Keine Verkehrsregeln für Radfahrer

Offensichtlich mache ich etwas falsch, wenn ich mit dem Fahrrad fahre. Obwohl ich immer recht zügig fahre, sind viele andere Leute schneller als ich unterwegs. Das liegt nicht etwa daran, dass alle Ampeln rot sind und man immer wieder zusammen an den roten Ampeln ankommt.

Nein, ich bleibe an den roten Ampeln stehen, während eine erschreckende Anzahl Radfahrer diese ignorieren und einfach so weiter fahren. Es ist natürlich klar, dass man Zeit sparen kann, wenn man die lästigen roten Ampeln einfach ignoriert.

Dem Sprichwort „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert“ gemäß haben wahrscheinlich viele Radfahrer gar kein Interesse mehr, sich anständig zu benehmen und an die Verkehrsregeln zu halten. Mich selbst hält irgendwie mein Rechtsempfinden sowie die Sorge, angefahren zu werden, davon ab diese zeitsparenden Dinge auch zu tun. Aber gerne teile ich diese ganzen Tricks, die ich bei den anderen beobachtet habe. Nur weil ich zu feige bin, heißt es ja nicht, dass man daraus nicht lernen könne.

Warning

Dieser Artikel enthält Sarkasmus, und das natürlich nicht zu knapp. Dies ist ein Stilmittel mit dem überspitzt Dinge vollkommen falsch darstellt werden können. Also bitte nicht glauben, dass dies eine Anleitung zum Rechtsbruch sein soll. Danke.

Trick 1: Ampeln ignorieren

Dies ist ganz einfach umzusetzen. Ist eine Ampel rot und man sieht nicht direkt Verkehrsteilnehmer, die einen behindern, fährt man drüber. Der Grundsatz „die anderen passen ja auch auf“ hat sich da schon einige Male bewährt.

Trick 2: Fußgänger werden

Nicht jeder fühlt sich so alt, wie er auf dem Papier ist. Es wäre schon fast diskriminierend, wenn man sein Alter nicht selbst bestimmen kann. Viele Radfahrer fühlen sich in bestimmten Situationen jünger als 7 Jahre. Wahrscheinlich waren sie als Kind besonders ungeduldig und rote Ampeln sind einfach zu viel für sie.

Als Kind darf man natürlich auf dem Gehweg fahren. Vielleicht mache ich es wieder zu kompliziert und dieser Gedankengang existiert gar nicht; der Gehweg sieht einfach verlockend aus.

Beispiel: Man möchte rechts abbiegen, allerdings ist die Ampel rot. Jetzt müsste man als Spießer eigentlich bis zur Grünphase warten. Der geübte autonome urbane Radfahrer kennt natürlich diesen Trick und wechselt kurz vor der Ampel auf den Gehweg und fährt um die Kurve. Nachdem er die Ampel sicher hinter sich gelassen hat geht er wieder auf die Straße, weil auf dem Gehweg häufig Fußgänger sind, die den Weg blockieren.

Wenn man weiß, wie Ampelschaltungen normalerweise funktionieren, fällt jetzt auf, dass der Radfahrer beim Wechsel auf die Straße in den laufenden Verkehr geht, weil ja gerade diese Richtung davor grün hatte. Dies macht man durch einen beherzten nicht-Schulterblick, damit die Autofahrer und insbesondere andere Fahrradfahrer nicht irrtümlich annehmen, man hätte sie wahrgenommen. Sonst würden die ja auch nicht bremsen und auf einen Rücksicht nehmen.

Trick 3: Fußgängerampel

Dieser Trick ist mit dem zweiten stark verwandt, allerdings ein Spezialfall. Wenn man links abbiegen möchte, geht es nicht so einfach wie im vorherigen Trick. Weil die eigene Verkehrsrichtung gerade rot hat, ist die Fußgängerampel in der Regel grün. Man biegt also ohne Vorwarnung einfach links ab, und zwar noch vor der Kreuzung.

Die Auto- und Fahrradfahrer, die von links kommend rechts abbiegen, müssen natürlich in alle Richtungen gleichzeitig schauen, dass sie den Radfahrer nicht anfahren. Aber beim Abbiegen muss man ja aufpassen, von daher hätte man bei einem Unfall keine Schuld.

Nun fährt man mit dem Fahrrad gegen die Verkehrsrichtung auf dem Gehweg weiter bis zur Fußgängerampel, die parallel zu der Richtung ist, aus der man gekommen ist. Man ist seinem Ziel, dem links Abbiegen jetzt schon ein Stück näher.

Anfänger beim autonomen urbanen Radfahren wenden an dieser Stelle ein: „Aber die Fußgängerampel wird doch auch erst grün, wenn die Autoampel auch grün wird. Dadurch hat man keine Zeit gespart.“ Das ist fast richtig. Die Fußgängerampel wird häufig wenige Sekunden früher grün, was eine Zeitersparnis ist.

Das Geheimnis liegt aber versteckter. Und zwar müssen die linksabbiegenden Spießer darauf warten, dass der Gegenverkehr durch ist. Als Linksabbieger muss man auf die warten, deren Spur man kreuzt. Je nach Kreuzung und Verkehrssituation kann dies wirklich dauern. Im schlimmsten Fall kann man erst abbiegen, wenn die Ampel wieder rot geworden ist und kein weiterer Gegenverkehr mehr kommt.

Der geübte autonome urbane Radfahrer fährt allerdings direkt halb über die Fußgängerampel und fädelt sich auf der Straße ein. Autofahrer, die es recht schnell geschafft haben, links abzubiegen müssen dann auf den Radfahrer warten. Aber so ist das halt, wenn man mit dem moralisch unterlegenen Verkehrsmittel unterwegs ist.

Trick 4: Andere Straßenseite

Wenn man um einen Block herum fährt, geht das rechts herum deutlich besser als links herum. Einfach weil links abbiegen deutlich länger dauert als rechts. Dies wird wohl auch für die Routenplanung von Paketdiensten einbezogen, so dass möglichst selten links abgebogen werden muss.

Jedenfalls kann man es sich als Radfahrer hier deutlich einfacher machen. Man fährt einfach auf dem Rad- oder Gehweg auf der anderen Seite. Die Pfeile an den Radwegsymbolen auf dem Boden sind nur dazu da, damit Spießer nicht vergessen, in welche Richtung sie eigentlich fahren wollten. Fährt man auf der anderen Straßenseite, so sind Linkskurven mit Trick 2 ganz einfach zu fahren.

Trick 5: Mofas sind auch Fahrräder

Wenn man ehrlich ist, sind Mofas ja auch Fahrräder. Beide haben zwei Räder, man sitzt drauf, hat einen Lenker und hat normalerweise Geschwindigkeiten im Bereich von 15 bis 30 km/h. Die Sache mit dem Antrieb verwischt ja gerade durch die Elektroräder noch mehr, da würden also nur pedantische Leute drauf achten. Und von der Breite sind sich beide natürlich auch ähnlich.

Autofahrer stehen oft vor dem Problem, dass ihre Route um ein Naturschutzgebiet herum geführt werden muss, weil sie da nicht durchfahren können. Radfahrer dürfen da allerdings durch. Wie gerade festgestellt muss man sich als Mofafahrer nicht drum herum fahren, sondern kann einfach wie ein Fahrradfahrer durch das Naturschutzgebiet fahren.

Hier vor der Tür werden da sogar auch noch Lebensmittel angebaut. Das verbrannte Öl aus dem Zweitaktmotor gibt dem Getreide noch mal ein ganz besonderes Aroma, welches es durch den Hundekot alleine gar nicht erreichen könnte.

Trick 6: Vordrängeln an der Ampel

Laut meinem Fahrlehrer ist es erlaubt, mit dem Rad an der Ampel bis nach ganz vorne zu fahren, wenn genügend Platz da ist. Solange der Schutzstreifen für Radfahrer breit genug ist, und die Autos mich danach ohne Anstrengungen überholen können, fahre ich auch gerne nach vorne. Dadurch fahre ich parallel zu den Autos, und Parallelität ist inzwischen eines meiner Hobbies.

Der urbane Profi drängelt sich jedoch immer nach vorne, ohne Ausnahme. Die Autofahrer sind ja selbst schuld, dass sie mit dem Auto fahren. Sie hätten ja auch mit dem Rad fahren können. Oder zuhause arbeiten können. Jedenfalls startet der Profi dann langsam an der Ampel und hat schnell seine geringe Höchstgeschwindigkeit erreicht. Die Autofahrer können nicht überholen und hängen hinter dem Radfahrer. Erst deutlich hinter der Ampel ist die Gegenspur frei und die Autofahrer können mit ausreichend Sicherheitsabstand überholen. Aber dann kommt auch schon die nächste Ampel und der Profi drängelt sich wieder vor.

Festhalten muss man hier, dass es dem Radfahrer natürlich Zeit spart. Und das ist das wichtigste. Schließlich muss ökologische Überlegenheit doch irgendeinen Vorteil haben.