Autobahnfahren in Belgien ist ja furchtbar

Autobahnfahren in Deutschland finde ich schon mühsam. Aber Belgien ist ja noch schlimmer, wer hätte das gedacht. Ein paar Eindrücke.

Es gibt ja das Rechtsfahrgebot auf Autobahnen, das sich in Deutschland aus § 2(2) StVO ergibt. Die Ausnahmen aus § 7 StVO gelten auf der Autobahn nicht, entsprechend ist auf der Autobahn immer möglichst weit rechts zu fahren. Da die Verkehrsregeln durch die EU und andere Abkommen recht gut harmonisiert sind, gilt das in Belgien genauso.

In Deutschland haben viele Leute ein Problem mit diesem Gebot, fahren auf dem mittleren von drei Fahrstreifen auf der Autobahn. Bei drei Fahrstreifen ist das Verweilen auf dem mittleren Fahrstreifen tatsächlich erlaubt, selbst wenn die nächste Überholabsicht noch einige Zeit dauern wird. Bei zwei Fahrstreifen gilt das nicht, da muss man direkt wieder nach rechts, wenn eine hinreichend große Lücke ist. Das klappt so mäßig, aber zumindest so ein bisschen.

Auf Autobahnen mit zwei Fahrstreifen ohne Tempolimit bilden sich zwei Geschwindigkeiten aus. Rechts fahren die LKW mit 80 bis 90 km/h. Man kann einfach mit dieser Geschwindigkeit dahinter fahren und hat seine Ruhe. Oder man wagt sich auf den linken Fahrstreifen. Dort fährt entweder irgendwer mit 120 km/h und es geht damit voran. Oder es ist recht leer und es gibt irgendeinen mit Autobahn-Dominator, der von hinten mit über 200 km/h angeschossen kommt. Entweder findet man schnell rechts eine Lücke, um aus der Schussbahn zu gelangen, oder man wird angeblinkt. Sobald der Verkehr dichter wird, geht links meist eh nicht mehr als 120 km/h, das ist tatsächlich entspannter.

Meine Strategie für deutsche Autobahnen ist entweder einfach nur 90 km/h hinter den LKWs fahren oder aber so bis 120 km/h zu fahren und die LKWs zu überholen. Bei jeder Gelegenheit wechsele ich wieder nach rechts, sodass die gestressten Leute an mir vorbei können. Wenn dann die Zeit kommt, den nächsten LKW zu überholen, komme ich meist ganz gut wieder nach links raus.

In Belgien ist diese Strategie allerdings nicht aufgegangen, obwohl dort durch ein Tempolimit von 120 km/h das eigentlich noch besser klappen müsste. Das Problem ist aber, dass in Belgien die Leute auch alle ein bisschen zu schnell fahren, meist links bleiben und auch nicht rechtzeitig wieder nach links ziehen, falls sie nach rechts gewechselt hatten. Ich illustriere das einmal.

Ich fahre mit meinen 120 km/h und habe einen LKW mit 90 km/h überholt. Ich blinke nach rechts und wechsle dann rüber.

Dann kommt aber irgendwann der nächste LKW. Weil links aber voller Autos ist, die alle links geblieben sind, kann ich nicht mehr nach links. Die fahren dann auch alle etwas schneller als erlaubt, sodass ich da gar nicht legal mithalten könnte. Entsprechend muss ich bremsen, um nicht dem LKW aufzufahren.

Und nun habe ich nur schlechte Optionen zur Verfügung. Ich kann einfach hinter dem LKW bleiben, was die Fahrtzeit allerdings erhöht. Ich kann auch ein bisschen Beschleunigen und einfach rausziehen. Das machen ganz viele andere Leute so. Insbesondere LKWs überholen gerne einander. Jedenfalls müssen dann alle anderen bremsen.

Dadurch wird auf dem linken Fahrstreifen die effektive Geschwindigkeit nur knapp über dem liegen, was rechts gefahren wird. Es ist absurd.

In meiner theoretischen Idealvorstellung fahren alle die gleichen 120 km/h. Und dann gibt es auch kein Problem mehr. Die anderen Leute wechseln auch nach rechts in die Lücke, ich kann problemlos wieder nach links wechseln, weil mich niemand »eingeklemmt« hat.

Das klappt halt nicht. Und somit ist die andere Strategie dann, einfach immer links zu bleiben. So ist man dann Teil dieser »Perlenkette« auf dem linken Fahrstreifen, der so mit 90 bis 125 km/h fährt. Immer, wenn irgendwer mit 90 km/h rauszieht (LKW oder PKW), bremst die gesamte Kette wieder ab.

Nüchtern betrachtet hat das auch nicht weniger Kapazität, als wenn man immer direkt nach rechts wechselt und man nicht überholt wird. Wenn man nicht überholt wird, dann ist es ohne Fahrstreifenwechsel sogar ehrlicher.

An sich kommt das dem System aus den USA näher. Dort gibt es kein Rechtsfahrgebot aber ein Tempolimit. Und so fahren dann alle das Tempolimit und man wechselt nicht so häufig die Fahrstreifen. Das ist auch ziemlich entspannt. Man kann sogar ganz links fahren, wenn man länger keine Abfahrt nehmen möchte.

In Belgien klappt es allerdings nicht ganz, weil es zum einen das Rechtsfahrgebot gibt, zum anderen ziehen immer wieder welche mit 90 km/h auf den linken Fahrstreifen. Das bringt ganz viel Unruhe rein.

Nachdem ich dann über die niederländische Grenze gefahren bin, war es plötzlich viel entspannter. Dort ist 100 km/h das Limit, und es gibt einfach keinen Grund mehr, zu überholen. Entsprechend weniger wird das auch gemacht.

Ganz davon ab ist die Qualität der Fahrbahndecke auch noch sehr unterschiedlich. In Belgien gibt es sogar dicke Aufbrüche auf der Autobahn, das ist lächerlich. Bei Radwegen kenne ich das von Wurzeln, aber auf der Autobahn mit 120 km/h ist das schon wirklich heftig. Wenn ich es mir aussuchen kann, würde ich immer lieber in den Niederlanden Autobahn fahren, als in Deutschland oder gar Belgien.