes. Die mögen zwar kurz Glückshormone ausschütten, halten aber nicht vor. Daher braucht es einen Strom von denen, damit das Glück anhält.

Oder man entscheidet sich bewusst gegen diesen Mechanismus, weil man ihn durchschauen kann. Diese Plattformen sind so gebaut, dass man wie beim Glücksspiel manchmal eine Belohnung bekommt. Man wird eingespannt, sein Profil auszubauen, damit man in die Plattform investiert und nicht so schnell wieder geht. Dann bekommt man noch mehr Belohnung. Instagram funktioniert da super. In Hooked1 ist das schön beschrieben, wie das funktioniert.

Dann findet sich noch in Dopamine Nation3 viel Information zu Dopamin und unserem Belohnungssystem. Die Antwort auf das Dopamin-Strohfeuer unserer heutigen Zeit ist bewusste Reduzierung, nicht noch mehr davon. Das steht auch in Stolen Focus2 als Rat drin.

Zuletzt fand ich den Vortrag “How Craving Attention Makes You Less Creative”4 noch interessant. Man dreht sich dann nämlich nur noch in immer kleineren Kreisen, will ein Werk für Instagram machen und ist gar nicht mehr entspannt. Von daher ist Kunst von der Veröffentlichung her denken auch nicht sinnvoll.

Ganz viele Plattformen

Soweit die Vernunft. Aber irgendwie hat es mich nicht losgelassen, mir noch ein Online-Portfolio anzulegen. Bei Cara war es schon ganz nett. Es gibt aber noch andere Plattformen, wie Deviant Art oder Flickr, die ich noch ausprobieren könnte. Ich habe allerdings wenig Lust, meine immer größer werdende Sammlung an Werken immer wieder neu hochzuladen.

Um den Aufwand für eine neue Plattform zu senken, wollte ich das automatisieren. Da bin ich auf Playwright gestoßen, mit dem ich von Python einen Webbrowser steuern kann. Man kann dann Clicks aufnehmen, modifizieren und dann laufen lassen.

So sieht das zum Beispiel auf, um auf Cara einen Beitrag zu teilen:

def publish(
    path: pathlib.Path,
    title: str | None = None,
    description: str | None = None,
    hashtags: list[str] | None = None,
) -> None:
    with sync_playwright() as p:
        browser = p.chromium.launch(headless=False)
        context = browser.new_context(storage_state=_state_path())
        page = context.new_page()
        page.goto("https://cara.app/")
        with page.expect_file_chooser() as fc_info:
            page.locator("form").get_by_role("button").first.click()
        file_chooser = fc_info.value
        file_chooser.set_files(path)
        page.get_by_text("Add to Portfolio").first.click()
        if title:
            page.get_by_role("textbox", name="Title (Optional):").click()
            page.get_by_role("textbox", name="Title (Optional):").fill(title)
        if description or hashtags:
            bits = []
            if description:
                bits.append(description)
            if hashtags:
                bits.append(" ".join(f"#{tag}" for tag in hashtags))
            text = "\n\n".join(bits)
            page.locator(
                '[id="headlessui-dialog-panel-:r12:"] #description'
            ).click()
            page.locator('[id="headlessui-dialog-panel-:r12:"] #description').fill(
                text
            )

        page.get_by_role("button", name="Post").nth(1).click()
        page.get_by_role("button", name="close").click()
        browser.close()

Entsprechende Funktionen habe ich dann noch für andere Plattformen gebaut. Das Problem ist allerdings, dass auf jeder Seite irgendwas nicht klappt. So hatte ich bei Cara das Problem, dass der Dateibrowser gar nicht aufging. Damit war das dann nicht nutzbar.

Bei Deviant Art erkannte man die Automatisierung bei der Aufnahme mit Playwright:

Bei einer weiteren Plattform war die Texteingabe so merkwürdig implementiert, dass Playwright das nicht erkannt hatte. Ich hätte die Bilder ohne Text hochladen können, auch nicht so toll.

Nur Galerie auf der Webseite

Damit bleibt es dann bei der Galerie auf meiner Webseite. Vielleicht hole ich mir da noch einen schönen statischen Generator, der gerade den Text etwas schicker aufbereiten kann. Aber da kann ich dann einfach alles reinstellen und gut ist.

Da gibt es dann zwar keine Likes, aber was sind die schon wirklich wert, wenn man wirklich ehrlich ist?


  1. Eyal, Nir. Hooked: How to Build Habit-Forming Products. Penguin, 2014. 

  2. Hari, Johann. Stolen Focus: Why You Can’t Pay Attention. Bloomsbury Publishing, 2022. 

  3. Lembke, Anna. Dopamine Nation: Finding Balance in the Age of Indulgence. Dutton, 2021. 

  4. Gordon-Levitt, Joseph. “How Craving Attention Makes You Less Creative.” TED2019, April 2019. https://www.ted.com/talks/joseph_gordon_levitt_how_craving_attention_makes_you_less_creative.