Das fernsehzentrierte Wohnzimmer

Ich bin sicher in den USA etwas beschädigt worden, wenn es um das Verhältnis zum Fernsehen geht. Dort liefen immer drei Fernseher den ganzen Tag. In der Küche stand einer davon. Und beim Essen saß man im Halbkreis um den kleinen Fernseher herum und hat sich irgendwas angeschaut, was da gerade im Kabelfernsehen so lief. Im Keller gab es noch einen Raum nur zum Fernsehen.

Der einzig freie Platz am Küchentisch war der, der fast direkt vor dem Fernseher war. Da wollte natürlich keiner hin, weil man von da aus nichts sieht. Den habe ich dann bekommen. Und eigentlich fand ich das ganz gut, weil ich dann nicht Fernsehen schauen musste. Aber irgendwie waren die anderen häufig mit Gucken beschäftigt, so dass man sich nicht so optimal unterhalten kann.

Das ist natürlich so eine Sache, wie man aufwächst, vielleicht. Der Fernseher meiner Eltern steht in einem Schrank, den man nur öffnet, wenn man auch Fernsehen schaut. Somit ist nicht alles darauf ausgerichtet. Viele Wohnzimmer, die ich kenne, sind eigentlich nur so eine Art Kinosaal.

Das finde ich ziemlich schade. Generell finde ich Filme schauen nicht so berauschend. Ich unterhalte mich lieber mit Leuten oder Zocke irgendwelche Computerspiele. Aber dieses Film anmachen, zwei Stunden zurücklehnen und sich berieseln lassen, das gefällt mir einfach nicht so recht.

Dass ich nicht gerne Filme schaue führt dazu, dass ich fast keinen aktuellen Film kenne. Und damit gibt es immer dieses „Wie, den Film kennst du nicht?“-Moment. Das ist sogar derart häufig, dass ich extra ein Portal für Filmvorschläge habe. Allerdings habe ich davon noch nichts geschaut, glaube ich. Das liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass das Streamen von Filmen immer irgendwelche furchtbare Software (Adobe Flash, Microsoft Silverlight) braucht, extrem teuer ist (8 EUR für einen Stream?) und dann irgendwie doch nicht funktioniert. Videothek ist da schon günstiger und frustfreier. Aber ich habe gar keinen DVD-Player. Durch die verschiedenen Machenschaften der Filmindustrie sind mir Filme auch echt egal, irgendwie.

Aber zurück zum Wohnzimmer. Bei einigen Familien läuft im Hintergrund der Fernseher. Damit komme ich, vor allem nach meinem USA Aufenthalt, nicht mehr so recht klar. Ich finde, dass das Unterhaltungen irgendwie dann hemmt. Man schaut den Film und macht eventuell noch etwas nebenher. Aber die Unterhaltung geht unter, weil irgendjemand sich dann doch auf das konzentrieren möchte, was da kommt.

Ein Freund von mir sagte neulich mal:

Der Fernseher macht aus dem Kreis der Familie einen Halbkreis.

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag schon viel früher schreiben, habe mir dafür aber nicht die Zeit genommen. Mit dem Spruch musste ich es jetzt aber mal machen.

Der Spruch bringt es genau auf den Punkt. Daher bin ich auch froh, dass ich keinen Fernseher habe. Wenn ich mal etwas wie die heute-show oder Last Week Tonight schauen möchte, kann ich das mit dem Laptop auf dem Sofa oder im Bett genauso tun. Ich brauche keinen metergroßen Fernseher dazu. Wenn ich mich mit Leuten treffe möchte ich mit denen etwas zusammen machen. Und nicht nur zusammen in der Ecke hängen und auf einen Monitor starren. Dann schon lieber jeder vor seinem eigenen Monitor, ein Spiel zockend und ständig fluchen, dass der andere gewinnt. Das ist dann wenigstens Interaktion.

Auch beunruhigend fand ich einen Blogeintrag zum Thema Medienversorgung auf Autofahrten. Es geht um ein Gerät, das mit einem USB-Stick einen Medienserver mit WLAN aufmacht, so dass die Kinder mit ihren iPads auf eine große Bibliothek Filme zugreifen können. Woher man die Filme als Datei legal bekommt, weiß ich zwar nicht, aber egal. Was mich daran stört ist, dass die Kinder auf der Autofahrt mit dem iPad und einem Film ruhiggestellt werden sollen. Sie sollen konsumieren, sich berieseln lassen.

Dass man als Fahrer seine Ruhe haben möchte, kann ich verstehen. Aber die Kinder einfach nur so abzustellen finde ich doof. Es wäre doch besser, wenn man etwas interaktives auf die Dinger packt. Irgendwas, wo man was bauen kann. Minecraft beispielsweise. Dann braucht man auch keinen Tank voller Filme.

In der Bahn habe ich mal einen kleinen Jungen gesehen, der ein Flagschiff-Smartphone hatte und darauf irgendwelchen Schrott spielte. Der schrie ständig laut auf und war von seiner Umgebung vollkommen losgelöst. Er nahm wohl gar nicht wahr, dass da diverse Leute um ihn herum ziemlich genervt waren. Die Eltern waren komplett machtlos, die meinten nur so „der hört nicht“. Super Strategie, das hat der kleine schon mal perfektioniert. Hätte man den vielleicht nicht immer nur abgestellt, wäre das sicher besser geworden.

Irgendwann war ich so genervt, dass ich das Abteil gewechselt habe. Dort saß eine Mutter mit ihrer Tochter und malte etwas. Die schienen Spaß zu haben, waren überhaupt nicht nervig. Beim Autofahren ist es natürlich schwierig, mit seinen Kindern zu malen. Aber warum müssen beide Kinder mit je einem iPad ruhiggestellt werden? Können die nicht zusammen irgendwas machen? Kann man nicht wenigstens zusammen ein Hörbuch hören?

Vielleicht muss ich ein paar der Punkte revidieren, wenn ich selbst mal Kinder habe. Dann bin ich vielleicht auch froh, wenn ich mal Zeit ohne Ansprache habe.

Jedenfalls ertrage ich dieses Zeittotschlagen mit Fernsehen nur noch sehr selten.