Verkauf eines Laptops über eBay

Beim Aufräumen ist ein altes Laptop aufgetaucht, das wohl zwei Jahre zuvor wegen einem Festplattenschaden ausgemustert wurde. Das dazugehörige Netzteil war nicht mehr aufzufinden. Es könnte also reichen ein neues Netzteil für 20 EUR zu kaufen und eine Festplatte zu verbauen, oder es ist totaler Schrott.

Mit dieser Offenheit habe ich das Laptop dann bei eBay reingestellt, »unbekannter Zustand« im Titel und »Ersatzteil/defekt« als Kategorie. Startpreis 1 EUR. Außerdem habe ich nochmal darauf hingewiesen, dass ich als Privatverkäufer keine Rücknahme anbiete. Es sollten also keine falschen Hoffnungen geweckt worden sein.

Zu meinem Erstaunen haben sich nicht nur einzelne sondern einige Interessenten gefunden. Ich bekam eine Frage nach fehlenden Schrauben rein, also ganz normal.

Ich habe als Zahlung nur Überweisung (Vorkasse) angeboten. Wenn ich per PayPal bezahle bin ich gezwungen mich gegen den Verkäufer abzusichern, muss immer mit Versandversicherung verschicken und dann noch eine Provision für die Bezahlung entrichten. Das sehe ich nicht ein, und da ich selbst bisher gute Erfahrungen damit als Käufer gemacht habe, darf man mir dieses Vertrauen entgegenbringen. Wenn jemand das nicht passt, muss er ja nicht bieten.

Zwei Tage vor Ende schrieb mir dann jemand folgendes:

16.01.2020 01:27

Hallo, darf ich bei Erfolg auf den Akku verzichten und mit PayPal zahlen? Da mein Konto so gut wie leer ist. Steuern fürs Auto und noch so einige Zahlungen.

MfG

Das war freundlich, fragen kann man. Ich habe geantwortet, dass ich deswegen nicht PayPal akzeptieren würde, war damit dann auch gut. Derjenige hat nicht geboten.

Nun war Auktionsende dann am 18.01.2020 um 20:41 zu Ende. Sehr erfreut habe ich gesehen, dass jemand 73 EUR für das Laptop im unklaren Zustand geboten hat. Kurz darauf sah ich aber dann vom Höchstbietenden diese Nachricht:

18.01.2020 21:26

Hallo,

gerade erst sehe ich das Sie als weitere Zahlungsoption kein Paypal haben, ich muss gestehen ich habe nicht darauf geachtet. Da mir andere Zahlungsoptionen zu unsicher sind da ich schon 3 Mal auf Banküberweisungen betrogen wurde, möchte ich lieber von dem Kauf zurück treten. Paypal ist und bleibt für mich die sicherste Option.

Würden Sie bitte den Kauf stornieren oder abrechen? Es ist wie erwähnt, für mich zu unsicher ohne Paypal.

Nachname

Dann hatte ich also das Problem, dass der Käufer nicht zahlen möchte. Daraufhin habe ich mir auf der Webseite von eBay angeschaut, was ich in dieser Situation denn tun kann. Zuerst wurde ein bindender Kaufvertrag abgeschlossen, der nicht so einfach unilateral aufgelöst werden kann. eBay räumt innerhalb der ersten Stunde wohl einen unilateralen Rücktritt für den Käufer ein. Dies hat der Höchstbietende allerdings nicht wahrgenommen, obwohl er zu dem Zeitpunkt schon gemerkt hatte, was das Problem ist.

Bemerkenswert finde ich auch, dass hier noch 45 Minuten verstrichen sind, bis er mir die Nachricht geschrieben hat. Normalerweise wird man nach einer Auktion mit PayPal aufgefordert zu bezahlen. Hat der Herr jetzt also das Ende der Auktion nicht mitverfolgt und später reingeschaut? Oder sich nachträglich überlegt den Artikel doch nicht haben zu wollen und über die Nummer wieder raus zu wollen?

Jedenfalls konnte ich als Verkäufer nur den Käufer bitten mich aus dem Kaufvertrag zu lassen, dafür hat der Käufer nochmal 10 Tage Zeit. Ich müsste also dann begründen, warum ich die Ware doch nicht liefern kann. Das entspricht ja überhaupt nicht den Gegebenheiten.

Daher schrieb ich dann zurück:

18.01.2020 22:07

Guten Abend,

es ist schade, dass Sie erst nach Abgabe des Gebotes die Details durchgelesen haben. Jedoch haben Sie mit Abgabe des Gebots und Erhalt des Zuschlags einen bindenden Kaufvertrag geschlossen. Daher bitte ich Sie jetzt auch Ihren Teil einzuhalten und zu überweisen.

Wie Sie an meinen tadellosen Bewertungen sehen können, habe ich bisher die per Vorkasse bezahlte Ware immer versendet.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Ueding

Seine Antwort:

19.01.2020 10:22

Guten Tag,

ich habe nicht darum gebeten mir vertragliche Vereinbahrungen darzulegen sondern Sie darum gebeten den Kauf abzubrechen.

Wenn Sie darauf beharren das ich dennoch bezahlen soll obwohl ich einen Fehler machte und mir in diesem Fall mehr als unsicher bin, denke ich lasse ich das lieber ebay selbst entscheiden und würde sodann einen Fall eröffnen.

MfG

Nachname

Warum er nur mit dem Nachnamen signiert, verstehe ich nicht ganz. Aber dass er mich nicht mit Namen anspricht kann man noch darauf deuten, dass ich seinen am Anfang nicht wusste.

Seine Sichtweise finde ich erheiternd. Es ist also »beharren«, wenn ich nicht gegenüber eBay es als meinen Fehler darstellen möchte, dass der Verkauf nicht zustande kommt? Das wollte ich natürlich so nicht stehen lassen:

19.01.2020 11:21

Guten Tag Herr Nachname,

ich habe Sie nicht darum gebeten ein Gebot abzugeben und mir jetzt diese Arbeit damit zu machen. Aber dann wissen Sie bestimmt auch, dass Sie innerhalb einer Stunde nach Abgabe des Gebots noch vom Kauf hätten zurücktreten können (gerade bei der Hotline erfahren).

Wenn ich jetzt einen Rücktritt anbieten würde, so müsste _ich_ eine Begründung abgeben, warum ich meine Seite des Vertrages nicht einhalten kann. Sie hätten 10 Tage Zeit über dieses Angebot zu entscheiden. Das entspricht allerdings überhaupt nicht meiner Auffassung der Situation, daher lassen wir das ebay offiziell klären. Nach der vorgeschriebenen Wartezeit von vier Tagen werde ich entsprechend das Ticket eröffnen.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Ueding

Also versuchte er es mit einer anderen Ausrede:

19.01.2020 11:40

Vielen Dank.

Was Ihre Auktion betrifft, habe ich diese erst 40 min bevor diese Auktion beendet wurde gesehen bevor ich das Angebot abgab.

MfG

Nachname

Er hatte 40 Minuten um sich alles durchzulesen. Wenn ihm Bezahlung per PayPal so verdammt wichtig wäre, hätte er doch darauf achten können.

Dann kam aber die vollkommen unerwartete Wendung mit einer Nachricht von ihm:

20.01.2020 18:43

Hallo,

ich bin bereit den Artikel zu zahlen. Allerdings geht das Bezahlen per Banküberweisung erst ab mitte nächster Woche, per Paypal wäre es kein Problem. Wären Sie damit einverstanden?

MfG

Nachname

Ich kann den Artikel vier Tage nach Ende der Auktion als nicht bezahlt markieren. Danach hat der Käufer nochmal vier Tage zum Reagieren, danach kann ich das Ticket schließen und ein Angebot an den unterlegenen Bieter machen. Also wollte der hier wohl Zeit schinden und hoffen, dass ich die 32 Tage verpasse, in denen ich das Ticket aufmache. Aber das weiß ich nicht. Ich habe mir überlegt, warum er nicht jetzt überweisen kann. Mir ist Geldmangel (Ende des Monats neues Gehalt) und Reise ohne Onlinebanking eingefallen. Ich versuchte eine Lösung zu finden:

20.01.2020 19:14

Sie haben ja echt ein Händchen dafür Ihre Problemen zu meinen machen zu wollen. Angesichts der Vorgeschichte ist es für mich _nicht_ in Ordnung bis Mitte nächster Woche zu warten; wer weiß, was Sie sich bis dahin dann ausgedacht haben.

Wenn Sie jetzt kein Geld auf dem Konto haben, oder kein Onlinebanking haben, bitten Sie doch einen Bekannten das Geld zu überweisen. Ich werde nach den vier Tagen das Ticket eröffnen, danach haben Sie wohl nochmal vier Tage Zeit zu bezahlen. Sie finden da bestimmt schon eine Lösung.

Das scheint er aber nicht annehmen wollen. Und ich denke, dass man ihn ab hier als beleidigend bezeichnen kann.

20.01.2020 21:54

wie ich schon erwähnte .. per Paypal wäre es absolut nicht das Problem, denn da hab ich mehr als Sie sich vorstellen können. Ich zahle grundsätzlich nur mit Kreditkarte oder eben per Paypal. Also, ich verbitte mir solche Anmaßungen!

Dann machen Sie eben einen Fall daraus. Ich bat um Abbruch und sie machen dadurch ein Fass auf. Bitte, machen sie was Sie was Sie wollen. Frechheit wirklich!

Er hat um Abbruch gebeten, das ist korrekt. Aber ich war nicht verpflichtet dem zu entsprechen. Ihm diesen Wunsch nicht zu erfüllen ist für mich nicht »ein Fass aufmachen«, aber gut. Ab diesem Punkt hatte ich dann auch keinerlei Hoffnung mehr, dass das noch was wird. Und habe daher angefangen den Troll zu füttern. Vielleicht nicht die sinnvollste Entscheidung. Aber irgendwie musste ich noch bis Mittwoch Abend überbrücken. Also schrieb ich das:

21.01.2020 08:17

Sie sind PayPal-Milliardär? Dann überweisen Sie doch einfach einfach den Betrag von PayPal zu Ihrem Bankkonto und überweisen es per SEPA an mich. Ich habe versucht mich in Ihre Situation hineinzuversetzen und mögliche Hinderungsgründe zu identifizieren. Da Sie anscheinend mehr Geld haben, als ich jemals gesehen habe, gibt es also keinen Grund, warum Sie nicht einfach überweisen. Somit gebe ich Ihnen Recht: Was Sie hier abziehen ist eine Frechheit.

Nun hatte er wohl doch nicht so viel Geld? Von ihm:

21.01.2020 18:42

Man muss nicht Milliardär sein nur weil man in regelmäßigen Abständen Geld aufs Paypalkonto überweist um Sicher zu stellen das man sich bei einer Kaufabwicklung sicher fühlen kann.

Verkäufer sowie Käufer haben gleichermaßen das Recht vom Kauf zurück zu treten, deshalb bat ich Sie ja den Kauf abzubrechen weil mir es zu Unsicher war wieder Mal per Banküberweisung zu zahlen da ich mehrfach mit solchen Aktionen Probleme mit dem Verkäufer hatte, dass schrieb ich Ihnen aber auch. Doch Sie beharren darauf den Artikel bezahlt zu bekommen und ich fühle mich dadurch genötigt, somit habe ich Ihnen sodann das Angebot unterbreitet Mitte nächster Woche per Banküberweisung zu bezahlen

Ich werde mit Sicherheit nicht vom Paypalkonto eine Transaktion zu meinem Bankkonto machen, ich bekomme langsam den Eindruck das Sie sehr in Geldnöten sind und daher werde ich den Kauf nicht vollziehen.

Des weiteren denke ich, auch wenn Sie den Artikel als “Defekt” deklariert haben, das er dann in einem noch schlimmeren Zustand ankäme, da Sie wohl möglich um Ihren Frust daran ablassen würden und ich dadurch keine weiteren rechtlichen Handhabe hätte da Sie den Artikel als Defekt einstellten und ich so Dumm war per Banküberweisung gezahlt hatte.

Ich werde mich persönlich darum kümmern und einen Fall eröffnen, denn ich habe auch das Recht den Kauf abzubrechen.

Beleidigungen, jetzt auch noch Unterstellungen. Eine super Unterhaltung. Dann wieder von mir:

21.01.2020 19:16

Sie schrieben, dass Sie auf Ihrem PayPal-Konto mehr Geld hätten als ich mir vorstellen könnte. Ich kann mir sicher größere Beträge vorstellen, Sie haben aber angeblich noch viel mehr als das. Nun aber doch nicht. Irgendwie kann ich Ihnen nicht folgen.

Wenn Käufer das Recht hätten vom Kauf zurück zu treten, müssten Sie mich nicht darum bitten. Da Sie bei eBay diese Möglichkeit nicht haben, scheinen Sie das Recht nicht zu haben. Davon ab haben Sie mir neulich verbieten wollen Ihnen Rechtsbelehrungen zu erteilen. Nun machen Sie das gleiche aber mit mir. Merken Sie was?

Sie fühlen sich genötigt den Vertrag einzuhalten, den Sie abgeschlossen zu haben? Ein schweres Los haben Sie da. Soll ich mich nach Zahlungseingang dann genötigt fühlen das Paket zu verschicken? Also keine Sorge, ich schicke das natürlich ab, sobald das Geld da ist. Ich möchte Ihnen nur diese Absurdität aufzeigen.

Als nächstes unterstellen Sie mir in Geldnöten zu sein. In der Nachricht davor bezeichneten Sie es noch als anmaßend, als ich versuchte Ihre Hinderungsgründe zu verstehen. Nun maßen Sie an meine finanzielle Situation einzuschätzen. Mir ist allerdings nicht ganz klar, warum Sie dadurch weniger Vertrauen in mich haben. Gerade wenn ich doch Geld nötig habe, würde ich von meiner Reputation als eBay-Verkäufer abhängen.

Den Frust, den ich mit diesem Verkauf habe, habe ich durch Ihr Verhalten. Hätten Sie nicht geboten, hätte ich jetzt bestimmt schon das Geld eines anderen Käufers und das Paket erfolgreich verschickt. Sie hatten noch 40 Minuten Zeit vor Gebotsabgabe. Diese haben Sie aber nicht genutzt um sich über die ihnen angeblich so wichtigen Zahlungsmethoden zu informieren. Die Stunde mit Rücktrittsrecht haben Sie vertreichen lassen. Nein, ich werde das Laptop mit Sicherheit nicht mutwillig beschädigen. Es ist bereits seit letzter Woche Donnerstag verpackt und steht im Paket in meiner Wohnung. Ich warte nur darauf endlich das Adressettikett drucken und es zur Packstation bringen zu können.

Während ich die Antwort verfasst habe, hat er wohl seinerseits bei eBay den Prozess zum Rücktritt ausgelöst. Ich bekam also diese automatische E-Mail vom Kundenservice:

21.01.2020 19:09

wir schreiben Ihnen, weil Ihr Käufer eBay-Name uns mitgeteilt hat, dass er den Kauf für den Artikel abbrechen möchte 202875475008.

Unter Probleme klären können Sie das einleiten. Ich wünsche Ihnen, dass die offenen Punkte schnell und einfach geklärt werden können und einen angenehmen Tag.

Ich habe nochmal auf der Webseite geschaut. Es gab zu dem Zeitpunkt nur die Möglichkeit den Verkauf einvernehmlich abzubrechen. Das will ich aber nicht, schließlich kann er mir dann eine schlechte Bewertung reindrücken, da ich nicht meinen Teil des Vertrages eingehalten habe. Also habe ich noch weiter abgewartet.

Am nächsten Morgen fand ich dann das hier in meinem Postfach von dem Herrn:

22.01.2020 07:14

Ich habe mich gestern noch mit ebay in Verbindung gesetzt, die Ihnen einen Mail zukommen lassen werden mit der Bitte den Kauf abzubrechen. Tun Sie das bitte.

Das ist erstaunlich kleinlaut nach der ganzen Vorgeschichte. Vielleicht hat er eingesehen, dass er doch kein unilaterales Rücktrittsrecht hat?

Ich weiß nicht genau wann, aber an dem Tag habe ich auch gesehen, dass der Herr mir eine negative Bewertung reingedrückt hat:

Extrem Beleidigend

Wahrscheinlich muss ich mir auch vorwerfen nicht perfekt sachlich geblieben zu sein. Aus meiner Sichtweise war er allerdings derjenige, der mit Beleidigungen angefangen hat. Laut meinen Informationen von eBay kann der Käufer mir keine schlechte Bewertung geben, wenn der Artikel als nicht bezahlt markiert worden ist. Ich ging also davon aus, dass die negative Bewertung wieder gelöscht wird.

Am 22.01.2020 gegen 23 Uhr habe ich dann das Ticket eröffnet, danach musste ich noch vier Tage warten, bis ich es wieder schließen konnte. Das Geld kam nicht, also habe ich den Fall dann um 27.01.20 08:34 geschlossen. Von eBay bekam ich die Nachricht:

der Käufer hat leider nicht bezahlt. Da Sie den Fall wegen eines nicht bezahlten Artikels geschlossen haben, erhalten Sie von uns eine Gutschrift Ihrer Verkaufsprovision.

Im eBay-Konto des Käufers wird ein nicht bezahlter Artikel vermerkt.

Die negative Bewertung vom Höchstbietenden wurde auch automatisch wieder gelöscht.

Daraufhin konnte ich beliebig vielen unterlegenen Bietern das Angebot unterbreiten den Artikel noch für ihr jeweiliges Höchstgebot zu kaufen. Denen habe ich einen Tag gegeben sich zu entscheiden. Leider kamen da fast keine Rückmeldungen. Am Ende habe ich vom Bieter mit dem sechsthöchsten Gebot (34 EUR) eine positive Rückmeldung bekommen und konnte das Laptop doch noch loswerden. Derjenige fragte noch, ob er mit PayPal bezahlen könnte. Jedoch überwies er einen Tag später einfach das Geld, sodass das hier nicht nochmal so eine Geschichte geworden ist.

Ob der Laptop noch funktionierte, habe ich jedoch nicht mehr erfahren.